Handball-Bremenliga der Männer

Alles begann auf dem Dachboden

Jonas Pfeiffer vom ungeschlagenen Spitzenreiter SV Grambke-Oslebshausen II weist in der Handball-Bremenliga der Männer mit 11,08 Treffern pro Spiel den besten Schnitt aller Spieler auf.
19.03.2020, 15:09
Lesedauer: 3 Min
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Von Karsten Hollmann
Alles begann auf dem Dachboden

In der kommenden Serie muss Jonas Pfeiffer sich beim SV Grambke-Oslebshausen für eine Handball-Mannschaft entscheiden.

OLAF KOWALZIK

Jonas Pfeiffer vom ungeschlagenen Spitzenreiter SV Grambke-Oslebshausen II weist in der Handball-Bremenliga der Männer mit 11,08 Treffern pro Spiel den besten Schnitt aller Spieler auf. Der 21-Jährige erzielte auch mit insgesamt 133 Toren die zweitmeisten Treffer nach Nico Schnaars von der HSG LiGra. Bei so viel Qualität trainiert Jonas Pfeiffer auch mit der ersten Mannschaft des Vereins und bestreitet dort so viele Partien wie möglich.

Weil der Rechtsaußen erst im November des vergangenen Jahres 21 Jahre alt geworden ist, darf er in beiden Teams parallel auflaufen, ohne sich festzuspielen. In der kommenden Serie muss er sich dann aber für ein Team entscheiden. „Wir werden uns dann mal alle zusammensetzen, um zu besprechen, wie es weitergeht“, informiert Jonas Pfeiffer. Noch sei ja schließlich auch nicht klar, ob die erste SVGO-Formation aus der Landesliga absteigt. Sein Trainer im zweiten Team, Jörg Rutenberg, hatte sich vor drei Jahren ein Spiel des Hagener SV angeschaut, um Henrik Puvogel als potenziellen Neuzugang für das erste SVGO-Team zu beobachten – der entschied sich dann aber zu einem Wechsel nach Schiffdorf. Doch mit Jonas Pfeiffer und Phillip Elflein fielen Rutenberg noch zwei weitere HSV-Akteure auf, die er auch in den Bremer Norden locken konnte. Während Elflein und Puvogel inzwischen, wie Pfeiffers jüngerer Bruder Ben (15), wieder für Hagen im Einsatz sind, ist Jonas Pfeiffer sehr zur Freude von Jörg Rutenberg geblieben. „Jonas lebt von seiner Schnelligkeit. Er hat zudem ein gutes Gespür dafür, wann er bei der ersten Welle, also bei Tempogegenstößen, loslaufen muss“, schwärmt Rutenberg. „Tempogegenstöße waren schon in der Jugend meine Sache“, berichtet Jonas Pfeiffer. Angefangen habe alles im Elternhaus des Youngsters. „Ich habe als Kind auf dem Dachboden Handball mit meinem Vater gespielt“, lässt der Student der Luft- und Raumfahrttechnik wissen.

Pfeiffer kommt aus Finna, einem kleinen Dorf bei Hagen, das unweit der Grenze zum Landkreis Osterholz liegt. Der Linkshänder habe schnell Blut geleckt und sich dann auch mit sechs Jahren beim Hagener SV angemeldet, um im Verein zu spielen. Bis vor Kurzem trainierte Jonas Pfeiffer an zwei Tagen in der Woche immer nacheinander bei der ersten und der zweiten Mannschaft der Gelb-Blauen. „Da das Training dienstags aber in zwei unterschiedlichen Hallen stattfand, war es für mich sehr schwierig, zumal sich die Zeiten auch noch überschnitten“, gibt der Studierende zu bedenken.

Also trainiert er nun dienstags mit der zweiten Formation und donnerstags nach wie vor in beiden Mannschaften. Derzeit findet aber aufgrund des Coronavirus gar kein Training statt. „Für uns wäre ein Saisonabbruch natürlich extrem bitter, weil wir nach zwei knapp verpassten Aufstiegen nun kurz davor stehen, den Meistertitel zu feiern“, teilt der Goalgetter mit. Er fühle sich auch in erster Linie als Spieler der zweiten Mannschaft, die für ihn zudem oberste Priorität genieße.

„Aber solange ich altersmäßig noch für beide Teams auflaufen kann, möchte ich dies auch ausnutzen“, betont der 21-Jährige. Dieser profitiert in der zweiten Formation auch von seinem Nebenmann Nils Zittlosen. „Nils macht sehr viel für Jonas. Die beiden harmonieren hervorragend auf der rechten Seite miteinander“, versichert Jörg Rutenberg. Jonas Pfeiffer möchte seinen erfahrenen Nebenmann auch nicht mehr missen: „Ich habe noch nie mit einem solch guten Handballer zusammengespielt“, lobte Pfeiffer Routinier Nils Zittlosen. Als Außenspieler sei er extrem auf die Vorarbeit der Mitspieler angewiesen.

Jonas Pfeiffer hätte mit Sicherheit die meisten Treffer in der Bremenliga auf dem Konto, wenn er nicht sechs Wochen wegen eines Bänderrisses im rechten Sprunggelenk hätte pausieren müssen. „Ich bin ausgerechnet bei einem Handball-Juxturnier umgeknickt“, teilt der Torjäger mit. Er habe sich in der Vergangenheit auch bereits einen Bänderriss im anderen Fuß zugezogen. In der vergangenen Saison brach er sich zudem einen Daumen.

„Ansonsten bin ich aber von Verletzungen verschont geblieben“, versichert der Student. Nach seinem Bänderriss von Ende Dezember 2019 war Pfeiffer im Februar dieses Jahres ins Team zurückgekehrt. „Ich habe aber immer noch nicht meine alte Fitness wiedererlangt“, räumt Jonas Pfeiffer ein. Derzeit bleibe ihm auch nur das Laufen, um sich individuell fit zu halten. „Da muss ich mich aber überwinden. Erst wenn ein Ball ins Spiel kommt, ist bei mir alles gut“, erklärt der Sportler.

Jonas Pfeiffer könnte sich auch vorstellen, die Saison ohne Zuschauer zu Ende zu spielen: „Das dürfte in der Bremenliga ja ohnehin kein Problem sein.“ Dann würde es aber eben keine hoch emotionalen Partien wie das Rückspiel gegen den Zweiten HSG LiGra geben, das mehr als 250 Zuschauer in der Sporthalle an der Sperberstraße in Oslebshausen sehen wollten. „Beide Spiele gegen Grasberg waren besonders. Die HSG LiGra war ein guter und fairer Gegner“, sagt Jonas Pfeiffer. Gegen einen vorzeitigen Abbruch der Fußball-Bundesliga hat der Werder-Fan nichts: „Wenn Werder dadurch nicht absteigt, ist mir der Grund nicht wichtig.“

Sollte die Handball-Bremenliga fortgesetzt werden, glaubt Pfeiffer fest an den Titel: „Ich gehe davon aus, dass wir es schaffen. Die ganz große Spannung ist zwar raus, weil wir die starken Gegner schon hatten. Aber wir haben schließlich gezeigt, was wir können.“

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