Amtshilfe der Bundeswehr

Soldaten unterstützen in Grambker Pflegeheim

Vier Marinesoldaten leisten seit Anfang des Monats Amtshilfe in der Heimstätte am Grambker See. Durch ihren Einsatz am Empfang haben die Pflegekräfte nun wieder mehr Zeit für ihre eigentlichen Aufgaben.
22.04.2021, 07:00
Lesedauer: 4 Min
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Soldaten unterstützen in Grambker Pflegeheim
Von Julia Ladebeck

Normalerweise ist Florian Freimuth bei der Einsatzflottille 2 in Wilhelmshaven in der Abteilung Betriebsunterstützung für die Brandschutzabwehr zuständig. Derzeit arbeitet der Oberstabsgefreite in der Heimstätte am Grambker See. Gemeinsam mit drei anderen Soldaten unterstützt der 32-Jährige seit Anfang des Monats die Mitarbeiter der Einrichtung des Sozialwerks der Freien Christengemeinde Bremen. Weil er ihnen einige der Arbeiten abnimmt, die durch die Corona-Pandemie zusätzlich entstanden sind, können sie sich nun wieder ihrer eigentlichen Aufgabe widmen: der pflegerischen Versorgung der Bewohner.

„Die zusätzlichen Abläufe fressen viel Zeit, auch wenn sie sich nach über einem Jahr seit Ausbruch der Pandemie inzwischen eingespielt haben“, schildert Pflegedienstleiter Sebastian Schillhahn. Er nennt einige Beispiele für die zahlreichen Aufgaben, die durch die besondere Situation neu hinzugekommen sind: tägliche Temperaturkontrolle bei den Bewohnern, Corona-Schnelltests, Kontakt zu Mitarbeitern des Gesundheits- und Ordnungsamts, zusätzliche Hygienemaßnahmen. Neben der pflegerischen Versorgung brauchen die Bewohner außerdem eine viel intensivere psychische Betreuung, sagt Schillhahn. „Mehrere Wochen in Isolation zu leben, begrenzt auf wenige Quadratmeter, das macht etwas mit den Menschen. Der psychische Bedarf ist viel größer geworden und die Zuwendung, die wir den Bewohnern geben möchten, braucht Zeit.“

Die wiederum ist für die Pflegekräfte noch knapper als ohnehin schon. Immer wieder werden ihre Tätigkeiten unterbrochen, weil es an der Tür klingelt. Denn kein Besucher, kein Lieferant, darf wegen der Pandemie einfach so das Haus betreten. Alle müssen sich in Listen eintragen, Hände desinfizieren über die Verhaltensregeln im Haus aufgeklärt werden. Aus Infektionsschutzgründen bringen viele Lieferanten die Waren nicht mehr ins Haus. „Wir haben deshalb nebenbei noch gemeinsam die Europaletten abgeladen, die vor der Tür abgestellt wurden“, erzählt Sebastian Schillhahn.

Bis Ende Mai müssen die Pflegekräfte zumindest diese Arbeiten nicht mehr übernehmen. So lange geht der Einsatz der Bundeswehrsoldaten in der Heimstätte am Grambker See. Florian Freimuth versieht seinen Dienst am Empfang der Einrichtung. Er begrüßt Besucher, nimmt Post und Lieferungen wie Getränke und Material entgegen, verteilt alles auf die unterschiedlichen Wohnbereiche. „Das ist eine erhebliche Entlastung für uns und verschafft uns mehr Zeit“, betont Schillhahn. Florian Freimuth gefällt die Aufgabe, die er im Wechsel mit einem anderen Soldaten im Früh- und Spätdienst übernimmt. Jeweils eine Woche sind zwei Soldaten im Dienst in der Heimstätte, in der nächsten übernehmen zwei andere.

Von den Bewohnern werde er sehr freundlich aufgenommen, erzählt der Marinesoldat. „Mittlerweile kennen mich die Menschen hier schon und es sind schon einige nette Gespräche entstanden. Zwei Bewohner haben mir von ihren Erfahrungen beim Militär erzählt.“ Für ihn ist es nicht der erste Amtshilfeeinsatz. Vor einigen Monaten hat er bereits in einem Pflegeheim in Osnabrück gearbeitet, dort Besucher und das Personal auf Covid-19 getestet. „Wenn wir helfen können, dann machen wir das. Die Bundeswehr ist nicht nur dafür da, das Land zu beschützen, sondern auch dafür, Hilfe zu leisten“, betont er. „Die alten Menschen haben jahrelang gearbeitet, Deutschland mit aufgebaut. Nun müssen sie auch unterstützt werden“, sagt er über seine Motivation.

Bewohnerin Sigrid Becker sieht den Einsatz der Helfer von der Bundeswehr ebenfalls positiv. Die alte Dame, die im vergangenen Jahr zwei Wochen unter Quarantäne stand und diese Zeit in ihrem Zimmer verbringen musste, weiß den Einsatz der Pflegekräfte im Haus zu schätzen – seit ihrer Isolation noch viel mehr. Denn nur zu ihnen hatte die Seniorin lange Zeit Kontakt. „Es ist schön, dass sie jetzt Unterstützung haben“, findet Sigrid Becker deshalb.

Matthias Bonkowski, Vorstand des Sozialwerkes der Freien Christengemeinde, ist froh, dass das Amtshilfeersuchen für die Heimstätte am Grambker See gebilligt wurde. Auch für seine anderen beiden stationären Einrichtungen in Gröpelingen und am Oslebhauser Park hatte der gemeinnützige Verein die Sozialbehörde um Unterstützung durch die Bundeswehr gebeten. Bewilligt wurde sie bisher aber lediglich für die Grambker Heimstätte.

„Obwohl wir unser Personal aufgestockt haben, ist die Belastung für die Mitarbeiter weiterhin sehr hoch“, so Bonkowski. Im hauswirtschaftlichen Bereich seien die Stunden aufgestockt worden, weil durch die zusätzlichen Hygienemaßnahmen mehr Arbeit entstanden sei. „Mehrmals täglich müssen alle Flächen desinfiziert werden“, nennt Bonkowski ein Beispiel. Und eine Mitarbeiterin wurde inzwischen extra eingestellt, um die Corona-Schnelltests vorzunehmen. „Der Einsatz der Soldaten ist nun zusätzlich eine echte Entlastung.“

Info

Zur Sache

Die Bundeswehr leistet Amtshilfe

Deutschlandweit leisten aktuell 15.400 Soldatinnen und Soldaten Amtshilfe. In Bremen sind momentan 89 Soldatinnen und Soldaten in unterschiedlichen Bereichen eingesetzt, 16 Soldaten arbeiten derzeit in insgesamt neun Senioren- und Pflegeheimen. Weitere Einsatzorte sind Testzentren, Impfzentren, das Gesundheitsamt und der Krisenstab.

Zum Ablauf: Senioren- und Pflegeheime, die Unterstützung benötigen, weil die Kapazität der zivilen Kräfte ausgeschöpft ist, wenden sich an die Wohn- und Betreuungsaufsicht. Die Sozialbehörde stellt dann Amtshilfeersuche an das Landeskommando Bremen. Entschieden wird über die Amtshilfeersuche schließlich beim Kommando Territoriale Aufgaben der Bundeswehr in Berlin. Die Bundeswehr darf nur zum Einsatz kommen, wenn keine zivilen Kräfte zur Verfügung stehen, die die erforderlichen Tätigkeiten ausführen können.

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