Forderung nach Lärmschutz Autobahnlärm belastet Anwohner

Anwohner beklagen sich über über Lärm von der A 27 und der A 270. Der Beirat Burglesum fordert nun aktuelle Berechnungen und die Aktualisierung der Grenzwerte.
27.09.2019, 09:46
Lesedauer: 2 Min
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Von Klaus Grunewald

Lesum. Gut die Hälfte der Deutschen fühlt sich durch Straßenverkehrslärm gestört oder belästigt. Das geht aus einer Umfrage über das „Umweltbewusstsein in Deutschland 2016“ hervor. Zu den Betroffenen zählen sich aktuell auch Bürger, die in der Nachbarschaft des Verkehrsknotenpunktes Bremen-Nord, ehemals Kreisel, wohnen. Sie verlangen seit geraumer Zeit zusätzliche Lärmschutzmaßnahmen, müssen sich nach Mitteilung des Amtes für Straßen und Verkehr aber in Geduld üben. Das stößt auch beim Beirat Burglesum auf Kritik.

Ob sie im Halmgebiet einschließlich Halmstraße, an der Bremerhavener Heerstraße oder Am Heidbergstift zu Hause sind – schon im vergangenen Jahr hatten Anwohner über unerträglichen Lärm von der A 27 und der A 270 geklagt. Und die Bürger haben auf „groteske Situationen“ hingewiesen, wonach Lärmschutzwände zum Beispiel vor unbebauten Grundstücken stehen, aber dort fehlen, wo Menschen wohnen.

Meike Jäckel vom Amt für Straßen und Verkehr (ASV) zeigte während der Beiratssitzung zwar Verständnis für die Klagen der Anwohner, verwies aber darauf, dass der Bremer Behörde die Hände gebunden seien. Begründung: Für Autobahnen ist der Bund zuständig, außerdem steht eine erneute Überprüfung der Lärmwerte für die A 27 und A 270 offiziell erst im nächsten Jahr an.

Der Schallpegel an Straßen und Autobahnen werde nicht gemessen, sondern von Gutachtern berechnet, erfuhren die Kommunalpolitiker und Zuhörer von Meike Jäckel. Messungen seien immer nur Momentaufnahmen an einzelnen Messstandorten und deshalb ungenau. Nach der Verkehrslärmschutzverordnung müssten die Schallimmissionen deshalb berechnet und alle fünf Jahren überprüft werden.

Im Jahre 2015 sind zwischen den Autobahnanschlussstellen Lesum und Ihlpohl täglich rund 43 000 Fahrzeuge gezählt worden. Der Anteil des Schwerlastverkehrs belief sich auf 3,2 Prozent. Zwischen den Anschlussstellen Ihlpohl und der A 27 waren im selben Zeitraum 37 300 Fahrzeuge mit einem Anteil der besonders lauten Brummis von drei Prozent unterwegs. Die berechneten Schallimmissionen liegen laut Meike Jäckel deutlich unter den Grenzwerten in Wohngebieten von 67 db (A), also Dezibel, zwischen 6 und 22 Uhr sowie 57 db (A) zwischen 22 und 6 Uhr. Die ASV-Expertin verhehlte allerdings nicht, dass die Bewohner von elf Häusern erhöhten Lärmpegeln ausgesetzt seien.

Der Burglesumer Beirat hatte bereits im vergangenen Jahr auf der Grundlage eines Bürgerantrags zusätzliche und langfristige Lärmmessungen in den Wohngebieten rund um den Verkehrsknotenpunkt gefordert, wie Ortsamtsleiter Florian Boehlke unterstrich. Deshalb müssten jetzt im Zuge der Lärmvorsorge entlang der A 270 und A 27 aktuelle Zahlen ermittelt werden, heißt es in einem von Beiratssprecher Martin Hornhues (CDU) formulierten und einstimmig verabschiedeten Antrag des Lesumer Stadtteilparlaments.

Das Amt für Straßen und Verkehr sowie das Bundesministerium für Verkehr sollen zudem prüfen, ob die notwendige Sanierung der A 270 beispielsweise durch "Flüsterasphalt“ (Marion Wolter, SPD) sowie Geschwindigkeitskontrollen den Lärmpegel senken würden. Schließlich soll sich die Senatorin für Klimaschutz, Umwelt, Mobilität, Stadtentwicklung und Wohnungsbau, Maike Schäfer (Grüne) auch dafür einsetzen, dass die zurzeit geltenden Grenzwerte angepasst werden, um die Wohnqualität zu verbessern, und das Lärmaktionsprogramm neu aufgelegt wird.

Zur Beiratssitzung war ein Vertreter der senatorischen Behörde eingeladen worden, jedoch ohne Begründung nicht erschienen. Das Kommunalparlament erwartet nur eine schriftliche Erklärung dafür. Außerdem soll das zuständige Senatsressorts innerhalb von drei Monaten zum Forderungskatalog Stellung nehmen.

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