Fußball-Bezirksliga

Banges Warten beim 1. FC Burg

Am Sportpark Grambke herrscht Ungewissheit. Was ist die Tabellenführung wert, wenn der Spielbetrieb der Serie 2019/20 nicht fortgesetzt wird?
26.03.2020, 15:50
Lesedauer: 3 Min
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Von Jens Pillnick
Banges Warten beim 1. FC Burg

Weder die Fans noch die Spieler – hier Alican Bayrak – wissen, was die Tabellenführung des 1. FC Burg in der Fußball-Bezirksliga am Ende wert sein wird.

Christian Kosak

Burg. Was den Gegnern selten bis gar nicht gelingt, hat das Coronavirus geschafft – zumindest vorerst: den jetzt seit mehr als anderthalb Spielzeiten anhaltenden Höhenflug des 1. FC Burg zu stoppen. Nach dem Aufstieg in die Fußball-Bezirksliga legte die Mannschaft von Trainer Sascha Steinbusch direkt die nächste Erfolgsserie hin und befand sich bei der Aussetzung des Spielbetriebs auf Platz eins. Doch was ist diese Position nach 18 von 30 Partien wert? Wird die Saison noch fortgesetzt, oder wird sie annulliert? Oder wird der derzeitige Stand als Endstand gewertet? Gibt es Auf-, aber keine Absteiger? Fragezeichen, die die sportliche Bedeutung des bisher Geleisteten beim 1. FC Burg begleiten und gefährden.

Erfolgstrainer Sascha Steinbusch fürchtet besonders ein Szenario. Das Drücken der Reset-Taste. Annullierung der Saison. Ein Neustart. Und dass eine Annullierung keine gute Lösung wäre, das hat er beim Bremer Fußball-Verband auch bereits anklingen lassen. „Das einer Mannschaft zu vermitteln, die 16 Spiele gewonnen, nur eins verloren und einmal unentschieden gespielt hat, wäre schwierig“, erklärt der 37-Jährige. Steinbusch ergänzt: „Wie soll ich den Spielern die Motivation geben, nächste Saison in der gleichen Liga zu starten. Das wäre nicht tragbar. Das wäre mega-enttäuschend.“

Banges Warten also bei den Verantwortlichen und den Spielern. Warten auf eine Fortsetzung des Spielbetriebs oder auf eine Entscheidung des Verbandes. Steinbusch selbst glaubt nicht daran, dass diese Saison noch gespielt wird. Ginge es nach ihm, würde es zwei Auf- und keine Absteiger geben und die Staffelstärke in den folgenden Spielzeiten wieder zurückgeschraubt werden. „Es liegt mir am Herzen, dass diese Saison gewertet wird“, sagt Steinbusch, der nach der zunächst fast ungläubig verfolgten Erfolgsgeschichte mittlerweile einen weiteren Aufstieg ins Auge gefasst hat und nicht möchte, dass die Spieler um den Lohn ihrer Bemühungen gebracht werden. Dass die Burger bei zwölf Punkten Vorsprung auf Rang drei den Aufstieg bei einer Fortsetzung der Saison schaffen würden, daran dürfte kaum jemand zweifeln.

Um für den Tag X, die Wiederaufnahme von gemeinschaftlichem Training und dem Punktspielbetrieb, gerüstet zu sein, gibt es von Sascha Steinbusch keine konkreten Vorgaben an seine Spieler. Steinbusch: „Ich vertraue den Jungs.“ Schließlich hat die Mannschaft das ihr geschenkte Vertrauen ja auch über einen langen Zeitraum gerechtfertigt und beispielsweise das erste Negativerlebnis problemlos weggesteckt. Der 0:3-Niederlage im Spitzenspiel gegen Tuspo Surheide folgte ein 8:3-Erfolg gegen den SC Lehe-Spaden. „Das 0:3 hat dem Ganzen keinen Abbruch getan, wir halten am Ziel fest“, hat Steinbusch auch nach der Winterpause ein sehr fokussiertes Team erlebt: "Die Jungs brennen.“ So gibt er seinen Spielern lediglich mit auf den Weg, öfter die Laufschuhe anzuziehen, Athletik-Trainer Ertekin Uluer würde zudem Videos zusammenstellen, mit denen zu Hause an Kraftausdauer gearbeitet werden könne. An diesem Donnerstag findet unter Leitung von Ertekin Uluer, der auch beim Bremen-Liga-Spitzenreiter FC Oberneuland tätig ist, ein erstes Video-Work-out statt.

Apropos zu Hause. Der bei der Brepark in der Geldverarbeitung tätige Sascha Steinbusch verbringt derzeit viel Zeit in den heimischen vier Wänden. Da er kürzlich aus dem Urlaub in Ägypten nach Deutschland einreiste, hat ihn sein Arbeitgeber, den Empfehlungen der Bundesregierung folgend, für zwei Wochen freigestellt. Sascha Steinbusch hatte mit seiner Freundin vom 6. bis 20. März einen Urlaub auf dem afrikanischen Kontinent verbracht, zählte aber nicht zu den vielen Gestrandeten, die wegen der Corona-Krise aus aller Welt mit Sondermaschinen in die Heimat gebracht wurden und werden. „Unser Flieger ist lediglich vier Stunden früher als geplant gestartet“, erzählt Sascha Steinbusch. Vor dem Rückflug habe es zwar Ungewissheit unter den Touristen gegeben, aber letztlich sei alles ganz entspannt und ohne Panik abgewickelt worden. „Hätten wir vorher gewusst, dass sich die Lage so entwickelt, wären wir nicht geflogen“, ergänzt der 37-Jährige.

„Ich fühle mich gut und habe keinerlei Symptome“, berichtet der Coach des 1. Burg und hat schon eine Lösung im Kampf gegen seine derzeitige Beschäftigungslosigkeit gefunden. Anstatt die Parkhaus-Gelder zu verarbeiten, verschönert er das Zuhause mit Farbe und Pinsel.

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