Haus Kränholm

Gefangene arbeiten zu Robert Schad

Werke aus der Bildhauerwerkstatt der Justizvollzugsanstalt sind in der Galerie des Kunstcafés Kränholm zu sehen. Am Sonntag, 13. Juni, gibt es eine Einführung und einen Künstlerspaziergang mit Robert Schad.
11.06.2021, 13:00
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Gefangene arbeiten zu Robert Schad
Von Julia Ladebeck
Gefangene arbeiten zu Robert Schad

Bereits seit vergangenem Sommer können Spaziergänger in Knoops Park und auf dem Gelände von Haus Kränholm insgesamt 19 Werke von Robert Schad entdecken.

Martin Herrmann

St. Magnus. Gefangene der Justizvollzugsanstalt (JVA) Bremen haben sich in den vergangenen Monaten in der JVA-Bildhauerwerkstatt mit Skulpturen des Stahlbildhauers Robert Schad beschäftigt. Die Ergebnisse ihrer kreativen Arbeit sind ab Sonntag, 13. Juni, in der Galerie des Kunstcafés Haus Kränholm zu sehen. Inga Harenborg, Kuratorin der Stiftung Haus Kränholm, ist am Sonntag ab 10 Uhr vor Ort und führt interessierte Gäste in das Projekt ein. Für Fragen stehen außerdem Martina Benz, Bildhauerin und Werkstattleiterin der JVA, und ihr Team zur Verfügung. Um 18 Uhr bieten Robert Schad und Inga Harenborg ein Künstlergespräch und einen Spaziergang zu den Skulpturen in Knoops Park an.

Bereits seit vergangenem Sommer können Spaziergänger in Knoops Park und auf dem Gelände von Haus Kränholm insgesamt 19 Werke von Robert Schad entdecken. Ergänzend zum Skulpturenparcours ist in der Galerie des Kunstcafés Kränholm die Dokumentationsausstellung „Bremen Vierkant. Robert Schad Skulpturen Zeichnungen und Maquetten" ausgestellt, in der es um die Arbeit des Künstlers geht. Mehrere Monate lang waren das Café und der Ausstellungsraum geschlossen. Nun dürfen sie wieder öffnen und die Ausstellung "Bremen Vierkant", die unter dem Titel "Robert Schad Revisited" um die Werke aus der JVA ergänzt wurde, kann ebenfalls besucht werden.

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Träger der JVA-Bildhauerwerkstatt ist der Verein "Mauern öffnen". Er beschäftigt Bildhauer, die mit den Gefangenen skulptural arbeiten. "Wir haben in der Bildhauerwerkstatt der JVA gefragt, ob Interesse bestünde zu den Skulpturen von Robert Schad zu arbeiten", so Inga Harenborg. Die Beschäftigung mit abstrakten Werken sei dort ein Novum gewesen, denn üblicherweise entstünden nahezu ausschließlich figürliche beziehungsweise gegenständliche Arbeiten, die sich in erster Linie an der Realität und entsprechenden naturalistischen Darstellungsweisen orientieren. „In der Werkstatt für erwachsene Gefangene arbeiten wir meistens figürlich oder gegenständlich, weil uns das bei der Bewältigung unserer gemeinsamen Aufgabe, Skulpturen herzustellen, leichter erscheint", erläutert dazu Werkstattleiterin Martina Benz.

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Sich mit abstrakten Arbeiten, wie denen von Robert Schad auseinanderzusetzen, sei für die jugendlichen und erwachsenen Gefangenen eine große Herausforderung gewesen. Zudem handelt es sich bei dem von Schad verwendeten Material ausschließlich um massiven Vierkantstahl, ein Material, das in der JVA-Werkstatt gar nicht vorkommt. „Unsere Materialien sind Stein, Holz und Keramik", sagt Benz. Gemeinsam näherten sich die Anleiter, Künstler mit handwerklicher und akademischer Ausbildung, und Gefangene ohne Vorkenntnisse in diesem Bereich, den Stahlarbeiten von Schad an. Die Künstler agierten dabei als Berater, die Insassen setzten ihre eigenen Ideen um.

Zunächst hatten die Teilnehmer einige Fragen: Warum ist dieser Bildhauer so berühmt? Was soll das überhaupt sein? Wie viel Geld verdient er damit? Die Einschätzungen der Werkstattleitung ließen die Insassen staunen, weckten aber auch ihr Interesse. Die Bildhauer führten die Gefangenen mit verschiedenen Aufgaben an das Thema „Abstraktion“ heran, unter anderem indem sie fotografische Verfahren behandelten. Dadurch seien das lineare Denken gefördert und Bewegung sichtbar gemacht worden.

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Ihre eigenen Ideen haben die Insassen zunächst modellhaft in Kleinskulpturen, später dann in größerem Format umgesetzt. Harenborg: "Das Ergebnis ist beispielsweise eine in Beton erstarrte Bewegung. Sehr beeindruckend." Außerdem entstanden Zeichnungen und eine Wandarbeit, die den Arbeitsprozess dokumentiert. Sie wurde während des Projekts immer weiter entwickelt und mit Skulpturen ergänzt. Als Arbeitsmaterialien standen den Teilnehmern Holzstäbchen, Heißkleber, Papier, Draht in verschiedenen Stärken, Farbspray, Holzblöcke, Ton und Beton zur Verfügung. Die fertigen Arbeiten sind – ebenso wie die Skulpturen von Robert Schad im Park – bis zum 31. August zu sehen.

Zur Sache

Ausstellung und Führung

In der Galerie des Kunstcafés Kränholm, Auf dem Hohen Ufer 35, sind die Arbeiten aus der JVA-Bildhauerwerkstatt von Sonntag, 13. Juni, bis Dienstag, 31. August, zu sehen, wo sie in die Dokumentationsausstellung "Bremen Vierkant. Robert Schad Skulpturen Zeichnungen und Maquetten" integriert wurden. Inga Harenborg, Kuratorin der Stiftung Haus Kränholm, und Martina Benz, Bildhauerin und Werkstattleiterin der JVA, sowie ihr Team stehen am Sonntag, 13. Juni, von 10 bis 18 Uhr, für Fragen zur Verfügung.

Um 18 Uhr bieten Bildhauer Robert Schad und Inga Harenborg ein Künstlergespräch und einen Spaziergang zu den Skulpturen in Knoops Park an, die ebenfalls noch bis zum 31. August stehen bleiben. Was ist ein skulpturales Gedächtnis? Wie lässt sich tonnenschwerer Stahl zum Schweben bringen? Welche Bedeutung hat die Linie im Werk von Robert Schad? Über diese und weitere Fragen können sich Interessierte mit dem Künstler und der Kuratorin vor den Skulpturen unterhalten. Anmeldungen werden erbeten per E-Mail an harenborg@kraenholm.de oder telefonisch unter der Nummer 01 72 / 8 47  17 18. Ein tagesaktueller Corona-Test ist für den Innenraum notwendig. Weitere Termine bietet Inga Harenborg nach Absprache an. Das Kunstcafé ist zurzeit freitags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

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