Forschungsprojekt Biologische Brille aufgesetzt

Um die Insektenvielfalt zu erhöhen, haben Hansewasser und die Universität Bremen ein gemeinsames Forschungsprojekt gestartet. Untersucht wird unter anderem das Niederschlagsklärbecken in Marßel.
01.09.2019, 15:24
Lesedauer: 3 Min
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Biologische Brille aufgesetzt
Von Aljoscha-Marcello Dohme

Marßel. In erster Linie dient das Niederschlagsklärbecken in Marßel der Reinigung von Regenwasser. Nebenbei erfüllt die von Hansewasser betriebene Anlage aber einen weiteren Nutzen: Die Grünfläche auf dem Gelände bietet verschiedenen Tierarten einen Lebensraum. Nun hat das Unternehmen gemeinsam mit der Universität Bremen das Forschungsprojekt „Biodiversität an künstlichen Kleingewässern“ aufgelegt, um die Insektenvielfalt rund um die Niederschlagsklärbecken weiter zu steigern.

Dafür hat Thalea Stuckenberg gemeinsam mit ihrer Kommilitonin Cassidy Slivinsky insgesamt 42 Niederschlagsklärbecken besucht, sechs davon befinden sich im Bremer Norden. Vor Ort haben die Masterstudentinnen Wasserproben genommen, die sie ab dieser Woche im Labor untersuchen werden. „Wie viele Proben wir genommen haben, hängt von der Größe der Becken ab. Das Maximum waren 16 Proben, in Marßel waren es vier“, erläutert Stuckenberg.

In den Proben suchen sie nach wirbellosen Tieren. „Das ist eine kleine Detektivarbeit. Dafür muss man der Typ sein“, sagt die Biologin. Dass sie die Proben dafür selbst sammeln konnte, hat sie als besonders motivierend empfunden. „Das ist meins“, sagt sie.

„Niederschlagsklärbecken sind ohnehin naturnah“, sagt Claudia Jendrek, die das Projekt bei Hansewasser betreut. Dadurch seien die Anlagen schon jetzt ideale Rückzugsorte für Insekten, Igel und andere Tiere. Das liege auch daran, dass die Grundstücke eingezäunt und nicht öffentlich zugänglich seien.

Das Forschungsprojekt beschäftigt die beiden Studentinnen des Studiengangs „Master of Ecology“ mehrere Semester. Die Pflichtveranstaltungen haben sie bereits im ersten und zweiten Semester absolviert. Damit bleibt nun viel Zeit für die Auswertung der gesammelten Proben. „Ich hoffe, im September kommenden Jahres meine Masterarbeit abgeben zu können“, erzählt Stuckenberg. Darin wird sie die Ergebnisse des Forschungsprojekts verarbeiten.

Davon erhofft Hansewasser sich konkrete Hinweise, wie das Unternehmen für mehr Insektenvielfalt sorgen kann. „Auf einige Ideen sind wir selbst gekommen“, berichtet Claudia Jandrek. „Früher wurde die gesamte Fläche hier gemäht und auch die Büsche wurden geschnitten. Das machen wir heute nicht mehr und mähen nur noch die Zugänge.“ So bleibt das Grundstück naturbelassen und bietet Insekten einen Lebensraum. Schließlich seien Insekten als Bestäuber oder als Nahrung für andere Tiere von großer Bedeutung. „Alle heimischen Pflanzen, die in der Nähe von Gewässern wachsen, haben wir hier“, sagt Jandrek. Dazu zählten etwa Königskerzen, Nachtkerzen und der Blutweiderich. „Dadurch gibt es auf dem Gelände des Niederschlagsklärbeckens in Marßel etwa Nachtfalter, die sich ohne die Pflanzenvielfalt dort nicht ansiedeln würden“, sagt die Technikerin.

Weitere Blumen wollte das Unternehmen auf der Fläche in Marßel aber nicht pflanzen. „Nachher machen wir etwas schlimmer, was vorher besser war“, sagt die Projektleiterin. „Libellen zum Beispiel brauchen Platz zum Jagen. Deshalb wäre zu viel Grün auch hinderlich.“ Aus diesem Grund habe Hansewasser das Forschungsprojekt initiiert, um die Verhältnisse genau zu erforschen.

Dazu zähle etwa, wie Tiere sich in dem Gewässer trotz der sogenannten Wasserlinse ansiedeln können. Hypothetisch denkbar ist etwa folgendes Szenario: „Der Schmetterling ist ein natürlicher Gegenspieler der Wasserlinse. Für uns wäre es interessant zu erfahren, welche Pflanzen hier auf dem Gelände stehen müssten, damit Schmetterlinge sich ansiedeln“, sagt Claudia Jendrek.

Das Thema „biologische Vielfalt“ beschäftigt das Unternehmen bereits seit mehreren Jahren. „Bei Sanierungen schauen wir immer mit der biologischen Brille. Wo können wir etwas tun?“, berichtet Jendrek. Bereits 2016 initiierte Hansewaser zwei Pilotprojekte. „Unsere Auszubildenden haben am Standort in Seehausen ein Insektenhotel und eine Blumenwiese geschaffen. Außerdem haben Mitarbeiter in einem Teamworkshop 150 Nistkästen gebaut, die an verschiedenen Standorten aufgehängt wurden“, erzählt sie.

Das Forschungsprojekt von Hansewasser und der Universität Bremen beschränkt sich derzeit auf Tiere, die im Gewässer leben. „Je nachdem, wie die Ergebnisse sind, könnte ich mir vorstellen, das Projekt nach meinem Studium weiter zu verfolgen. Dann würde ich die Umgebung des Gewässers untersuchen“, sagt Thalea Stuckenberg.

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