Bürgerschnack Immer mehr Betrüger an der Haustür

Der Kontaktpolizist Andreas Dölvers hatte beim Bürgerschnack in Burg-Grambke wertvolle Ratschläge gegen Trickdiebe und Betrüger im Gepäck.
26.10.2021, 12:32
Lesedauer: 3 Min
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Von Klaus Grunewald

Burg-Grambke. Immer mehr ältere Menschen auch im Norden der Hansestadt werden Opfer von Trickdieben. Die ließen sich ständig etwas Neues einfallen, um an Geld oder Wertsachen zu gelangen, weiß Andreas Dölvers, Kontaktpolizist in Burg, Grambke und Lesumbrock.  Während des jüngsten „Bürgerschnacks für Burg, Grambke, das Werderland und umzu“ im Begegnungszentrum Luise Morgenthal warnte er davor, den Kriminellen leichtfertig Zugang zum Haus oder zur Wohnung zu verschaffen.

Die neueste Masche, mit der bereits viele und vor allem ältere Bürger um Ersparnisse oder Schmuck gebracht wurden, sei der Balkontrick, erläuterte Dölvers. Um in ihre Wohnung zu gelangen und sich zu bereichern, klingele ein vermeintlicher Handwerker an der Haustür und erzähle folgende Geschichte: Er arbeite nebenan auf der Baustelle. Dabei sei ihm sein Portemonnaie aus der Hosentasche gerutscht und auf den Balkon der Frau gefallen. Ob er es denn mal eben holen könne?

Die Nachbarin ist hilfsbereit und lässt den Arbeiter über die Treppe ins obere Stockwerk eilen. Dort wird er in kurzer Zeit fündig, rafft Wertsachen und Geld zusammen und schwenkt wenig später freudestrahlend seine Geldbörse, die auf dem Balkon gelegen habe. Dann bedankt er sich bei der alten Dame für ihre Hilfsbereitschaft  und verschwindet auf Nimmerwiedersehen. Als die Frau den Diebstahl bemerkt und die Polizei anruft, ist der Täter längst über alle Berge.

Polizei rät zur Vorsicht

Andreas Dölvers ist Dauergast bei dem von  Initiator Rainer Tegtmeier moderierten  Bürgerschnack. Und er warnt häufig vor dem Einfallsreichtum der Kriminellen an der Haustür. Dass man keine Fremden ins Haus lassen  oder deutlich machen solle,  bei angeblichen Schäden an Wasser- oder Stromversorgung selbst nach Hilfe zu telefonieren. Wichtig sei zudem, von angeblichen Amtspersonen den Dienstausweis zu verlangen und  eingehend zu prüfen oder am besten zu erklären, erst einmal selbst in der betreffenden Behörde anzurufen; und dann den Besucher abzuweisen.

Der Ideenreichtum der Trickdiebe ist nach Dölvers Worten enorm. Der Kontaktbeamte  erzählt eine Episode, die sich unlängst im Bremen Süden abgespielt hat. Einer 76-jährigen Frau wurde beim Einkaufen im Roland-Center das Portemonnaie gestohlen. Ein paar Tage später standen zwei Männer vor ihrer Haustür, um ihr die Geldbörse mit Ausweis, die sie gefunden hätten, zu überreichen. Sie war zwar leer, aber die Frau wollte sich dennoch bedanken und lud die Männer zu einer Tasse Tee ein. Die Gäste lehnten wenig später zwar einen Finderlohn von 15 Euro dankend ab, baten jedoch um ein Darlehen. Das wiederum wollte die Frau ihnen nicht gewähren, ließ sich gleichwohl in ein Gespräch verwickeln, während einer ihrer Besucher das Haus durchsuchte und eine erkleckliche Summe an Bargeld mitgehen ließ. Was die Bremerin erst bemerkte, als die „ehrlichen“ Finder sich längst verabschiedet hatten.

Betrüger gehen blitzschnell vor

Den Betrügern auf die Schliche zu kommen, ist nach Dölvers Worten nicht einfach. Sie gingen oft blitzschnell vor, um ihre Opfer hinters Licht zu führen. Die Fälle häuften sich und die Beute werde größer. Im vergangenen Jahr, so Dölvers, hätten Bremer Geschädigte einen Verlust von insgesamt einer Million Euro beklagt. Der Grambker Kontaktpolizist empfiehlt insbesondere älteren und alleinstehenden Mitbürgerinnen und Mitbürgern, die sogenannte Dreier-Regel zu beherzigen, wenn es klingelt und ein Fremder vor der Haustür steht: „Glaube nichts, prüfe alles und weise ihn im Zweifel ab“.

Insbesondere auf Seniorinnen und Senioren haben es auch die Telefonbetrüger abgesehen. Die ihre Opfer beispielsweise mit erfunden Geschichten davon überzeugen wollen, ihnen Geld für notleidende Verwandte zu übergeben (Enkeltrick). Oder sich als Polizisten ausgeben, die vor Raubüberfällen warnen und den Senioren empfehlen, ihre Wertsachen der Polizei, also ihnen, anzuvertrauen.

Oft sitzen diese Betrüger im Ausland, beispielsweise in Call-Centern in der Türkei. Das macht die Nachverfolgung ihrer Straftaten schwierig, zumal sich die auf dem Display des Angerufenen erschienene Telefonnummer als nicht existent erweist. Empfehlung von Andreas Dölvers bei mysteriösen Anrufen: „Am besten schnell wieder auflegen.“

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