Unternehmen ratlos

Nordbremer Firma importiert 20.000 Mundschutze - und findet keine Abnehmer

Ab Montag gilt auch in Bremen und Niedersachsen eine Maskenpflicht. Die Nordbremer Unternehmerin Heike Freudenthal importiert deshalb 20.000 Mundschutze, findet dafür aber keine Abnehmer
25.04.2020, 06:59
Lesedauer: 3 Min
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Nordbremer Firma importiert 20.000 Mundschutze - und findet keine Abnehmer
Von Aljoscha-Marcello Dohme
Nordbremer Firma importiert 20.000 Mundschutze - und findet keine Abnehmer

Anstatt Tücher und Schals will Heike Freudenthal nun Masken vermarkten, doch die wird sie einfach nicht los.

Christian Kosak

Normalerweise beliefert das Nordbremer Unternehmen Hanex bundesweit Kaufhäuser, unter anderem mit Schals und Tüchern. Außerdem betreibt Geschäftsführerin Heike Freudenthal ein kleines Geschäft im Schnoor sowie ein Outlet in Burgdamm. Doch in Zeiten der Corona-Krise lassen sich Accessoires nur schwer verkaufen. Deshalb entschied sie sich kurzerhand dazu, nun auch Masken zu vertreiben. Die Nachfrage danach dürfte aktuell riesig sein, dachte sich die Unternehmerin. Also orderte sie 20.000 Stück, die in der nächsten Woche in der Hansestadt ankommen sollen. Trotz zahlreicher Telefonate hat sie bisher aber noch keine einzige verkauft.

„Wir haben zwischen 20 und 30 Kontakte mit Pflegeheimen und anderen Institutionen aufgenommen. Ich habe gemeinsam mit meinen Mitarbeitern in unterschiedlichen Bundesländern telefoniert, das war ein ganz guter Querschnitt“, sagt Heike Freudenthal. „Die Stellen, an die wir uns gewandt haben, waren aber alle schon bedient oder hatten zwischen 40 und 60 Angebote auf dem Tisch. Das ist jetzt die Problematik, dass bestimmte staatliche Stellen und auch Hilfsstellen total überlaufen sind mit Angeboten, weil sich reichlich Anbieter auf diesen Bereich konzentrieren. Da bin ich plötzlich einer von vielen.“

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Dabei hatte sie eigentlich den Eindruck, dass Mundschutze während der Corona-Pandemie Mangelware sind. „Wir hatten in unserem Umfeld Fragen, wo bekommen wir die Masken eigentlich her? Auch den Interviews mit Politikern oder mit Behördenmitarbeitern haben wir entnommen, es sind zu wenige da“, sagt sie. Deshalb hätte sie sich kundig gemacht, auf welchem Wege sie Masken importieren könnte.

Die Absagen der Pflegeheime und der anderen Einrichtungen habe sie aus diesem Grund auch als „frustrierend“ empfunden. „Wir müssen uns jetzt erst einmal einen Überblick verschaffen, welcher Bedarf da ist. Wir sind davon ausgegangen, wie man eben optimistisch an eine solche Sache herangeht, dass ein Riesenbedarf da ist und die Einrichtungen sich freuen, wenn wir uns melden und Masken anbieten. Da wir aber eben nicht der einzige Anbieter sind, sind die Häuser inzwischen schon genervt“, erzählt Freudenthal.

Auch wenn sie bisher noch keinen einzigen Mundschutz verkaufen konnte, sieht sie trotzdem weiterhin einen Markt dafür. Die Nachfrage nach Masken sei etwa in Apotheken nach wie vor hoch, doch verfügbar seien dort keine. „Der Endkunde, der die Maske nun vor Ort benötigt, ist von der Maskenpflicht irritiert, weil er nicht weiß, wo er sie herbekommen soll“, sagt Freudenthal.

Die Lage des Nordbremer Unternehmens sei durch die Corona-Krise ohnehin schon schwer. Die Accessoires, die Freudenthal normalerweise verkauft, wird sie aktuell nicht los und liegen deshalb im Lager. Ab kommender Woche würden die Masken noch dazu kommen. „Ich habe gerade zwei Baustellen“, sagt sie.

Deshalb habe sie bereits für ihre 85 Mitarbeiter Kurzarbeit beantragt. Darüber hinaus habe sie sich um staatliche Hilfen bemüht, die aktuell noch in Bearbeitung seien. „Wir haben aber schon Unterstützung von unserer Hausbank bekommen, und es wird bei uns auch weitergehen. Wir halten das Unternehmen flach und warten auf den Zeitpunkt, an dem wir wieder starten können“, sagt die Unternehmerin.

Aktuell kümmert sich Heike Freudenthal darum, die bereits bestellten Masken anderweitig verkaufen zu können. „Wir wollen die Ware nun über unsere Internetseite sowie über Partner, die wir persönlich kennen, verkaufen“, erzählt die Geschäftsfrau. In Bremen-Nord werde sie die Masken außerdem am Hauptsitz des Unternehmens am Neuen Steindamm verkaufen. Darüber hinaus wolle sie die Ware auch in ihrem Geschäft im Schnoor anbieten, das am 4. Mai wieder öffnen wird. „Augenblicklich ist die Frequenz im Schnoor fast null, weil das einfach nicht der Anlaufpunkt für Bremer ist. Der Schnoor ist interessant für Touristen“, sagt sie. Aber wegen der Corona-Krise bleiben die nun weg.

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Eine Prognose, wie sich die Masken dort dann verkaufen werden, wage sie aktuell nicht. „Wir bewegen uns in einem Geschäftsfeld, von dem wir auch noch nicht wissen, wie sich das entwickeln wird“, sagt Freudenthal. „Obwohl Bedarf da ist, müssen wir jetzt daran arbeiten, dass wir die richtige Kanalisierung und unsere Absatzmärkte für dieses Produkt finden.“

Die erste Lieferung, die Heike Freudenthal in der kommenden Woche erwartet, enthält sowohl dreilagige Schutzmasken als auch Masken des Typs KN95. Auch wenn sie dafür bisher noch keinen Abnehmer gefunden hat, will sie trotzdem in einem nächsten Schritt Baumwollmasken herstellen lassen. „Die sind für die alltägliche Nutzung gedacht“, sagt sie. „Ich denke, dass ist für Verbraucher langfristig die wichtigere Geschichte, weil der Mundschutz ein alltägliches Equipment sein muss.“ Sie hofft, diese Masken dann an die Kaufhäuser zu liefern, die sie normalerweise mit Schals und Tüchern versorgt. Dann würde sich ihr Lager auch wieder leeren.

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