HSG Lesum/St. Magnus

Ein geschenkter Klassenerhalt

Durch den vorzeitigen Saisonabbruch ist den Handballerinnen der HSG Lesum/St. Magnus ein knallharter Kampf gegen den Abstieg aus der Bremenliga erspart geblieben.
04.05.2020, 15:28
Lesedauer: 5 Min
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Von Karsten Hollmann
Ein geschenkter Klassenerhalt

Pia Messer stand dem Handball-Bremenligisten HSG Lesum/St. Magnus verletzungsbedingt über einen längeren Zeitraum nicht zur Verfügung.

Christian Kosak

Durch den vorzeitigen Saisonabbruch ist den Handballerinnen der HSG Lesum/St. Magnus ein knallharter Kampf gegen den Abstieg aus der Bremenliga erspart geblieben. Der Vorletzte besaß bei noch sieben verbleibenden Begegnungen einen Vorsprung von nur drei Zählern auf das Schlusslicht HC Bremen II. Durch den im Zuge der Corona-Pandemie vollzogenen Abbruch bleiben nun aber bekanntlich alle Mannschaften in der Liga.

„Wir freuen uns natürlich über den Klassenerhalt. Es hat aber immer einen etwas faden Beigeschmack, wenn man diesen am grünen Tisch erreicht“, sagt HSG-Trainerin Jutta Junge. Insgesamt habe die Spielzeit aber dennoch ganz schön an den Nerven der Spielerinnen in der Übungsleiterin gezerrt. „Es war schließlich schon die dritte Saison in Folge, die das Team am unteren Tabellenende verbracht hat. Es ist nicht schön, häufig zu verlieren und dabei teilweise derbe Packungen zu kassieren“, gibt Junge zu bedenken.

Im vergangenen Jahr waren die Nordbremerinnen trotz des letzten Platzes nicht abgestiegen. Nun reichte es immerhin schon zum vorletzten Rang, der am Ende auch den Klassenverbleib bedeutet hätte. Jutta Junge fragt sich, ob es für die Moral nicht besser gewesen wäre, mal eine Saison in der Stadtliga zu verbringen, um mit möglichst vielen Siegen wieder Selbstbewusstsein zu tanken. „Ich weiß aber gar nicht, ob der Leistungsunterschied zwischen der Bremenliga und der Stadtliga so groß ist. Die Aufsteiger haben sich in den vergangenen Jahren auf jeden Fall immer gut geschlagen“, so Junge.

Dass es in dieser Saison nicht immer rund lief, hatte auch mit den großen Personalsorgen zu tun. So verletzte sich Viviane Fitschen nach überstandenem Kreuzbandriss im Dezember gleich wieder. Torfrau Linda Jung fiel mehrere Wochen durch einen Bänderriss aus. Dafür trat Martha Witte ohne jedes Training zwischen den Pfosten an.

Johanna Junge, die Tochter von Jutta Junge, musste die gesamte Serie wegen eines Kapselrisses im Finger passen. „Sie hatte es zwischendurch wieder probiert und sich gleich wieder verletzt“, berichtet Jutta Junge. Auch Pia Messer und Janine Steinwede standen über einen längeren Zeitraum wegen Verletzungen nicht zur Verfügung. „Das waren schon herbe Verluste. Wir können die mäßige Saison deshalb intern sehr gut einordnen“, erklärt die 53-Jährige.

Jutta Junge hätte auch Verständnis dafür gehabt, wenn der Verband Teams nach dem vorzeitigen Saisonabbruch absteigen gelassen hätte. „Selbst wenn es uns dann getroffen hätte, wäre es auch nicht zu ändern gewesen“, deutet die Übungsleiterin an, dass der Verein dagegen nicht geklagt hätte. Zuallererst hätte es jedoch den HC Bremen II getroffen. Es gab nicht viele Kontrahenten für diese beiden Teams in der Bremenliga, gegen die diese eine reelle Siegchance hatten. „Deshalb sind wir natürlich mit einem riesigen Druck nach Hastedt gefahren, weil wir diesen Gegner unbedingt schlagen mussten“, lässt Junge wissen. Nach dem 13:12-Erfolg im Hinspiel langte es für die Lesumerinnen immerhin zu einem 20:20-Remis im zweiten Aufeinandertreffen. Damit hielt die HSG den ärgsten Widersacher im Ringen um den Klassenerhalt zumindest auf Distanz. Dazu gesellten sich noch ein 21:19-Sieg über die SG Findorff IV, ein 19:18-Triumph über die SG Buntentor/Neustadt, sowie ein 18:18-Unentschieden bei der HSG Vegesack/Hammersbeck kurz bevor die Saison erst unterbrochen und schließlich abgebrochen wurde. Mehr Zählbares sprang für den Vorletzten in 15 Partien nicht heraus.

Der HSG Lesum/St. Magnus fehlt es häufig an der Konstanz innerhalb eines Spieles sowie an der im Saisonverlauf. „Wir brauchen immer eine gewisse Eingewöhnungszeit. Je länger die Saison dann dauert, desto besser klappt es“, verrät Jutta Junge. In den Begegnungen selbst boten die Akteurinnen um Ulivia Albert oft zwei völlig verschiedene Halbzeiten. So gaben diese im Match gegen den Zweiten HSG Delmenhorst II eine 10:7-Pausenführung noch aus der Hand und zogen letztlich mit 15:17 den Kürzeren.

„Wir konnten also durchaus mal die Großen ärgern. Das war stark tagesformabhängig. Die Niederlage gegen Delmenhorst II im Hinspiel war sehr blöde und unnötig“, versichert Junge. Ein anderes Problem sei es gewesen, dass die HSG nie wusste, mit welcher Mannschaft Klubs wie die SG Findorff, der TS Woltmershausen oder ATSV Habenhausen gerade aufliefen. „Wenn in diesen Teams mal die halbe A-Jugend antrat, war das teilweise ein ganz anderes Niveau. Wir sind bei den Reserveteams dieser Vereine praktisch niemals auf die gleichen Spielerinnen noch einmal getroffen“, informiert die Bilanzbuchhalterin.

Jutta Junge rätselt derzeit noch ein wenig darüber, ob ihr in der nächsten Saison eine schlagkräftige Formation zur Verfügung stehen wird. „Wir wollten kurz vor Ostern damit anfangen, mit den Spielerinnen im Hinblick auf die kommende Serie zu sprechen. Nun ist die Kommunikation aber schwierig“, teilt die 53-Jährige mit, die als Spielerin aus der A-Jugend des TV Schwanewede zum TSV Meyenburg gewechselt war, für den sie dann 25 Jahre auf Torejagd ging. Da es auch noch völlig ungewiss sei, wann und in welcher Form wieder trainiert werden könne, habe sie die Befürchtung, dass Spielerinnen von Bord gehen könnten. Die Gefahr sei bei der von ihr ebenfalls zusammen mit Viviane Fitschen weiblichen E-Jugend aber noch wesentlich größer.

„Ich weiß nicht, ob die jungen Spielerinnen nach der Pause alle wiederkommen“, so Junge. In dieser Hinsicht sei auch nicht gerade förderlich, dass die Vorbereitungsturniere im Freien, wie zum Beispiel das Beachhandball-Turnier in Cuxhaven-Duhnen, bereits abgesagt wurden – dieses würde nicht gerade motivierend wirken.

Bei den Damen könnten Schwangerschaften den Spielbetrieb demnächst erschweren. Ein Großteil der HSG-Mannschaft ist um die 30 Jahre alt. Es fanden auch schon mehrere Hochzeiten statt. „In Meyenburg waren mal in einer Saison gleich fünf Spielerinnen schwanger. So etwas fängt man nicht so leicht auf“, gibt Jutta Junge zu bedenken. Eine A-Jugend gibt es bei der HSG nicht. Dafür soll demnächst eine D-Jugend aufgemacht werden.

„Wir fangen gerade erst unten wieder neu an“, informiert Jutta Junge. Das Finden von Neuzugängen sei auch durch die Corona-Epedemie gerade sei schwierig. „Normalerweise schauen interessierte Spielerinnen erst einmal beim Training vorbei, um eine Mannschaft kennenzulernen. Das fällt nun aber ja alles flach“, sagt Jutta Junge, die mit ihrem Team in ihre dritte Spielzeit gehen möchte. Diese Probleme hätten die anderen Mannschaften und die anderen Team-Sportarten aber auch gerade. Aus diesem Grunde halte sie es auch für grenzwertig, dass der Bremer Verband am Meldeschluss für die neue Saison zum 31. Mai festhalte.

„Es ist gerade eine total verrückte Zeit. Wir müssen ja dann auch irgendwann die Hallenzeiten planen“, sagt Jutta Junge. Diese Probleme würden sich aber im Vergleich zu den vorherrschenden gesundheitlichen und finanziellen Schwierigkeiten in der Corona-Krise relativieren: „Wir sind schließlich nur Freizeitsportler. Da müssen wir uns jetzt eben mal zurücknehmen.“

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