Fußball-Bezirksliga Der Kult-Kicker ist zurück

Manfred „Manni“ Klein hat die Uhr gewissermaßen zurückgedreht. Nachdem er sich 2014 aus dem Herrenbereich verabschiedet hatte, spielt er jetzt wieder für den 1. FC Burg – und das im Alter von 42 Jahren.
11.09.2019, 16:29
Lesedauer: 3 Min
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Von Jens Pillnick

Burg. Manfred „Manni“ Klein hat die Uhr gewissermaßen zurückgedreht. Der Kult-Kicker, der allein elf Jahre lang für den 1. FC Burg auf Torejagd ging und wesentlich zum Aufstieg aus der Kreisliga A in die Bremen-Liga beitrug, ist zurück bei seinem Herzensvereins. Nachdem er sich 2014 aus dem Herrenbereich verabschiedet und fortan für Tura Bremen in der Ü32 und der Ü40 aufgelaufen war, spielt er jetzt wieder für den 1. FC Burg in der Fußball-Bezirksliga – und das im Alter von 42 Jahren. Vom Comeback des Jahres zu sprechen, ist da sicher keine Übertreibung.

„Manni“ Klein, der im Herbst seiner Herrenkarriere auch noch für den SV Eintracht Aumund, Tura und den SV Grohn im Einsatz war, galt als Mann mit der eingebauter Torgarantie. Seine Tore sorgten dafür, dass auf allen Plätzen des Verbandes gleichermaßen bekannt wie gefürchtet war. Und anerkannt. Denn als 2002 erstmals der Bremer Amateur-Fußballer des Jahres gewählt wurde, erhielt er die meisten Stimmen. Mit 26 Treffern in einer Halbserie hatte er sich beim damaligen Landesligisten 1. FC Burg ins Rampenlicht geschossen. Dem Höhepunkt folgte verletzungsbedingt der Karriereknick. Ein Kreuzbandriss setzte „Manni“ Klein, der zwei Söhne hat und bei Nehlsen als Maschinist arbeitet, lange außer Gefecht.

Genesen kehrte er auf den Platz zurück und machte das, was er dort am liebsten macht: Tore schießen. Mit Burg stieg er 2010 in die Bremen-Liga auf und belegte dort auf Anhieb Platz sechs, und auch mit dem SV Grohn gelang ihm später der Aufstieg in die Bremen-Liga. 2014 folgte das vermeintliche Karriereende, fortan spielte er auf gehobenen Altherren-Niveau bei Tura. Bis zum Sommer 2019. Denn da gab er seiner großer Fußball-Liebe 1. FC Burg das erneute Ja-Wort und mischt derzeit als Aufsteiger die Bezirksliga auf. Mit vier Siegen aus vier Partien sind die Burger um Trainer Sascha Steinbusch, mit dem Manfred Klein auch zusammenspielte, Tabellenführer.

Ein Start, den Manfred Klein als „grandios“ einstuft, die gesammelten Zähler aber als Punkte gegen den Abstieg einstuft: „Keiner spricht hier von einem weiteren Aufstieg.“ Freiwillig räumen will Klein den ersten Tabellenplatz aber natürlich nicht: „Wenn man den Platz an der Sonne hat, will man ihn behaupten.“ Anteil an dem Auftakt nach Maß hatte Klein mit drei Einsätzen in der Startelf und einer Einwechselung. Am Torreigen hat er sich allerdings noch nicht beteiligt. Das lässt sich aber leicht erklären. Der 42-Jährige ist derzeit selten im gegnerischen Strafraum postiert. In dieser Saison spielte er bereits als Sechser, Zehner, links und rechts im Mittelfeld und als rechter Verteidiger. „Wenn Julian Kubicek fit ist, kommt keiner an ihm vorbei“, erklärt Sascha Steinbusch, warum er Manfred Klein, den er gerne als Backup für Kubicek haben wollte, nicht stürmen lässt. Da Steinbusch nur mit einem Stürmer agiert, nutzt er die Flexibilität des Routiniers. Der sei zwar nicht mehr so spritzig wie früher, verfüge aber eben über große Erfahrung und stelle sich total in den Dienst der Mannschaft. Dass er trotzdem gerne wieder unter den Torschützen auftauchen will, das streitet Klein nicht ab: „Natürlich möchte ich bald ein Pflichtspieltor machen. Aber Hauptsache ich kann der Mannschaft helfen. Dafür gebe ich 110 Prozent.“

Dass „Manni“ Klein ein Comeback beim 1. FC Burg feiert könnte, bahnte sich schon länger an. Bei der „Schwarz-Grünen-Nacht“ plauschten Sascha Steinbusch und der dort als DJ tätige Manfred Klein zunächst einmal spaßig über eine Zusammenarbeit. Aus dem Spaß wurde mehr. Klein überlegte lange, über die Aufstiegssaison hinaus, ob er es wagen sollte. Die Mannschaft wollte ihn und griff zur Hauruck-Methode. Per WhatsApp-Video nahmen sie von der Mannschaftsfahrt in Cala Ratjada Kontakt zur Burger Legende auf und stellten ihn direkt vor die Frage: Ja oder Nein. „Ja“ antwortete Klein und sagte: „Ich habe mein Herz sprechen lassen.“

Über die Laufdauer dieser Zusage wurde nicht gesprochen. „Das ist völlig offen, das kann er selber entscheiden. So lange er Bock hat, ist er herzlich willkommen. Er ist Gold wert“, sagt der fünf Jahre jüngere Trainer Sascha Steinbusch. Und was, wenn der Burger Höhenflug mehr als die von Steinbusch so betrachtete „Momentaufnahme“ ist und sich der 1. FC Burg plötzlich in der Landesliga wiederfindet? „Wenn die Knochen mitspielen spricht prinzipiell auch nichts dagegen, in der Landesliga zu spielen“, sagt Manfred Klein, der seinen derzeitigen Zustand so beschreibt: „Ich bin topfit und konditionell auch wieder auf der Höhe.“ Wer den Kult-Spieler Manfred Klein live erleben will, der kann das am kommenden Sonntag ab 15 Uhr im Sportpark Grambke. Dort trifft der 1. FC Burg auf den ATSV Sebaldsbrück und will den Platz an der Sonne behaupten.

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