Sportbetrieb eingestellt Die letzten Abschläge, die letzten Putts

Gestern musste auch der Bremer Golfclub Lesmona seine Aktivitäten auf Erlass des Senators für Inneres und Sport einstellen.
17.03.2020, 16:36
Lesedauer: 3 Min
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Von Jens Pillnick

Bremen-Nord. Beim Bremer Golfclub Lesmona gestern um 11 Uhr. Auf der Driving Range, dem Putting Green sowie Chipping Green herrscht Betrieb. Auf der 18-Loch-Anlage hingegen nicht, sie ist gesperrt. Die Regenfälle der vergangenen Wochen haben aus dem satten Grün an der Lesumbroker Landstraße teilweise eine Seenlandschaft gemacht. Wenig später stellt sich heraus, dass es sich um die letzten Abschläge und Putts handelt. Da auf Erlass des Senators für Inneres und Sport, Ulrich Mäurer, alle Sportbetriebe ab Mittwoch wegen des Coronavirus zu schließen sind, wird es in der Oase der Ruhe noch etwas ruhiger.

„Natürlich sind wir als Golfer solidarisch, aber es fällt schon schwer, den Betrieb einzustellen“, sagt Vereinspräsident Lothar Radszuweit und versucht, das Beste aus der Situation zu machen: „Wir werden die Zeit nutzen, um den Platz schick zu machen. Der Greenkeeper kann jetzt arbeiten, ohne dass ihm Bälle um die Ohren fliegen.“ Die Frage ist nur: Wann kann der „aufgehübschte“ Platz wieder genutzt werden?

Das Aus auf unbestimmte Zeit fällt schwer, weil die Ansteckungsgefahr im Gegensatz zu Kontaktsportarten oder Sportarten, die auf engstem Raum betrieben werden, verschwindend gering ist. Da sich Golflehrer und Lernender schon einmal näher kommen, wurde das Training als Vorsichtsmaßnahme bereits ausgesetzt. Doch auf der Driving Range, dem Putting und Chipping Green sowie auf der 4882 Meter langen 18-Loch-Anlage ist es kein Problem, den empfohlenen Mindestabstand zur nächsten Person einzuhalten. Und da praktisch jeder Golfer sein eigenes Equipment hat, droht auch diesbezüglich keine Ansteckungsgefahr.

Lothar Radszuweit: „Man kann theoretisch ja auch alleine spielen, und wenn man in einem Flight unterwegs ist, fasst man ja noch nicht einmal den Ball vom Gegner an.“ Und nicht zu vergessen: Die Bewegung in der Natur sei der Gesundheit förderlich. So gesehen erweist sich Einstellung des Sportbetriebes gerade für die Golfer als schwer zu schluckende Pille. Radfahren oder Joggen sind ja schließlich auch (noch) nicht untersagt.

Nachdem das Eröffnungsturnier am vergangenen Wochenende noch wegen der nässebedingten Platzsperre hat abgesagt werden müssen, drohen nun offene Turniere und Mannschaftswettbewerbe auszufallen und wegen der fehlenden Meldegelder ein Loch in die Vereinskasse des knapp 600 Mitglieder starken Vereins zu reißen. „Schließen und beobachten, wie es weitergeht“, beschreibt Lothar Radszuweit die Lage, wie sich seit gestern Mittag darstellt. Mehr geht nicht.

Radszuweit verweist darauf, dass das Sekretariat geöffnet bleibt, allerdings für den Publikumsverkehr schließt und nur telefonisch erreichbar ist. Noch am Montagmittag hatte der Lesmona-Präsident darauf gehofft, dass die Golfsportler im Gegensatz zu den bereits seit vergangenen Freitag betroffenen Handballern, Fußballern, Basketballern, Turnern, Tischtennisspielern usw. auf einer Insel der Glückseligen bleiben und – wenn es zu keinem behördlichen Verbot kommt – alsbald den Platz öffnen können. Doch der neueste Maßnahmenkatalog gegen die Ausbreitung des Coronavirus zerstörte diese Hoffnung schnell.

Auch der im Bremer Golfclub Lesmona im Beirat sitzende, beispielsweise das Schnuppertraining leitende und das alljährliche Benefizturnier organisierende Alfred Hartz schlug gestern noch ein paar letzte Bälle auf der Driving Range. Und verdiente sich dabei einen Kaffee. Beim von ihm vorgeschlagenen Wettbewerb mit jeweils einem Ball gegen Marc Colbow und Benno Schneider näherte er sich am besten an die 80-Meter-Fahne an.

Zu diesem Zeitpunkt wurde es an Driving Range, Putting und Chipping Green immer belebter, und der unter anderem im Pro Shop tätige Marc Colbow wusste noch nicht, wie schnell er mit der Schließung konfrontiert werden würde. Zwar registrierte er in den vergangenen Tagen rückläufige Mitgliederbewegungen auf der Anlage, stellte aber auch fest, dass viele ihre Gewohnheiten beibehalten wollten: „Viele, die den Golfsport lieben, sind hier und drehen ihre Runde. Sie kennen das nicht anders.“ Doch jetzt müssen auch sie anderswo frische Luft tanken und den Vierbeinern das Feld überlassen. Denn die nahe der Driving Range zu sehenden Rehe und Nutrias können sich jetzt noch ungestörter an und auf der 26 Hektar großen bewirtschaften Fläche des Bremer Golfclubs Lesmona bewegen.

Info

Zur Sache

Zahlen und Fakten, mit denen sich der Bremer Golfclub Lesmona vorstellt:

- Etwa 600 Mitglieder und 100 Gäste, die mehr als 35000 Runden Golf im Jahr auf der Anlage spielen.

- 26 Hektar bewirtschaftete Fläche, die etwa einer Größe von 36 Fußballplätzen entspricht.

- Das Grün der Golfanlage versorgt etwa 5000 Menschen mit Sauerstoff.

- Für den Unterhalt und die Pflege der Anlage fällt ein mittlerer sechsstelliger Betrag an, der von den Mitgliedern finanziert wird.

- Zwölf Mannschaften von der Jugend bis zur Altersklasse 70 bestreiten Wettspiele.

- Das jüngste Mitglied ist sechs Jahre alt, das älteste 89.

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