Föhrenbrok in Grambke

Für Sport und gegen Wohnungsbau

Stadtplaner Klaus Koch vom Bauamt Bremen-Nord hat im „Bürgerschnack“ angekündigt, dass das Areal im Grambker Föhrenbrok auch nach dem Abriss der dortigen Sporthalle als Freizeitfläche erhalten bleiben soll.
08.05.2019, 17:05
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Von Klaus Grunewald
Für Sport und gegen Wohnungsbau

Über die künftige Nutzung des Areals im Grambker Föhrenbrok, auf dem derzeit noch die Hinnerk-Mester-Halle steht, haben Bürger und Kommunalpolitiker beim "Bürgerschnack" diskutiert.

Christian Kosak

Wie wird das weitläufige Areal im Grambker Föhrenbrok genutzt, wenn es die gleichnamige Sporthalle des SV Grambke-Oslebhausen nicht mehr gibt? Diese Frage beschäftigt Bürger und Kommunalpolitiker seit geraumer Zeit. Eine offizielle Antwort sorgte kürzlich beim 55. „Bürgerschnack“ für eine emotionsgeladene Debatte. Stadtplaner Klaus Koch vom Bauamt Bremen-Nord kündigte an, dass die Freizeitfläche erhalten bleiben soll. Der SPD-Fraktionsvorsitzende im Burglesumer Beirat, Reinhard Hennig, hält das Areal indes für geeignet, um dort dringend benötigten Wohnraum zu schaffen.

„Föhrenbrok“ ist seit Jahren das Stichwort, um insbesondere in Burg und Grambke für heftige Diskussionen zu sorgen. Davon konnte sich auf dem von Rainer Tegtmeier moderierten „Bürgerschnack“ im Begegnungszentrum „Luise Morgenthal“ Stadtplaner Klaus Koch überzeugen. Er war eingeladen worden, um Auskunft über die Nutzung der Grünfläche zu geben, wenn die Halle möglicherweise im nächsten Jahr abgerissen wird. Sie wurde 1977 vom damaligen Sportverein TV Grambke mithilfe von Bankdarlehen errichtet. Als der Turnverein die Schuldenlast nicht mehr tragen konnte und vor der Insolvenz stand, fusionierte er mit der SG Oslebshausen zum SV Grambke-Oslebshausen (SVGO) Bremen.

Doch die Verpflichtungen von rund 300 000 Euro bedrohten auch die Existenz des Großvereins im Bremer Westen, sodass schließlich die Stadtgemeinde die Kreditverpflichtungen übernahm. Für die Föhrenbrok-Halle, die seit fünf Jahren wegen eines defekten Öltanks nicht mehr beheizt wird, ist allerdings bis Jahresende noch der SVGO zuständig. So lange läuft der Sportnutzungsvertrag mit der Stadtgemeinde. Und anschließend muss er das Grundstück, auf dem die Halle steht, ohne sie an die Stadt zurückgeben.

Die Abrisskosten werden auf mindestens 200 000 Euro geschätzt. Zudem ist möglicherweise eine Bodensanierung vorzunehmen, weil Heizöl aus dem defekten Tank gesickert sein kann. Fazit: Der SVGO steht vor einer erneuten finanziellen Hürde, die er kaum allein stemmen kann. Doch Sportamtsleiter Christian Zeyfang hat dem Verein, wie berichtet, unlängst Hoffnung gemacht. „Wir lassen ihn nicht im Regen stehen“, sagte er auf Anfrage. Diese Aufwendungen aus dem Steuertopf könnten doch kompensiert werden, wenn Bremen zumindest einen Teil der als Sportfläche ausgewiesenen Grünzonen im Föhrenbrok als Bauland ausweise und vermarkte, lauteten in jüngster Zeit Überlegungen auch aus Kreisen der Burglesumer Kommunalpolitik. Sie stoßen allerdings auf große Skepsis, wie beim jüngsten „Bürgerschnack“ deutlich wurde.

Koch ließ denn auch keinen Zweifel daran, dass seine Behörde keine Sportflächen aufgeben wolle. Im Föhrenbrok böten sie sie sich auch schon deshalb nicht als Bauland für neue Wohnungen an, weil die Erschließung kompliziert und der Lärm sowie die Abgase von der Grambker Heerstraße problematisch seien. Zudem böten sich die Grünareale zwischen der Straße Im Föhrenbrok und dem Sportparksee als Ausgleichsflächen für den Wald an, der dem Neubaugebiet an der Friedensheimer Straße weichen müsse.

Anders als Klaus Koch kann sich der SPD-Fraktionssprecher im Burglesumer Beirat, Reinhard Hennig, allerdings durchaus für den Wohnungsbau auf dem Areal der Hinnerk-Mester-Halle erwärmen. „Bremen braucht dringend Flächen für Neubauten, und dort wäre eine“, argumentierte Hennig und fügte an: „Entscheiden aber müssten die Bürger vor Ort und nicht die Behörden.“ Die Reaktion beim „Bürgerschnack erfolgte prompt und bedeutete eine Absage an den Wohnungsbau. Der Grambker Otto H. Koschnick formulierte es so: „Der Beirat Burglesum soll beschließen, dass wir keine Wohnbebauung, sondern die Sportflächen erhalten wollen.“

Rainer Tegtmeier stellte schließlich fest, dass es „keine einzige Stimme“ unter den rund 50 Besuchern gebe, die für eine Umwandlung in Bauland plädierte. Er erneuerte seinen Vorschlag, die Föhrenbrok-Halle so lange zu nutzen, bis es an der Grambker Grundschule eine neue Halle gibt. Und Alfred Faust, ein ehemaliger Grambker Bundesliga-Handballer, der sich jahrzehntelang ehrenamtlich um die Hinnerk-Mester-Halle kümmerte, bot an, den Handball-Tempel für einen Euro zu kaufen. Als symbolische Geste dafür, dass sie entgegen den Verlautbarungen des SVGO durchaus noch genutzt werden könne. Überhaupt kursierten nach Ende der offiziellen Veranstaltung einmal mehr Gedankenspiele von ehemaligen Mitgliedern des TV Grambke, ob man nicht im nächsten Jahr den „TV Gramke 2020“ gründen könne, um dem Handballsport in Grambke neuen Schwung zu verleihen.

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