Fußball-Landesliga: 1. FC Burg Der unterbrochene Höhenflug

Mit dem personell breiter aufgestellten Fußball-Landesligisten 1. FC Burg muss aber auch im Spieljahr 2021/22 gerechnet werden
21.04.2021, 12:43
Lesedauer: 5 Min
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Von Jens Pillnick

Was wäre für den 1. FC Burg möglich gewesen, wenn die Fußball-Saison planmäßig verlaufen oder coronabedingt eine Wertung nach der Hinrunde erfolgt wäre? Einiges. Dieser Begriff lässt viel Spielraum für Spekulationen. Aber mehr ist angesichts der außergewöhnlichen Situation nicht möglich. Die Fakten sehen so aus. Nach sieben von planmäßig 30 Partien und der schließlich annullierten Saison in der Fußball-Landesliga befindet sich die Mannschaft von Trainer Sascha Steinbusch mit fünf Siegen und zwei Niederlagen (15 Punkte) auf Tabellenrang drei. Nur die schlechtere Tordifferenz gegenüber Tura Bremen trennt die Nordbremer von Aufstiegsrang zwei.

Gedanken oder Träume, in denen der Sprung in die Bremen-Liga eine Rolle spielte, sind mit dem Saisonabbruch vom Tisch. Der gerade erst in die Landesliga aufgestiegene 1. FC Burg bleibt dort. Und das ist für Sascha Steinbusch offenbar auch völlig in Ordnung: „Das bricht uns nicht das Genick. Wir wollen nächste Saison da anknüpfen, wo wir aufgehört haben. Die Bremen-Liga wäre vom Konstrukt her ein, zwei Jahre zu früh gekommen. Wir müssen als Mannschaft noch reifer werden, schließlich wird das Spiel in der Bremen-Liga schneller und die Gegner stärker.“ So weit die eine Seite der Medaille. Steinbusch verhehlt aber auch nicht, dass die Burger zugepackt hätten, wenn sich die Aufstiegschance – wie auch immer zustande gekommen – ergeben hätte. „Wir hatten schon jetzt einige Neue und da kommt noch was. Ich hätte es uns zugetraut, in die Bremen-Liga zu gehen“, erklärt er selbstbewusst und ergänzt: „Eine Aufstiegschance würde man ja nicht einfach so wegwerfen.“

Während Steinbusch gespannt darauf gewesen wäre, wie sich sein Team im weiteren Saisonverlauf in der großen Schar von Aufstiegsaspiranten sportlich geschlagen hätte, bekundet er Mitgefühl für Tuspo Surheide. Denn die Bremerhavener waren in den sieben ausgetragenen Partien eine Klasse für sich: Sieben Spiele, sieben Siege, 27:5 Tore. „Schade für Tuspo. Die hätten den Aufstieg ohne Probleme geschafft.“ Zum Problem für die Konkurrenz könnte es nun werden, dass in der Spielzeit 2021/22 ein Aufstiegsplatz schon so gut wie vergeben sein könnte.

Wie auch immer, Sascha Steinbusch sieht sein Team für die kommende Spielzeit gewappnet. So weit sich das in einer Zeit ohne Mannschaftstraining einschätzen lässt. Einschätzen lässt sich aber die personelle Situation, und diesbezüglich strahlt der 38-Jährige: „Wir werden jede Position doppelt besetzt haben. Dadurch wird der Konkurrenzkampf angeheizt.“ Nur einen einzigen Abgang haben die Burger laut Steinbusch zu verzeichnen – der fällt allerdings schon ins Gewicht. Torhüter Muammer Eren wird aus beruflichen und privaten Gründen ausscheiden, den Verein aber nicht verlassen und in den Stand-by-Modus wechseln. Wer seine Nachfolge antritt, ist bereits geregelt. Carlos Obiegly, zuletzt im Kader des Landesliga-Konkurrenten DJK Blumenthal, schlägt seine Zelte ein paar Kilometer weiter südöstlich auf. Von Werder Bremen III kommt außerdem Phil Knauth hinzu, der eine oder andere Neue soll noch folgen. Einige weitere Neuzugänge hatte Sascha Steinbusch bereits vor mehreren Wochen präsentiert: Nils Hoppe (CF Victoria Bremen 05), Phil Greulich und Malte Randecker (beide SG Findorff) sowie John-Marvin Halstenberg (24) und Juliano Barthel (23).

Ebenso spekulativ wie die Frage, ob Burg in der Landesliga einen der beiden Aufstiegsplätze hätte erreichen können, ist die, ob und wann es noch Spiele im Lotto-Pokal geben wird, der ja bekanntlich noch nicht abgebrochen ist. „Um dort Spiele bestreiten zu können, benötigen wir eine Vorbereitung von vier bis sechs Wochen“, sagt Sascha Steinbusch und stellt die Fortsetzung durchaus in Frage: „Schlimmstenfalls würde wir das ja für nun ein Spiel machen.“ Eine zweite Vorbereitung müsste dann wahrscheinlich folgen, wenn der Startschuss für die Punktspielsaison 2021/22 naht. Laut Steinbusch gelte es, Pro und Contra des Pokal-Wettbewerbes abzuwägen, schließlich müsse man alles tun, um Verletzungen vorzubeugen, die dann auch Einfluss auf die Punktspiele haben könnten. Bei der Entscheidung für oder gegen den Pokal würde er das Team mit einbeziehen. Wie der Tenor aus der Mannschaft klingen würde, kann er sich aber schon jetzt gut vorstellen: „Einen Verzicht würden die Jungs nicht mitmachen wollen.“

In Verzicht übt sich der Trainer gerade selbst. Denn er lässt seinen Spielern weitgehend freie Hand dabei, wie sie sich körperlich betätigen. „Ich verstehe, dass sie ein bisschen demotiviert sind. Aber ich will nicht mit der Peitsche hinter ihnen stehen, schließlich haben wir kein Ziel, das mit einem Zeitpunkt benannt werden kann.“ So setzt er in erster Linie auf Eigenverantwortung und weiß, dass jeder darauf brennt, die Erfolgsstory mit dem 1. FC Burg fortzusetzen. Darauf, was der 1. FC Burg zu leisten imstande ist, waren die sieben ausgetragenen Spiele ja nur ein Vorgeschmack. Den verpatzten Saisonstart mit dem 1:4 beim TSV Melchiorshausen bügelte der Aufsteiger umgehend aus, und das verlangte Steinbusch ein dickes Lob ab: „Imponierend, wie wir danach in die Spur gekommen und in der Landesliga angekommen sind.“ Jetzt freut sich Sascha Steinbusch trotz des ungewissen Zeitpunktes bereits auf „geile Nordderbys“ und ist gespannt darauf, wie sich die Lokalrivalen verstärken.

Freudig registriert Sascha Steinbusch auch, dass seine Routiniers weitermachen und den vielen neuen jungen Spielern unterstützend zur Seite stehen werden. Innenverteidiger Ahmet Dogmus ist wie Yasin Caliskan schließlich bereits 38 Jahre alt, aber beide sind kaum wegzudenken. Und dann ist da auch noch der frühere Torjäger „Manni“ Klein, der mittlerweile als rechter Verteidiger seine ganze Erfahrung in die Waagschale wirft – im zarten Alter von 44 Jahren. Einen Freibrief für einen Stammplatz wird der Routinier von Sascha Steinbusch zwar nicht mehr erhalten, aber die Entscheidung darüber, ob er noch eine Saison dranhängen will, liegt laut Steinbusch ganz in den Händen von Klein.

Eine Stütze im Mittelfeld ist Yasin Caliskan, der seine Karriere 2018 eigentlich beendet hatte. Doch als beim damaligen A-Ligisten 1. FC Burg der Schuh personell drückte, bat Sascha Steinbusch den lauffreudigen Mittelfeldspieler um kurzzeitige Unterstützung. Aus der viel mehr wurde. „Wenn wir aufsteigen, dann greife ich noch mal an“, erinnert sich Yasin Caliskan daran, was dann passierte. Der 1. FC Burg stieg erst in die Bezirksliga auf, wenig später in die Landesliga. Und Yasin Caliskan fand Gefallen an der Fortsetzung seiner Karriere: „Es macht echt Spaß. Und wir haben mit den älteren, jungen und ganz jungen Spielern eine tolle Kameradschaft.“ Auf wann das Karriereende verschoben worden ist, darauf will sich der 38-Jährige, der froh ist mit Ahmet Dogmus und Manfred Klein noch zwei Oldies in der Truppe zu haben, nicht festlegen: „Darüber habe ich noch nicht nachgedacht. Ich spiele so lange, wie sie mich brauchen. Oder bis ich merke, dass ich es von der Leistung her nicht mehr schaffe.“

In der annullierten Saison hätte Yasin Caliskan den 1. FC Burg bei regulärem Verlauf unter den ersten Sechs im Ziel erwartet, in der folgenden stuft er die Aussichten als ebenfalls günstig ein, denn im Gegensatz zum 1. FC Burg sieht er bei der Konkurrenz Probleme, die mit der Pandemie zu tun haben: „Ich glaube, dass viele nicht mehr so viel Lust und auch nicht mehr so viel Personal haben werden.“ Eine Einschätzung, zu der der 1. FC Burg geradezu ein Gegengewicht bildet. Das reichlich vorhandene und gute Personal brennt darauf, den unverschuldet unterbrochenen Höhenflug fortzusetzen.

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