Stefan Villena-Kirschner erarbeitet ein Gutachten als Planungsgrundlage / Sein Vorschlag: Förderverein gründen Geschichte des Friedehorst-Parks erforscht

Der Landschaftsarchitekt Stefan Villena-Kirschner untersucht die Geschichte und den Ist-Zustand des Friedehorst-Parks. Dafür sucht er historisches Material wie alte Postkarten und Pläne, auf denen die ursprüngliche Gestaltung des Parks zu erkennen ist. Um die Entwicklung des Parks auf eine breitere Basis zu stellen, schlägt er die Gründung eines Fördervereins vor.
02.06.2013, 05:00
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Geschichte des Friedehorst-Parks erforscht
Von Julia Ladebeck

Der Landschaftsarchitekt Stefan Villena-Kirschner untersucht die Geschichte und den Ist-Zustand des Friedehorst-Parks. Dafür sucht er historisches Material wie alte Postkarten und Pläne, auf denen die ursprüngliche Gestaltung des Parks zu erkennen ist. Um die Entwicklung des Parks auf eine breitere Basis zu stellen, schlägt er die Gründung eines Fördervereins vor.

Lesum. Er gehört zu den weniger bekannten Parkanlagen Bremen-Nords: Der Lehnhof Park, der auch Friedehorst Park oder Park am Holthorster Weg genannt wird, bekommt weitaus weniger Aufmerksamkeit als beispielsweise Knoops Park oder Wätjens Park. Seit Anfang des Jahres erforscht Landschaftsarchitekt Stefan Villena-Kirschner im Auftrag der Stiftung Friedehorst die Geschichte und erstellt ein Gutachten über den Ist-Zustand der historischen Grünanlage. Seine Arbeit soll eine Planungsgrundlage werden und Vorschläge für die weitere Entwicklung enthalten.

Noch ist sie nicht abgeschlossen, doch Villena-Kirschner ist bereits jetzt klar: "Die Entwicklung muss auf eine breitere Basis gestellt werden." Das meint er vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Schwierigkeiten, in denen sich Friedehorst bekanntermaßen zurzeit befindet. Der Lehnhof Park ist im Besitz der Bremischen Evangelischen Kirche, die ihn der Stiftung Friedehorst überlassen hat.

Die Pflege des Areals beschränkt sich laut Villena-Kirschner derzeit darauf, dass die Rasenflächen gemäht, die Wege gesäubert, die Papierkörbe geleert und der Baumbestand erhalten werde. Gestalterische Eingriffe gab es in den vergangenen Jahren nicht.

Zuletzt wurden im Jahr 2003, zum Teil mit Mitteln aus der Stiftung Wohnliche Stadt, in größerem Umfang Wege saniert sowie Bänke und Bäume ersetzt. Wünschenswert wäre nach Ansicht des Landschaftsarchitekten deshalb, die Entwicklung durch bürgerschaftliches Engagement voranzutreiben. "Eine Option wäre die Gründung eines Fördervereins, wie es ihn auch für Knoops Park und für Wätjens Park gibt", lautet sein Vorschlag.

Er hat seine Recherche zunächst mit der Sammlung von Daten begonnen. Wie Knoops Park und andere ehemalige Landgüter in St. Magnus entstand das Landgut Lehnhof in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts als Sommerwohnsitz des Generalkonsuls, Bankiers und Senators Theodor Lürman. Er war der ältere Bruder August Lürmans, ebenfalls Senator und um 1890 Bürgermeister in Bremen, der südlich benachbart auch einen Landsitz hatte.

Theodor Lürman erwarb den Lehnhof 1857 und ließ den Park anlegen. Die Gestaltung hat vermutlich der Landschaftsarchitekt Franz Wilhelm Benque beeinflusst. Seinerzeit war der Park mit 16 Hektar deutlich größer und reichte bis an die Leuchtenburger Landstraße. Das Sommerhaus des Generalkonsuls wurde 1888 im Schweizerhaus-Stil erbaut. Bereits 1904 wurde es abgerissen und durch einen Neubau des Tabakkaufmanns und späteren Eigentümers Oscar Rohte ersetzt.

Bei seinen Recherchen ist Villena-Kirschner unter anderem auf Aufzeichnungen einer Nichte Rohtes gestoßen. Diese beschreibt ihre Kindheitserlebnisse an den heute fast zugewachsenen Teichen so: "Im Sommer ging es an den Teich und das Boot wurde losgemacht. Das Wasser war nicht tief. Zwei Inseln gab es. Die eine konnte man über eine Brücke erreichen, aber die andere nur mit dem Boot. Für das Spiel ,Räuber und Prinzessin’ war die Insel wie geschaffen, man musste nur aufpassen, dass man dort nicht ausgesetzt wurde." Illustriert wird die Geschichte durch ein Foto von einem Jungen im Kinderkanu.

Solche Berichte, alte Postkarten, Familienfotos, Pläne, Zeichnungen und ähnliche Zeitdokumente zur Geschichte des Parks interessieren Villena-Kirschner besonders, da sie über die Geschehnisse und die ehemalige Gestaltung des Parks Auskunft geben können. "Wer entsprechendes Material im Schuhkarton oder auf dem Dachboden gesammelt hat, kann mir dieses gerne zusenden", bittet der Landschaftsarchitekt um Unterstützung.

Der Kernbereich der Anlage ist erhalten geblieben und öffentlich zugänglich. Neuneinhalb Hektar umfasst die Fläche heute noch. Im Jahr 2002 wurde dort auf Initiative der Jugendarbeit der St.-Martini-Gemeinde Lesum der Seilgarten Lesum gebaut. In den vergangenen Jahren fanden zudem Freiluft–Konzerte im Rahmen des Gartenkultur-Musikfestivals statt. Den Besuchern bietet der Park ein abwechslungsreiches Bild: Wiesenflächen werden von Baumgruppen aufgelockert, alte Buchen dominieren, einige exotische Parkbäume erinnern an die Gartenkultur des 19. Jahrhunderts, darunter ein Mammut- und ein Tulpenbaum sowie Scheinzypressen.

Etwa 1000 Bäume hat der Landschaftsarchitekt erfasst. "Es gibt dort zahlreiche Bäume, die älter sind als 150 Jahre mit einem Stammumfang von mehr als fünf Meter." Ein Großteil des ursprünglichen Bestands sei bis heute erhalten geblieben, "in den 1960er-Jahren wurde ein Teil ersetzt, sonst ist nicht viel passiert". Das Ergebnis von Villena-Kirschners Arbeit soll auch Vorschläge für Maßnahmen zur Wiederherstellung und Rekonstruktion der historischen Parkanlage enthalten.

Kontakt: Landschaftsarchitekt Stefan Villena-Kirschner, Kastanienallee 24, 28717 Bremen, Telefonnummer: 0421/6202452. E-Mail-Adresse: stefan.villena@villena.de.

Geschichte des Friedehorst-Parks erforscht

Stefan Villena-Kirschner erarbeitet ein Gutachten als Planungsgrundlage / Sein Vorschlag: Förderverein gründen

Zitat:

"Parkentwicklung wäre durch bürgerschaftliches

Engagement möglich."

Stefan Villena-Kirschner

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