Haus Kränholm

Jazz-Doppelkonzert an lauem Sommerabend

Ungeachtet einer sehr kurzfristigen Ankündigung waren viele Zuhörer gekommen, um dieses nach langem Lockdown erste Open-Air-Konzert am Rande von Knoops Park zu erleben.
18.06.2021, 14:51
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Von Gerd Klingeberg
Jazz-Doppelkonzert an lauem Sommerabend

Doppelkonzert im Skulpturengarten von Haus Kränholm.

Christian Kosak

St. Magnus. Kein uriger Kneipenkeller, keine gemütliche Lounge. Aber ein Sommerabend bei angenehmer Wärme samt leichter Brise unter den riesigen alten Bäumen des Skulpturengartens von Haus Kränholm bietet für gepflegten Jazz ein noch spezielleres, gewiss kaum zu toppendes Ambiente. Und so waren ungeachtet einer sehr kurzfristigen Ankündigung viele Zuhörer gekommen, um dieses nach langem Lockdown erste Open-Air-Konzert am Rande von Knoops Park zu erleben. Die erste Hälfte gehörte dem Günther Späth Quartett, das seinen Gig mit einem ruhig swingenden „Nefertiti“ startete.

Kraftvoller und etwas dunkelfarbiger erklang „New Rain“, eigentlich ein vom Novembergrau inspirierter Titel, bei dem indes zu etwas intensiverem Beat die lebhaften Saxofonläufe von Eckhard Petri bestens mit den ausgeklügelten Figurationen des Klaviers (Jens Schöwing) wetteiferten. Nicht immer haben Titel im Jazz eine wirklich spezifische Aussage. Umso interessanter mutete: „Besser als gestern – schlechter als morgen“ an: Geradezu philosophisch hat Schöwing seine an klassischen Jazzvorlagen orientierte Eigenkomposition benannt, die sich bei moderat pulsierender Basslinie von Kontrabassist Günther Späth und Schlagzeuger Heinrich Hock problemlos auch zum angeregten Sinnieren eignete. Scharfe Saxofon-Stakkatos und eigentümlich E-Piano-Effekte standen bei „JuJu“ im Vordergrund, während „XY“, eine Komposition, die sich Saxofonist Petri quasi auf den Leib geschrieben hat, mit angeregtem Swing und raffinierten Soloeinlagen gefiel. Und schließlich „Smatter“, ein Song des kanadischen Jazztrompeters Kenny Wheeler, angenehm unaufgeregt, anfangs ein bisschen melancholisch, dann zunehmend einige Grade heißer werdend. Ein schöner Abschluss seitens des Quartetts, das beim seinem ersten Auftritt nach langer Zwangspause mit durchweg ausgewogen harmonischem  Zusammenspiel punktete.

Etwas zugriffiger noch präsentierte sich nachfolgend das Ed Kröger Quintett. Jazzposaunist Kröger, schon deutlich jenseits der üblichen Pensionsgrenze, aber noch immer topfit, genügte es, sich dem Publikum mit einem simplen „Wir kennen uns schon“ vorzustellen. Der Titel „Hackensack“ diente dem agilen Ensemble gleich für einen überzeugend forschen Auftakt, der - wie so häufig an diesem Abend - etliche im Auditorium zu zumindest angedeuteten rhythmischen Mitbewegungen animierte. Ausnehmend gelungen geriet der Standard „Darn that dream“ (J. van Heusen) als ruhepulsige, balladesk-bluesige Nummer mit reichlich melodischem Schmelz und ausgeprägtem Groove bei entspannt intonierten Solopartien. Eben genau das Richtige zum genüsslichen Träumen während des allmählich einsetzenden Sonnenuntergangs. Doch das Ensemble konnte auch anders. Das Arrangement von „Invitation“ (B. Kaper) gefiel als schmissiger Gute-Laune-Macher mit energisch drängendem Drive. Pianist Elmar Brass, Schlagzeuger Christian Schoenefeld und Bassist Peter Schwebs schienen sich in geradezu ausgelassener Spielfreudigkeit gegenseitig immer neu anzufeuern, boten dabei teils rasante, äußerst komplex ausgestaltete Soli und zauberten so manches Lächeln auf die Gesichter der begeistert mitgehenden Zuhörer. Nach anhaltendem Beifall ließen sich die versierten Jazzer nicht lange bitten: Mit „Yams“, einem Titel von Jazzlegende Herbie Hancock, legten sie noch ein stimmungsvolles Blues-Schmankerl für den geruhsamen Heimweg nach.

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