Schulprojekt in Marßel

Gnadenbrot für Legehennen

Das Schulprojekt "Gnadenhof" soll ins Programm der fünften bis siebten Klassen integriert werden. Dabei geht es nicht nur ums Tierwohl.
25.05.2021, 14:44
Lesedauer: 1 Min
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Von Klaus Grunewald
Gnadenbrot für Legehennen

Die Oberschule an der Helsinkistraße möchte ein Tierprojekt starten.

Stefanie Preuin

Marßel. Nicole Schöllhammer, Leiterin der Oberschule Helsinkistraße, spricht von einem „Gnadenhof“. Dort, auf einem abgegrenzten Areal der Marßeler Bildungsstätte, sollen zehn Hühner ab September eine neue Bleibe finden. Hennen, die vor weiterem Stress in der Legebatterie verschont bleiben und als „Helsinki-Huhn“ einen artgerechten Lebensabend verbringen können.

Das Schulprojekt ist auf dem jüngsten Quartiersforum Marßel vorgestellt worden und soll nach den Worten der Marßelerin Anja Haupt in den Unterricht für die fünften bis siebten Klassen integriert werden. Wobei möglichst auch die Eltern einzubeziehen seien. „Wir wollen nicht nur den Hühnern, die dem Leistungsstress des Eierlegens nicht mehr gewachsen sind, eine artgerechte Haltung bieten, sondern auch  das Konsumverhalten unserer Gesellschaft kritisch hinterfragen“, erläutert Anja Haupt den bildungspolitischen Ansatz. Im Zusammenhang mit dem vom Bundestag soeben beschlossenen Gesetz gegen das Kükentöten hatte denn auch der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, Thomas Schröder, betont: „Wer Tierschutz konsequent denken und ethisch vertreten möchte sowie gesellschaftliche Akzeptanz wünscht, muss auch das Leid der hochgezüchteten Legehenne als Eierproduktionsmaschine beenden.“

An der Oberschule Helsinkistraße soll deshalb das Unterrichtsprojekt „Helsinki-Huhn“ initiiert werden.  Dazu sind ein geräumiger Hühnerstall und ein großzügig eingezäuntes Areal erforderlich, auf dem sich die Hühner erstmals in ihrem Leben frei bewegen können. Auf den Hahn im Korb allerdings müssen sie verzichten. Um die Nachbarn nicht zu verärgern, die er mit seinem frühmorgendlichen Krähen aus dem Schlaf reißen könnte.

Die Mitglieder des Marßeler Quartiersforums zeigten sich höchst angetan von dem Schulprojekt und segneten einhellig einen Betrag von 5000 Euro aus dem Topf für „Wohnen in Nachbarschaften“ zur Finanzierung ab. Der Bau des „Gnadenhofes“ soll im Sommer erfolgen und im September bezugsfertig sein.

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