Schulprojekt Ein neues Zuhause für zehn Hühner

Das Schulprojekt "Helsinki-Huhn" ist an der Oberschule in Marßel gut gestartet. Die Schüler haben die Tiere bereits ins Herz geschhlossen.
25.10.2021, 16:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Marina Köglin

Marßel. Eigentlich haben sie ihr neues Zuhause bereits im September bezogen – nun wurde das Gehege der zehn Hühner auf dem Schulhof der Oberschule Helsinkistraße offiziell mit einer Feierstunde eingeweiht. Das geräumige Hühnerhaus war mit einer bunten Stoffwimpel-Girlande geschmückt und es gab Kaffee und Muffins. Die zehn Hennen – vier weiße, sechs braune – scharrten unbeeindruckt zwischen den Besuchern, ließen sich von den Schülerinnen und Schülern streicheln oder zupften an Schnürsenkeln. Einige Gäste waren verblüfft darüber, wie zutraulich die Hühner sind,  denn in ihrem bisherigen Leben hatten sie es nicht gut getroffen. Sie stammen aus einer Legebatterie.

Das Schulprojekt „Helsinki-Huhn“ wird in den Unterricht für die fünften bis siebten Klassen integriert. Behandelt werden Themen wie „Konsumverhalten unserer Gesellschaft“, Nachhaltigkeit und artgerechte Tierhaltung. Nach Marßel kamen die Hennen mit Hilfe des Vereins „Rettet das Huhn“, der „ausgediente“ Legehennen aus Massentierhaltungen an neue Halter vermittelt, die den Tieren ein artgerechtes Weiterleben ermöglichen. Natürlich müssen die neuen Halter bestimmte Auflagen erfüllen.

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Anja Haupt, Lehrerin an der Oberschule, investierte als Projektleiterin viel Zeit und Herzblut, immer unterstützt von ihrer Kollegin Tanja Keddig und Schulleiterin Nicole Schöllhammer. Auch die Mitglieder des Marßeler Quartiersforums waren sehr angetan von dem Schulprojekt und bewilligten 5000 Euro aus dem Topf für „Wohnen in Nachbarschaften“. Beim Bau des Geheges und des Hühnerhauses packten zahlreiche helfende Hände mit an: Schulleitung, Lehrerkollegium, Hausmeister, Schülerinnen, Schüler und Eltern. „Ein richtiges Gemeinschaftsprojekt“, so Nicole Schöllhammer, Leiterin der Oberschule. Rechtzeitig zur Ankunft der Hühner war alles bereit. Am 19. September kamen die Hühner in der Helsinkistraße an. Trotz ihrer Legebatterien-Vergangenheit waren alle Hühner in einem guten Zustand. Nur Henriette – auch heute noch etwas federlos im Halsbereich – brauchte ein bisschen individuelle Betreuung und musste aufgepäppelt werden. Mittlerweile geht es Henriette hervorragend, sie ist sogar besonders zutraulich und neugierig. So interessierte sich das braune Huhn immens für den Blumenstrauß, den Quartiersmanagerin Katharina Fischer als Dankeschön für ihren Einsatz überreicht bekam und wich ihr kaum von der Seite. Henriettes gefiederte Mitbewohnerinnen heißen Curry, Lady Gagack, Patizia, Prillan und Sofia. Auch die anderen vier Hühner sollen nicht namenlos bleiben; die Schülerinnen und Schüler können Namens-Vorschläge einreichen. Die Lehrkräfte waren angenehm überrascht davon, wie schnell die Schülerinnen und Schüler die Helsinki-Hühner tatsächlich als „ihr“ Projekt angenommen haben. Auf mehreren Schautafeln haben sie das Projekt dargestellt. Interessierte Jugendliche konnten zu Hühner-Paten werden; sie kümmern sich am Wochenende und in den Ferien um die Tiere. „Außerdem“, so haben es bereits mehrere Lehrerinnen beobachtet, „haben die Hühner eine beruhigende Wirkung.“ Als einmal partout keine Ruhe in den Unterricht einkehren wollte, so Anja Haupt, habe sie „zehn Minuten Hühner ankucken“ angeordnet. Die folgende Doppelstunde „lief dann wie geschnitten Brot. Die Klasse war wie umgewandelt. Völlig entspannt.“

Zur Sache

Info-Kasten

Der Verein „Rettet das Huhn“ wurde Ende 2007 gegründet und ist seit 2015 ein gemeinnütziger, eingetragener Verein. „Rettet das Huhn“ übernimmt ausgediente Legehennen aus Massentierhaltungen und vermittelt sie an tierliebe Menschen, die den Hühnern ein artgerechtes Weiterleben ermöglichen möchten. Sobald ihre Rentabilität, also die Legeleistung, etwas nachlässt, werden sie durch neue Junghennen ersetzt. Die „alten“ Hühner würden dann im Schlachthof „entsorgt“ werden – die Tiere sind zu diesem Zeitpunkt meistens etwa 16 bis 17 Monate alt. Der Verein konnte nach eigenen Angaben bereits mehr als 96000 Hennen retten und an neue Besitzer vermitteln. Weitere Informationen im Internet unter www.rettet-das-huhn.de.

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