Palliativlotsin berät bei sozialen Fragen Angebot für Sterbenskranke

Elke Ehlert ist die erste und bisher einzige Palliativlotsin Bremens. Sie bietet in Marßel und bei Bedarf auch zu Hause Beratung für sterbenskranke Patienten mit Tumorerkrankungen und deren Angehörige an.
26.08.2021, 12:00
Lesedauer: 3 Min
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Angebot für Sterbenskranke
Von Julia Ladebeck

Marßel. Die Nachricht, dass bei einer Krebserkrankung keine Heilung mehr möglich ist, löst bei Betroffenen und ihren Angehörigen Trauer und Verzweiflung aus. Nicht selten kommen nach der Entlassung aus der Klinik Überforderung und Hilflosigkeit hinzu. Viele Fragen stehen im Raum: Wie kann die Pflege des todkranken Menschen zu Hause organisiert werden? Welche Hilfen und Ansprechpartner gibt es? Elke Ehlert bietet als Palliativlotsin Patienten mit fortgeschrittenen Tumorerkrankungen und deren Angehörigen Unterstützung an. Seit Anfang Juli berät sie jeden zweiten Montag im Monat im Stadtteilhaus Marßel; bei Bedarf kommt sie aber auch zu den Betroffenen nach Hause.

"Die Situation ist meistens sehr komplex und herausfordernd. Die Menschen fühlen sich überfordert und wissen meistens gar nicht, wo und wie sie anfangen sollen", schildert Elke Ehlert ihre Erfahrungen. Sie ist gelernte Krankenschwester und hat Pflegewissenschaften studiert. Berufsbegleitend machte sie zudem eine Ausbildung zur Psychoonkologin. Nachdem sie jahrelang auf einer chirurgischen Station gearbeitet hatte, wechselte sie 2007 in den Sozialdienst der Palliativstation am Klinikum Links der Weser.

Die Entscheidung vom kurativen in den palliativmedizinischen Bereich und von der Pflege in die Sozialarbeit zu wechseln, fiel ihr zunächst nicht ganz leicht. Sie hatte Bedenken, die Arbeit mit sterbenskranken Menschen könnte zu belastend sein. Schnell stellte sie jedoch fest: "Der Schritt war genau richtig. Die psychische Betreuung der Patienten und Angehörigen liegt mir am Herzen." Auch die organisatorischen Aufgaben, die Elke Ehlert bereits in ihrer Zeit beim Sozialdienst auf der Palliativstation übernahm, gefallen der 58-Jährigen. Dort gehörte die Organisation der Entlassung von Patienten nach Hause oder in eine stationäre Weiterversorgung zu ihrem Hauptaufgabengebiet. 

Vor dem Hintergrund, dass die Kompetenz für soziale Arbeit in der ambulanten Palliativversorgung oft fehlt, initiierte der Förderverein Palliativstation am Klinikum Links der Weser das Projekt "Palliativlotse". Es startete im Herbst 2019. Elke Ehlert wurde die erste und bisher einzige Palliativlotsin Bremens. Finanziert wird ihre Stelle zunächst für drei Jahre durch den Förderverein. Für die Betroffenen, die sich an Elke Ehlert wenden, ist die Beratung kostenfrei.

Im Erstgespräch muss die Palliativlotsin oft erst einmal herausfinden, welche Probleme überhaupt im Vordergrund stehen. "Ich höre zuerst häufig nur: Ich brauche Hilfe." Genauer könnten die Betroffenen ihren Bedarf dann gar nicht formulieren. Sie schildert eine typische Situation: "Die Betroffenen erzählen mir, dass der Arzt gesagt hat, er könne nichts mehr tun, eine Heilung sei nicht möglich und sie sollten sich um eine Palliativversorgung kümmern. Sie wissen aber gar nicht, wo und wie. Die Situation ist sehr komplex und oftmals ist alles viel zu viel, was die Menschen in dem Moment vor sich sehen." Elke Ehlert gibt in dieser Situation Orientierung und steht dem Patienten und seinen Angehörigen bei.

Für die Menschen, die sie berät, nimmt sie sich viel Zeit. Auch das ist ein Aspekt, der ihr an der Aufgabe als Palliativlotsin gefällt. "Ich kann darauf gucken, was die Menschen brauchen und muss nicht schauen, was die Institution Klinik braucht." Dadurch empfindet sie ihre Aufgabe als bereichernd.

Bei der Beratung geht es um soziale Belange. Elke Ehlert hilft beispielsweise dabei, bürokratische Formalien zu regeln, Anträge auf Pflegegradeinstufung, Krankengeld und medizinische Hilfsmittel zu stellen. Bei Bedarf vermittelt sie Kontakt zu einer Psychologin der Bremer Krebshilfe oder zu einem Trauerbegleiter und unterstützt, wenn eine Haushaltshilfe oder ein Alltagsbegleiter als Unterstützung für die Angehörigen gebraucht wird. Für pflegerische und medizinische Fragestellungen verweist sie an die Pflegedienste oder Pflegestützpunkte sowie den zuständigen Hausarzt.

Die Beratung kann im Stadtteilhaus Marßel der Bremer Heimstiftung oder bei den Betroffenen zu Hause erfolgen. Der Kontakt zu Elke Ehlert ist über Dörte Fiedler, die Leiterin des Stadtteilhauses, entstanden. Die Palliativlotsin hätte die Räume in Marßel bereits vor einem Jahr nutzen können. Doch die Corona-Pandemie durchkreuzte die Pläne zunächst. Nun ist das Angebot in Bremen-Nord mit Verzögerung gestartet.

Die Palliativlotsin begleitet die Patienten und ihre Angehörigen so lange, wie sie die Hilfe jeweils brauchen – auch über einen längeren Zeitraum hinweg. "Obwohl die Arbeit viel mit Tod und Sterben zu tun hat, ist sie bereichernd für mich", sagt Ehlert. "Ich merke, dass ich Entlastung schaffen kann. Daraus ziehe ich meine Kraft."

Zur Sache

Beratung, Orientierung und Unterstützung

Für eine Beratung der Palliativlotsin im Stadtteilhaus Marßel der Bremer Heimstiftung, Helsingborger Straße 2, können sich Ratsuchende unter der Telefonnummer 01 52 / 08 96 30 50 oder per E-Mail an palliativelotse@palliativ-bremen.de anmelden. Elke Ehlert ist jeden zweiten Montag im Monat von 16 bis 19 Uhr vor Ort, kommt bei Bedarf aber auch nach Hause. Sie unterstützt Patienten mit fortgeschrittenen Tumorerkrankungen und deren Angehörige bei allen sozialen Fragen und Angelegenheiten rund um die palliative Versorgung. Die Beratung ist kostenfrei.

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