Schutz von Böden und Grundwasser

Proteste gegen Schlamm-Verbrennung in Grambke

Eine Klärschlammverbrennungsanlage soll beim Kraftwerk Hafen gebaut werden, gegen die Bürger auch in Burg und Grambke heftig protestieren. Sie schlagen eine Alternative vor.
21.11.2019, 08:17
Lesedauer: 3 Min
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Von Klaus Grunewald
Proteste gegen Schlamm-Verbrennung in Grambke

Rauch steigt aus einem Industrieschornstein auf. Wenn es zur Klärschlammverbrennung im Hafen kommt, befürchten die Anwohner im Bremen Westen und in Burglesum negative Auswirkungen.

Jens Wolf/DPA

Im Industriehafengebiet gibt es 23 Firmen, die Abfall entsorgen und verarbeiten. Nun soll zusätzlich eine Klärschlammverbrennungsanlage beim Kraftwerk Häfen gebaut werden, gegen die Bürger auch in Burg und Grambke heftig protestieren. Ihnen eröffnete Rolf Vogelsang von der Bürgerinitiative Oslebshausen und umzu während des jüngsten Burg-Grambker Bürgerschnacks eine seiner Meinung nach umweltfreundliche Alternative zur Klärschlammverbrennung.

Die von Hansewasser, Oldenburgisch-Ostfriesischem Wasserverband (OOWV) und EWE Wasser gegründete Kenow GmbH & Co. KG („Klärschlammentsorgung in Nordwestdeutschland“) möchte eine Anlage auf dem Gelände des SWB-Kraftwerks Hafen errichten. Rund 200.000 Tonnen Klärschlamm, der im nordwestdeutschen Raum bei der Reinigung von Abwasser anfällt, sollen dort pro Jahr mit Lastwagen angeliefert und verbrannt werden. Dabei sollen 25.000 Tonnen Asche und 3200 Tonnen herausgefilterte Giftstoffe anfallen.

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Der Hintergrund: Um Böden und Grundwasser vor Schadstoffen zu schützen, dürfen die Schlämme ab 2029 nicht mehr auf Äckern, Feldern und Wiesen verteilt werden. Als Alternative bietet Kenow die Verbrennung beziehungsweise thermische Verwertung an. Nur durch die sogenannte Monoverbrennung, bei der keine anderen Brennstoffe verwendet werden, könne der im Klärschlamm enthaltene Wertstoff Phosphor gezielt zurückgewonnen werden, argumentiert Kenow. Ohne dieses chemische Element, das vor allem für die Landwirtschaft von Bedeutung ist, gebe es kein Leben auf dem Planeten Erde.

Rolf Vogelsang verwies während des Bürgerschnacks indessen auf die Nachteile der geplanten Großanlage insbesondere für die Wohnbevölkerung in Oslebshausen und Grambke. So müsse der Klärschlamm bis zu 150 Kilometer weit aus dem nordwestdeutschen Raum mit Lastwagen angefahren werden. Die Kohlendioxid-Bilanzen dieser Transporte sowie der Klärschlammbehandlung seien „grottenschlecht“. Damit bezog er sich auf die Belastung der Atmo­sphäre, das Abschmelzen der Pol­kappen und Gletscher und die Erhöhung der Wasser­spiegel der Ozeane.

Kohlendioxid werde nicht freigesetzt

Als schonender für Umwelt und Wohnbevölkerung bezeichnete Vogelsang das Verfahren des rheinland-pfälzischen Unternehmens für Anlagenbau und Umwelttechnik Pyreg. Danach bleibe das gesamte im Klärschlamm gebundene Kohlendioxid über Jahrhunderte im Endprodukt Klärschlammkohle erhalten und werde nicht freigesetzt.

Genau das aber sei aus Sicht der Kenow der große Nachteil des Pyreg-Verfahrens, so Hansewasser-Pressesprecher Oliver Ladeur auf Anfrage. „Im Gegensatz zur Monoverbrennung werden beim Pyreg-Verfahren Inhaltsstoffe wie Schwermetalle und Arzneimittelrückstände nicht unschädlich gemacht.“ Alles bleibe in einem Granulat enthalten, das in Deutschland keine Zulassung als Düngemittel habe und deshalb nicht auf Äcker verbracht werden dürfe. Die Entsorgungssicherheit, zu der Kenow verflichtet sei, ist nach Ladeurs Worten beim Pyreg-Verfahren nicht gegeben.

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Außerdem gehe Kenow davon aus, dass allein für die Verarbeitung des Klärschlamms aus Seehausen und Farge eine Anlage in einer Größenordnung erforderlich sei, die für den Bremer Gebührenzahler teurer wäre als die geplante Verbrennung.

Gleichwohl fordert die Bürgerinitiative in Oslebshausen die Bremer Politik auf, sich noch einmal mit dem Pyreg-Verfahren als ökologische Alternative zu beschäftigen, bevor Fakten geschaffen werden, die mittelfristig nicht rückgängig gemacht werden könnten. „Die Klärschlammverbrennung hat keinerlei Akzeptanz in der Bevölkerung“, so Vogelsang. Die Debattenbeiträge beim Bürgerschnack bestätigten seine Meinung.

Auch Sorge um Stilllegung der Erdgaskavernen

In Burg und Grambke gibt es noch ein anderes Thema, das die Anwohner umtreibt. Sie haben Sicherheitsbedenken wegen der geplanten Stilllegung der beiden Erdgaskavernen im Salzstock an der Straße Brokkampsweg. Sie werden nach Angaben des Bremer Energielieferanten und Netzbetreibers Wesernetz nicht mehr zur Speicherung von Erdgas benötigt und sollen deshalb, wie berichtet, im nächsten und übernächsten Jahr mit Wasser aus der Lesum gefüllt werden.

Täglich, so die Mitteilung von Wesernetz, sollen dem Fluss 2880 Kubikmeter (2,88 Millionen Liter) entnommen werden, insgesamt rund 500 Millionen Liter. Eine Trockenlegung des Flusses und die Gefahr eines Einsturzes der unterirdischen Speicher schließt Wesernetz aus. Der Sicherheitsmantel im Salzstock sei so groß, dass die Herauslösung von Salz beim Einpumpen des Lesumwassers nicht einmal in die Nähe des berechenbaren Risikos gelange.

Bürgerschnack-Moderator Rainer Tegtmeier hatte zu diesem Thema Klaus Schlottau aus Vegesack zur Diskussion über die Kavernensicherheit eingeladen. Grund: Einige Angaben zur Stilllegung waren von Schlottau in einem Leserbrief in Zweifel gezogen worden. Während des Bürgerschnacks kritisierte der Vegesacker, dass die Speicher im Salzstock an der Lesum nicht für andere Zwecke wie der Lagerung von Wasserstoff genutzt werden. Allerdings bestätigte er auf Nachfrage auch die Aussage von Wesernetz, wonach die gegenwärtigen Arbeiten am Brokkampsweg dem Bergrecht unterlägen und genehmigt worden seien. Mit anderen Worten: Gefahr für die Bevölkerung besteht aus bergrechtlicher Sicht nicht.

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