Per Schiff von Blumenthal in die Innenstadt

Konzept für Schnellfähre kommt 2021

Die Wirtschafts- und die Umweltbehörde haben eine Studie angekündigt, die aufzeigen soll, wie Berufspendler schneller auf dem Wasser vorankommen sollen. Der Beirat Burglesum will bei der Planung mitreden.
28.04.2020, 07:30
Lesedauer: 4 Min
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Von Klaus Grunewald
Konzept für Schnellfähre kommt 2021

Über die Weser von Blumenthal bis zum Weserstadion – ob diese Idee zu verwirklichen ist, wird sich im kommenden Jahr zeigen.

Maximilian von Lachner

In gut 30 Minuten mit dem Fährschiff von Blumenthal in die Innenstadt: Das könnte in einigen Jahren möglich sein. Jedenfalls haben Wirtschaftssenatorin Kristina Voigt (Linke) und Umweltschutzsenatorin Maike Schaefer (Grüne) eine Machbarkeitsstudie angekündigt, an der auch der Beirat Burglesum mitwirken will. Das hatte der Ausschuss für Verkehr, Wirtschaft und Tourismus bereits auf seiner letzten Sitzung vor der Corona-Krise beschlossen. Das Konzept soll 2021 vorliegen und aufzeigen, unter welchen Voraussetzungen sich die Einführung des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) auf dem Wasser realisieren ließe.

Schon im Oktober vergangenen Jahres hatte Ortsamtsleiter Peter Nowack den Blumenthaler Beirat darüber informiert, dass die Bremer Landesregierung nach „Mobilitätsalternativen“ für den motorisierten Individualverkehr und den ÖPNV suche. Im Gespräch sind fossilfrei angetriebene Fähr-Verbindungen für Radfahrer und Fußgänger auf der Weser.

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Im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung hatte damals das Bremer Projektteam E-Mobis an einem Konzept für Alternativen zu den mit Dieselmotoren angetriebenen Binnen- und Küstenschiffen gearbeitet. Und zwar in Kooperation mit der Bremischen Hafenvertretung. Die Abschlusstagung hat nach den Worten des Vegesacker Kapitäns Christian Bahlke inzwischen in der Hansestadt stattgefunden. Nun wartet Bahlke mit seinem Kompagnon Gerd Knoop auf die Ausschreibung für die vom Senat gewünschte Machbarkeitsstudie. Bahlke: „Wir wollen uns bewerben.“

Geht es allerdings nach dem Burglesumer Beiratsausschuss für Verkehr, Wirtschaft und Tourismus, sollten auch Kommunalpolitiker einen Beitrag zu der Studie leisten können. Rainer Tegtmeier (Linke), von Beruf Kapitän, plädiert dafür, eine Schnellfähre-Verbindung zwischen Blumenthal und der Schlachte so schnell wie möglich mit kostengünstigen älteren Schiffen zu realisieren und später auf fossilfrei betriebene Schiffe umzusteigen. Seine Begründung: „Sonst könnte das gesamte Projekt auf den Sankt-Nim­mer­leins-Tag verschoben werden.“

Studie liegt noch nicht vor

Der Burglesumer Verkehrsausschuss hatte sich seinerzeit konkrete Informationen über die Zielsetzung und Details der Machbarkeitsstudie seitens des Wirtschaftsressorts und der Bremischen Hafenvertretung erhofft. Auf deren Experten warteten die Kommunalpolitiker allerdings vergeblich. Sabine Tietjen, Vertreterin des Burglesumer Ortsamtsleiters, konnte lediglich auf ein Schreiben der Umweltsenatorin verweisen. Danach soll erst über Ergebnisse der Studie informiert werden, wenn sie vorliegt.

Immerhin konnte Tietjen den Geschäftsführer der Bremer Fahrgastschifffahrt GmbH Hal över, Harro Koebnik, begrüßen. Koebnik rechnet mit einer Fahrtzeit zwischen Blumenthal und Stadtmitte von 60 bis 90 Minuten, sollten Fähren seiner Gesellschaft eingesetzt werden. Allerdings sei das eine rein theoretische Betrachtung, denn die erforderlichen Investitionen seien von einem einzelnen Unternehmen ohnehin nicht zu leisten.

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Das sehen Burglesumer Kommunalpolitiker wie Rainer Tegtmeier und Niels Heide (SPD) ebenso. Es sei illusorisch, dass sich ein ÖPNV-Angebot auf der Weser von selbst trage. Deshalb müsse es in das Tarifnetz der Bremer Straßenbahn AG und des Verkehrsverbundes Bremen-Niedersachsen (VBN) eingebunden werden, argumentierten sie. Der Fährbetrieb könnte nach Meinung des Vegesacker Kapitäns Christian Bahlke dann an qualifizierte Konzessionäre wie Reedereien oder Fährgesellschaften vergeben werden.

Die Diskussion über eine Fährverbindung zwischen Bremen-Nord und der Innenstadt ist nicht neu und flackerte in den vergangenen Jahren immer mal wieder auf. Jetzt aber haben zunehmende Umweltbelastungen, Staus und Parkplatzprobleme den Druck verstärkt, urbane Mobilität konfliktfrei und umweltschonend zu gewährleisten, meint Christian Bahlke. Er verweist auf Fortschritte in der Wasserstoff-, Brennzellen- und Batterietechnik.

Anlegestationen in Blumenthal, Vegesack und an der Schlachte

Schon heute würden Fährschiffe in Hamburg, Berlin, Rostock, Warnemünde und auf der Mosel ohne Dieselmotoren betrieben. Und Amsterdam wolle bis 2025 dieselbetriebene Schiffe und Boote in einem Radius von zehn Kilometern um das Stadtzentrum verbieten. Nun habe Bremen die Chance, so Bahlke, den Einsatz von Fähren auf der Basis regenerativer Ressourcen zu nutzen. Das heißt konkret: Die Weser-Schnellfähren mit den drei Anlegestationen (Terminals) in Blumenthal, Vegesack und Schlachte sollen vor allem Pendler während der Rush­hour animieren, den Pkw stehen zu lassen, und darüber hinaus die bestehenden ÖPNV-Verbindungen entlasten.

Zum Auftakt schlagen Experten den Einsatz von mindestens zwei schnellen Schiffen (gedacht wird dabei an moderne Katamarane) im Pendelverkehr vor, die jeweils rund 300 Personen und mindestens 50 Fahrräder transportieren können. Die Anleger müssten barrierefrei sein und ein schnelles Zu- und Aussteigen der Passagiere garantieren.

Einen Umweg über die Lesum werden die Katamarane freilich nicht machen. Deshalb wünschen sich die Burglesumer Kommunalpolitiker den Einsatz kleinerer Fahrgastschiffe als Zubringer, die beispielsweise Passagiere vom Lesumhafen nach Vegesack fahren. Dort könnten die Gäste dann in die Schnellfähre umsteigen.

Die Machbarkeitsstudie, die Bremen mit Geld aus dem Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) finanzieren möchte, soll auch Möglichkeiten aufzeigen, neue Fährverbindungen im städtischen Kernbereich zu schaffen. Zum Beispiel im Holz- und Fabrikenhafen mit Anbindung der Ortsteile Gröpelingen, Walle, Überseestadt, Rablinghausen, Woltmershausen und Altstadt. Gegebenenfalls auch Seehausen, Mittelsbüren sowie Hasenbüren, so die Überlegungen in den Senatsressorts, könnten von der Schnellfähre aus Bremen-Nord bedient werden.

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