Söderblom-Kirche

Umbau zum Gemeindezentrum

Das Gelände der Söderblom-Kirche in Marßel ist seit September eine Großbaustelle. Aktuell wird das Kirchenschiff unterteilt. Künftig wird es nicht nur für Gottesdienste, sondern auch als Gemeindehaus genutzt.
12.04.2021, 06:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Imke Molkewehrum
Umbau zum Gemeindezentrum

Pastor Florian Giese vor der Söderblom-Kirche.

CARMEN JASPERSEN

Burgdamm. Umrahmt von Sperrgittern, Sandhaufen und Baumaschinen ragt der Kirchturm der evangelisch-lutherischen Söderblom-Gemeinde in Marßel gen Himmel. Die Baustelle ist das Sinnbild für eine neue Ära. Das gemeindeeigene Gelände ist seit September erheblich kleiner. Der Löwenanteil des Grundstücks wurde an einen Investor verkauft. Grund: Die Zahl der Gemeindeglieder ist seit Gründung der Kirchengemeinde im Jahr 1964 von rund 8000 auf 2000 gesunken. Fast bedrohlich wirkt daher der Stillstand von Uhrzeigern und Geläut. Tatsächlich sind die aber wegen der Umbauten außer Funktion.

„Ein Viertel des Gemeindegeländes bleibt erhalten“, sagt Pastor Florian Giese und stellt sich auf einen rosafarbenen Markierungspunkt nahe der Kirchenwand. Der Theologe breitet die Arme aus, um die neue Grundstücksgrenze aufzuzeigen. Noch sind Kreuzgang und Rosengarten intakt, aber die Tage sind gezählt. Auch Gemeindehaus, Gemeindesaal, einliegende Wohnungen sowie Pfarrhaus und Büro werden abgerissen – vermutlich aber frühestens in einem Jahr. Die Nutzräume der Gemeinde werden stattdessen in den nunmehr überdimensionierten Kirchenraum integriert.

Auch Florian Giese, der mit seiner Familie gegenwärtig noch im Pfarrhaus lebt, wird bald umziehen. Er will sich die Abrissarbeiten ansehen. „Das tut zwar weh, aber ich kann mir gut vorstellen, was später daraus wird. Wo derzeit Flachdachhäuser aus den 60er-Jahren stehen, werden höhere Gebäude entstehen. Und der Wandel ist absolut notwendig“, betont der 42-Jährige, während er über einen Schutthaufen in die Kirche steigt.

Eine Wand und die neue Empore trennen den bereits verkleinerten Kirchenraum von den künftigen Gemeinderäumen. Von der Decke hängen lange Lampenkabel. „Die Lampen passen nicht mehr hier rein“, sagt der Pastor. Stattdessen gebe es ein ganz neues Lichtkonzept. Die alten Lampen kämen aber womöglich in einer anderen Nordbremer Gemeinde zum Einsatz.

Erhalten bleibt natürlich das Altarbild der Kirche. Aktuell ist es unterwärts verschalt, schließlich darf es bei den Umbauten nicht zu Schaden kommen. „Die Gemeinde soll sich hier zu Hause fühlen, deshalb kommt auch der Altar wieder an seinen angestammten Platz“, betont Giese. Der Kirchenraum werde künftig zwar kleiner, aber auch behaglicher und fördere die Kommunikation. Offen sei aber noch, wie die Bänke verteilt werden. Zudem könnten natürlich nicht alle aufgestellt werden. Einige werden womöglich als Podest des Altars verwendet. „Die sind ja aus massivem Holz und bekämen somit ein zweites Leben“, sagt Giese.

Das veränderte Raumgefüge gefällt nicht allen Gemeindegliedern. „Viele sind in der Gemeinde getauft und konfirmiert worden, haben sogar hier geheiratet. Die sehen den Umbau als Rückschritt an. Sie sind traurig und sagen das auch“, erzählt Giese. Aber es gebe keine Alternative. Der Pastor wird sich selbst auch umstellen müssen. Sein neues 15 Quadratmeter großes Büro unter der neuen Empore, wird er sich mit der Gemeindesekretärin teilen und vor den Gottesdiensten gewissermaßen als Umkleide nutzen. „Eine Sakristei gibt es nicht mehr“, erklärt der Theologe. „Dann zieh ich mich eben hier schnell um“, sagt er und guckt in den noch stockfinsteren Raum. Licht kommt erst hinein, wenn ein Fenster eingebaut ist.

Gegenüber befindet sich ein Abstellraum gleicher Größe. Daneben führt künftig eine schmale Treppe zur neuen Empore. Die ist erheblich kleiner als die alte. Deshalb muss eine neue Orgel angeschafft werden. „Die alte Orgel steht jetzt in Süddeutschland in einer Kirche am Bodensee“, erzählt der Theologe. Ein Orgelbauer habe das Instrument erworben und dorthin verkauft. Eine neue, aber gebrauchte Orgel ist noch nicht ausgewählt worden. Giese: „Sie muss auf jeden Fall zum Raum passen – auch akustisch.“

Jenseits der Trennwand – noch ist alles im Rohbau – entsteht das neue Foyer des Gemeindezentrums mit drei angrenzenden lichtdurchfluteten Gruppenräumen. „Künftig ist alles sehr nah beieinander“, räumt Giese ein. Auch der neue Haupteingang zur Kirche werde hierher verlagert. So falle der Blick der Besucher beim Betreten künftig auf die offene Küche. „Aber hier wird eine große Kaffeemaschine stehen, und wir können auch kochen“, sagt Giese und stellt sich hinter den imaginären Tresen. Vorträge, Seniorentreffen, Chorproben, Konfirmandenunterricht, Gymnastik oder Feiern sollen in diesen Räumlichkeiten stattfinden. Die mobilen Wände können je nach Bedarf verschoben werden.

Florian Giese blickt an der nördlichen Kirchenwand zu einem kreisrunden Oberlicht. „Hier stand früher mal das Taufbecken, aber ich kenne das nicht mehr“, sagt er. Das Oberlicht werde vermutlich zugemauert, da hier sowie in der ehemaligen Sakristei die Sanitäranlagen und Nutzräume untergebracht werden. „Jetzt kriegen wir auch Fernwärme“, freut sich der Pastor. „Die Öltanks waren mir immer ein Dorn im Auge.“ Und wenn die Bauarbeiten beendet sind, möchte er mit Familie an den Bodensee fahren. „Dort besuchen wir dann die alte Orgel.“

Info

Zur Sache

Schwedischer Bischof gab den Namen

Die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde im Marßeler Feld wurde 1964 als Tochtergemeinde von St. Martini Lesum gegründet. Die ersten Gottesdienste fanden als Hausgottesdienste statt, später gab es eine kleine „Notkirche“ direkt an der Stockholmer Straße. 1969 wurden das Gemeindezentrum und die Söderblomkirche eingeweiht. Sie ist nach dem schwedischen Bischof und Friedensnobelpreisträger von 1930, Lars Olof Jonathan „Nathan“ Söderblom, benannt.

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