Spiel meines Lebens

French-Open-Feeling in Knoops Wald

Wilfried Thal traf mit den Herren 55 in der Tennis-Regionalliga auf den TC Bendestorf um den ehemaligen Weltklassespieler Fred Stolle
23.04.2021, 13:07
Lesedauer: 3 Min
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Von Jens Pillnick
French-Open-Feeling in Knoops Wald

Auf seinem Lieblingsplatz vor dem Eigenheim in Platjenwerbe: Wilfried Thal, der 1997 gegen Fred Stolle, French-Open-Sieger von 1965, spielte.

Jens Pillnick

René Lacoste, Gottfried von Cramm, Fred Stolle, Tony Roche, Björn Borg, Ivan Lendl, Gustavo Kuerten, Andre Agassi, Rafael Nadal, Roger Federer – die Liste mit prominenten Namen lässt sich lang und länger werdend fortsetzen. Diese zehn Herren stammen nämlich aus der Siegerliste der French Open (ehemals Championnat de France international de Tennis (bis 1967), die seit 1891 ausgetragen werden. Und gegen einen von ihnen hat Wilfried Thal, die Tennis-Legende des TSV Lesum-Burgdamm, gespielt. Im „Spiel meines Lebens“ traf der heute 85-Jährige, der seinen Ruhestand im reetgedeckten Haus in Platjenwerbe genießt, Anfang Mai 1997 auf den Australier Fred Stolle, der 1965 beim Grand-Slam-Turnier in Paris triumphiert hatte. Die Gesamtbilanz imponiert noch mehr: Stolle war dreimaliger Davis-Cup-Sieger und gewann insgesamt 17 Grand Slams im Einzel, Doppel und Mixed.

Als Fred Stolle mit dem TC Bendestorf auf der Anlage des TSV Lesum-Burgdamm auftauchte, da war einiges los in Knoops Wald. 150 Zuschauer wollten sehen, wie sich die gerade in die Regionalliga der Herren 55 aufgestiegenen Nordbremer gegen den mit nationalen und internationalen Assen früherer Tage gespickten Titelanwärter Bendestorf aus der Affäre zogen. Besonders im Fokus stand natürlich die von der Dachterrasse bestens zu verfolgende Partie auf dem Centercourt, wo sich Wilfried Thal und Fred Stolle gegenüberstanden.

„Man kann schon sagen, dass es ein einseitiges Spiel war“, blickt Wilfried Thal auf das zurück, was sich in Zahlen schließlich in einem 1:6, 3:6 ausdrückte. Aber immerhin: Vier Spiele hatte er seinem Gegenüber, der in seiner Glanzzeit auch die US Open (1966) gewonnen hatte, abgenommen. „Big Shot“ hätte ihm Stolle, der heute 82 Jahre alt ist, mehrmals im Laufe der Partie zugerufen. Einer Partie, in der er ob seines prominenten Gegenübers noch nervöser als ohnehin schon gewesen wäre und er einmal mehr seine läuferischen Qualitäten in die Waagschale geworfen habe. „Ich habe viele Gegner totgelaufen“, denkt Wilfried Thal, der im Tennisverband Nordwest und darüber hinaus im Altersklassenbereich eine große Nummer war und bei den Herren 60 auf Position 14 in Deutschland geführt wurde, zurück. Doch letztlich war gegen den Australier für den Nordbremer, der sich sein Tennis-Können nach seiner Handballkarriere erworben hatte, kein Kraut gewachsen. „Man merkte eben, dass er Tennisspielen von Kleinauf gelernt hat. Ich bin ja erst mit 32 zum Tennis gekommen“, erklärt Wilfried Thal den gravierenden Unterschied der beiden Laufbahnen.

Wer das Glück hat, sich sportlich mit einem Ausnahmespieler messen zu dürfen, der schaut aber nicht nur auf die Spielzeit auf dem Spielfeld oder das Ergebnis. Der schaut auch auf den Menschen mit Promistatus, über den man bislang nur etwas aus den Medien erfahren hatte. Und hinter dieser Fassade erkannte Wilfried Thal einen „ganz netten Mann“, der mit den Lesumern später gegessen, getrunken und sich – mit wenig deutsch und viel Englisch – unterhalten habe. „Er hat den Platz selber abgezogen“, registrierte Wilfried Thal beim früheren French Open- und US Open-Sieger ein Benehmen, das keine Selbstverständlichkeit ist. Als alles andere als selbstverständlich betrachtete Thal allerdings auch die Art und Weise, wie der TC Bendestorf zu seinem nationalen Ruhm kam. „Scheinbar gab es da jemanden, der Geld hatte“, erklärt sich Thal, warum das Team aus der Lüneburger Heide gleich mehrere außergewöhnlich gute Spieler im Team hatte. „Unter anderem die Nummer zwei aus der DDR. Aber der war für das Einzel gar nicht gut genug“, schmunzelt Thal über das Überangebot beim Gegner. Einem Gegner, der sich laut Thal auf Einladung eines Sponsoren in einem Tenniscamp in Amerika auf die Punktspielsaison vorbereitet hatte.

Noch stärker als bei seiner Einzelniederlage zeigte sich Thal von Stolle im anschließenden Doppel beeindruckt: „Im Doppel merkte man die Klasse beim Volleyspiel.“ Ein 0:6, 2:6 an der Seite von Heiko Klähn gibt das Geschehen auf der roten Asche schonungslos wider. Die Ergebnisse an den unteren Positionen sahen teilweise freundlicher aus, da profitierte der TSV Lesum-Burgdamm davon, dass Bendestorf ohne seine Nummer eins, drei und vier angetreten war. Dem Ehrenpunkt ganz nahe war Heinz Gaßmann, der beim 6:7, 6:4, 6:7 zwei Matchbälle ungenutzt ließ. So stand am Ende ein 0:9 des TSV Lesum-Burgdamm gegen den als amtierenden Meister in Knoops Wald angetretenen TC Bendestorf auf dem Spielbericht. Viel bleibender als die Erinnerung an das Ergebnis ist allerdings die Tatsache, dass die Lesumer für eine Saison in der Regionalliga der Herren 55 am Start waren und ihrer Aushängeschild Wilfried Thal dabei eine Partie gegen den früheren Sieger der French Open und US Open bestritt.

Info

Zur Person

Name: Wilfried Thal (85)

Verein: TSV Lesum-Burgdamm

Sportart: Tennis

Familie: verheiratet mit Elke (seit 1962), zwei Kinder (Claudia und Ingo)

Beruf: Verwaltungsangestellter (im Ruhestand)

Größte sportliche Erfolge: Aufstieg mit den Herren 55 in die Regionalliga; drei Verbandstitel (2x Einzel, 1x Doppel) PJ

Info

Zur Sache

Der bejubelte Aufstieg oder ein tränenreicher Abstieg. Ein unvergessener Sieg oder die bittere Niederlage in letzter Sekunde. In unserer Serie „Das Spiel meines Lebens“ erinnern sich Sportlerinnen und Sportler an den größten Moment ihrer Laufbahn – ganz egal, ob positiv oder negativ.

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