Stadtteil-Check Burglesum "Ein bisschen wie ein Dorf"

Was gefällt den Menschen an Burglesum und was kritisieren sie? Am WESER-KURIER-Stand auf dem Lesumer Grünmarkt haben sie ihre Meinung gesagt.
19.09.2022, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Julia Assmann Björn Josten

Lesum punktet bei seinen Bewohnern durch das viele Grün, beispielsweise im Knoops Park und im Werderland, ortsnahe und vielfältige Einzelhandelsgeschäfte sowie eine gute Anbindung an den Personnenahverkehr. Dass es in Grambke mit der Anbindung an Bus und Bahn schlechter aussieht und die Nahversorgung in St. Magnus besser sein könnte, kommt am WESER-KURIER-Stand auf dem Lesumer Marktplatz nicht zur Sprache. Es sind vor allem Lesumerinnen und Lesumer, die sich auf dem Wochenmarkt an der Hindenburgstraße am Stadtteil-Check beteiligen. Dadurch werden die anderen Burglesumer Ortsteile kaum thematisiert.

Irmi Häger lebt seit 1999 in Burglesum, zunächst wohnte sie in St. Magnus, seit 2006 in Lesum. Sie schätzt das große Angebot an Lebensmittelgeschäften und anderen Einzelhandelsläden im Lesumer Ortskern. Kritisch sieht sie den Verkehr. Vor allem, dass der Schwerlastverkehr durch den Stadtteil fährt, stört sie. Außerdem seien viele Autofahrer zu schnell unterwegs. "Eigentlich braucht man hier gar kein Auto. Die Verkehrsanbindung ist sehr gut." Die 72-Jährige bewertet Lesum als einen "älteren Stadtteil". Familien sehe sie kaum. Für junge Menschen sei das Angebot eher schlecht. "Wir haben keine Kneipe und in ganz Bremen-Nord kein Kino." Die Nähe zum Fluss und zu Knoops Park gefällt ihr besonders. "Ich kann direkt zur Lesum gehen, das Erholungsgebiet ist direkt um die Ecke."

Es wurde viel neuer Wohnraum geschaffen, aber viel zu wenig Parkplätze.
Martin Winter, Lesumer Bürger

Das schätzt auch Jörg Lüchow. Der 72-Jährige ist nach seiner Pensionierung mit seiner Frau aus Buchholz in der Nordheide nach Lesum gezogen. "Wir kannten den Ort, weil die Eltern meiner Frau hier lebten und haben uns bewusst für ihn entschieden." Seiner Meinung nach ist Lesum "eine kleine heile Welt" und ein bisschen "wie ein Dorf". Die kritischen Punkte, die er anmerkt – ebenfalls der Verkehr und dass viele Menschen das Tempo-30-Limit auf der Hindenburgstraße nicht einhielten – relativiert er gleich wieder. "Wir klagen hier auf hohem Niveau", sagt er lächelnd.

Das findet auch Waltraut Göthel, die in der Seniorenanlage an der Hindenburgstraße lebt. Der Lärm von der Straße störe einige Bewohner. Außerdem, regt sie an, solle vor der Einrichtung über eine Querungshilfe für Fußgänger nachgedacht werden. Ein weiteres Ärgernis sind für sie Jugendliche, die nachts gerne in der Grünanlage der Senioreneinrichtung feiern. "Die können dort ruhig sein. Aber sie sollten unsere Gartenmöbel wieder zurückstellen und ihren Müll mitnehmen", findet die Seniorin.

Martin Winter lebt erst seit fünf Jahren in Lesum. Vorher wohnte er in Berne. "Wir haben den Schritt nicht bereut", sagt der 77-Jährige. Er wohnt im neuen Quartier Lesumpark und betont die Vorzüge: "Wir haben alles in der Nähe: einen Bäcker, einen Supermarkt, Ärzte, den Bus und die Bahn." Was ihm nicht gefällt, ist der viele Verkehr. Im Lesumpark seien viele Menschen mit Behinderungen unterwegs. "Sie haben wirklich Probleme, über die Straße zu kommen. Wir bräuchten unbedingt einen Zebrastreifen." Außerdem mangele es an Parkplätzen. "Es wurde viel neuer Wohnraum geschaffen, aber viel zu wenig Parkplätze."

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Der Ortsteil hat sich sehr positiv entwickelt, findet Dietlind Willer. "Als ich 1976 nach Lesum gezogen bin, gab es hier noch nicht so viele Geschäfte, inzwischen bekommt man fast alles." Die Lage und das viele Grün haben der heute 73-Jährigen an ihrem Wohnort von Anfang an gefallen. In den anderen Ortsteilen von Burglesum ist sie wenig unterwegs, hat aber Kontakte nach Marßel. "Die Leute, die dort wohnen, klagen, wie schwierig es dort geworden ist. In Marßel ist die Armut höher als in Lesum." Sie findet, dass in Marßel und Grambke mehr für die Menschen gemacht werden müsste. "Wir in Lesum haben es dagegen sehr gut." Allerdings, das fügt sie noch hinzu, müsste es mehr praktische Ärzte geben.

Wegen der guten Wohnqualität ziehen auch immer mehr Auswärtige nach Burglesum, weiß Ewald Friesen, der seit Jahrzehnten für die Grünen Mitglied im Burglesumer Beirat ist. Als Naturschutzwart ist er regelmäßig im Ruschdahlmoor in Lesum und im Werderland unterwegs. Da ist es naheliegend, dass der 85-Jährige vor allem die Natur des Stadtteils schätzt. Doch auch die gute Versorgung mit Geschäften, Ärzten, Schulen und Kitas sieht er als Vorteil. "Deshalb ist Burglesum ein begehrter Wohnort. Es ist kaum eine Wohnung zu finden."

Das viele Grün, die gute ärztliche Versorgung und dass alles sehr zentral zu erreichen ist – das alles lobt Else Klump. Zusätzlich schätzt sie den Grünmarkt auf dem Lesumer Marktplatz. Kritisch sieht die 85-Jährige, dass immer mehr staatliche Einrichtungen den Stadtteil verlassen. Früher habe es in Lesum ein Standesamt, ein Sozialamt und das große Ortsamt mit viel mehr Angeboten als heute gegeben. "Nun wird auch noch die Polizei verkleinert. Das hat mich sehr geärgert, als ich das erfahren habe. Für eine Anzeige muss man jetzt nach Vegesack. Das ist für Ältere nicht so toll." Zumal der Stadtteil auch älter geworden sei. "In dem Haus, in dem ich wohne, ist die Hälfte der Leute über 70 Jahre alt." Sie selbst habe zwar einen Internetanschluss, "aber viele ältere Menschen haben das nicht".

Zur Sache

Das wollten wir beim Stadtteil-Check herausfinden. Wir haben gefragt, was Ihnen an Ihren Quartieren gefällt und wo es Luft nach oben gibt. Die Teilnahme war online oder persönlich bei der WESER-KURIER-Tour durch die Stadtteile möglich. Die Umfrage ist inzwischen abgeschlossen. Das Ergebnis erfahren Sie ab Anfang Oktober.

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