Soziale Projekte in Burg und Marßel

Streetwork in Burg soll weitergehen

Die ambulante Drogenhilfe „Comeback GmbH“ will das Streetwork-Projekt am Bahnhof Burg fortsetzen und beantragt Fördergeld. Die WaBeQ bietet eine mobile Anlaufstelle in Marßel für 18- bis 25-Jährige.
09.03.2020, 06:30
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Streetwork in Burg soll weitergehen
Von Julia Ladebeck
Streetwork in Burg soll weitergehen

Die Streetworker der ambulanten Drogenhilfe „Comeback GmbH“ kümmern sich am Bahnhof Burg um Drogen- und Alkoholabhängige und wollen das auch in Zukunft tun.

Christian Kosak

Seit zwei Jahren ist ein Streetworker-Team der ambulanten Drogenhilfe „Comeback GmbH“ am Bahnhof Burg im Einsatz und kümmert sich vor Ort um Drogen- und Alkoholabhängige. Finanziert wird das Projekt mit Mitteln aus dem Europäischen Sozialfonds für Deutschland (ESF) über das Landesprogramm LOS (Lokales Kapital für soziale Zwecke) Bremen. Die Förderung – insgesamt standen 19 998 Euro zur Verfügung – war für zwei Jahre bewilligt worden und endet im Mai. Vorausgesetzt, die Finanzierung wird erneut gesichert, wollen die Streetworker ihren Einsatz in Burg aber fortsetzen.

In der Sitzung des Burglesumer Beiratsausschusses für Soziales, Kultur und Gesundheit berichteten Wolfgang Adlhoch, mitarbeitende Leitung der Comeback GmbH, und Streetworkerin Anna Tibert jetzt über den bisherigen Verlauf. Das Projekt sei erfolgreich, deshalb werde er jetzt erneut eine Förderung beantragen, sagte Adlhoch. Er hofft auf einen längeren Förderzeitraum von vier Jahren, was sowohl für das Projekt als auch für die Mitarbeiter eine bessere und sicherere Perspektive bedeuten würde.

Die Ziele, Kontakt zur Szene herzustellen und zu intensivieren, Hilfsangebote zu machen und auf Verhaltensregeln hinzuweisen, seien erreicht worden, so Adlhoch. Die Fortführung des Projekts sei wichtig, weil Kontinuität in der Arbeit mit Suchtkranken eine große Rolle spiele. Initiiert worden war der Einsatz der Streetworker, weil der Bahnhof seit Jahren Treffpunkt für Drogen- und Alkoholabhängige ist. Viele von ihnen sind Substituierte, die eine Arztpraxis in der Nähe des Bahnhofs Burg aufsuchen, weil sie dort mit dem Drogenersatzstoff Methadon versorgt werden. Immer wieder gab es Beschwerden von Bürgern, die sich durch die Gruppenbildung belästigt fühlten oder Angst hatten.

Anna Tibert ist seit dem Projektstart am Bahnhof Burg im Einsatz und eine von insgesamt drei Streetworkern, die regelmäßig einmal pro Woche am Bahnhof präsent sind. „Wir kommen mittwochs immer mit dem gleichen Zug an und treffen dort auf eine recht stabile Gruppe aus 20 bis 25 Personen“, erzählte Tibert. Die Streetworker sind immer zu zweit unterwegs, „manchmal auch zu dritt, wenn zusätzlich eine Krankenschwester mitkommt“.

Es habe eine Weile gedauert, „aber mittlerweile werden wir akzeptiert und häufig auch schon mit bestimmten Anliegen erwartet“. Laut Tibert wurden in mehreren Fällen Kontakte zu Einrichtungen vermittelt. „Viele haben da schon Anschluss gefunden und einige kommen auch zu unserem Mittagstisch am Hauptbahnhof.“ Die Streetworker verhelfen auch zu Therapien oder ambulanten Hilfen und unterstützen bei behördlichen Problemen, beispielsweise mit dem Jobcenter oder wenn es um die Beantragung von Ausweispapieren geht. Sie sprechen mit den Suchtkranken aber auch über ihr Verhalten am Bahnhof. Tibert: „Es ging zum Beispiel darum, dass die Treppen freigehalten werden müssen. Das Ziel ist, dass es vor Ort ruhig und friedlich ist und dass die Reisenden nicht eingeschränkt werden.“

Je nach Bedarf sind die Streetworker zwischen 30 Minuten und mehreren Stunden vor Ort. „Würden ausreichend Mittel zur Verfügung stehen, würden wir das Projekt gegebenenfalls zeitlich ausweiten“, so Adlhoch. Der Beiratsausschuss unterstützt das und hat sich für eine Fortführung und gegebenenfalls zeitliche Erweiterung des Projekts ausgesprochen. Außerdem bittet der Ausschuss Sozialsenatorin Anja Stahmann (Grüne) um weitere Unterstützung für das Projekt.

Die Waller Beschäftigungs- und Qualifizierungs-Gesellschaft (WaBeQ) ist im Stadtteil Burglesum ebenfalls regelmäßig im Einsatz. Im Zuge des Projekts „(an)docken“ hält seit August 2018 einmal pro Woche für vier Stunden – immer mittwochs von 14 bis 17 Uhr – ein Bus am Marßeler Einkaufszentrum. Er ist mobile Anlaufstelle für junge Menschen zwischen 18 und 25 Jahren, die dort Hilfe und Beratung bekommen. Es geht um Themen wie Schulden, Schul- oder Ausbildungsabbruch, Wohnungslosigkeit und Probleme mit dem Jobcenter.

Etwa fünf bis sechs junge Menschen nehmen das Angebot in Marßel durchschnittlich in Anspruch, berichtete Projektleiter Mario Silberborth. Seinen Worten nach nutzen inzwischen einige von ihnen auch das Angebot am Projekt-Hauptsitz, der sich in der Stadtmitte (Wegesende 11) befindet. Dort können sie freies Wlan, eine Waschmaschine und einen Trockner nutzen, sie bekommen Frühstück und ein Mittagessen für wenig Geld, Kaffee, Tee sowie Wasser umsonst und natürlich Beratung und Unterstützung.

Um die Finanzierung muss die WaBeQ, die diverse Beschäftigungs-, Qualifizierungs-, Ausbildungs- und Beratungsprojekte anbietet, sich laut Silberborth nicht sorgen. Beauftragt wird die WaBeQ von der Agentur für Arbeit und dem Jobcenter Bremen sowie dem Wirtschaftsressort. Weitere Projektmittel erhält die WaBeQ über den Europäischen Sozialfonds und mehrere Bundesministerien.

„Der Bedarf wurde insbesondere in dieser Altersgruppe festgestellt“, erläuterte Silberborth den Hintergrund, warum sich das Angebot speziell an 18- bis 25-Jährige richtet. Betroffene dieser Generation seien oftmals sogenannte Couchhopper, „das heißt, dass sie irgendwo bei Freunden auf dem Sofa unterkommen. Viele würden sich niemals als wohnungslos outen.“ Zudem litten viele zusätzlich unter einer Vielzahl psychischer Probleme. Diese Zielgruppe zu erreichen sei extrem schwierig. „Inzwischen sind wir auch auf Facebook und Twitter aktiv und wollen Erstkontakte über ein Chatfenster auf unserer Internetseite ermöglichen“, erläuterte Silberborth. „Wir stellen aber auch fest, dass unser Angebot bekannter wird. Es spricht sich rum. Die Zahl unserer Klienten steigt an.“ Auch die Fortführung dieses Projekts wird vom Ausschuss für Soziales, Kultur und Gesundheit ausdrücklich begrüßt.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+