TV Grambke: Findlung als Denkmal Mit Muskelkraft und Pferdegespann

Vor 100 Jahren ist ein 150 Zentner schwerer Findling als Denkmal für gefallene Mitglieder des TV Grambke eingeweiht worden. Später wurden zwei kleinere dazu gestellt.
23.07.2021, 10:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Klaus Grunewald/gru

Grambke. In einer Anzeige der Bremer Nachrichten vom 17. März 1921 bietet die Firma TH. Schlüter Arbeitsgeschirr für Pferde an. Ein besonders solides war denn auch vor 100 Jahren erforderlich, um einen 150 Zentner schweren und zwei Meter großen Findling vom Bahngelände in Oslebshausen zum Sportareal des TV Grambke im Föhrenbrok zu transportieren. Dort wurde der Granitblock am 24. Juli 1921 als Ehrenmal für 30 Vereinsmitglieder eingeweiht, die im Ersten Weltkrieg gefallenen waren.

Alfred Stumpf, ehemaliger Bundesliga-Handballer des 1895 gegründeten und mittlerweile im SV Grambke-Oslebshausen integrierten TV Grambke, hat Bilder und schriftliche Zeugnisse von dem Kraftakt und der anschließenden Zeremonie vor sich auf dem Wohnzimmertisch ausgebreitet. Der 81-Jährige will die Erinnerung an den Verein sowie an ein Ereignis wach halten, das die Dorfbewohner damals mit Spannung verfolgten. Am kommenden Sonnabend, 24. Juli 2021, jährt sich die Denkmal-Einweihung zum 100. Male.

Etwa zwei Jahre nach Ende des Ersten Weltkriegs wurde der 150 Zentner schwere Koloss bei Gleisarbeiten in der Nähe des Bahnhofs Oslebshausen gefunden. Wie so viele andere Findlinge war er vermutlich während der letzten Eiszeit vor etwa 12.000 Jahren von Gletschern aus Skandinavien an seinen späteren Fundort transportiert worden. Um solche Findlinge hatten sich noch im 17. Jahrhundert märchenhafte Erzählungen gerankt, besaß die Wissenschaft doch noch keine Vorstellungen darüber, auf welche Weise sie in ein Gebiet gekommen waren, zu denen sie geologisch nicht gehören konnten. Manche machten die Sintflut verantwortlich, andere Riesen, die die Steine durch die Luft geschleudert hätten.

An solche Erzählungen verschwendeten die Grambker Dorfbewohner 1920 allerdings keinen Gedanken mehr. Vielmehr waren ihnen und den Verantwortlichen des Turnvereins noch die Gefallenen aus dem Ersten Weltkrieg in trauriger Erinnerung, für die ein Ehrenmal gebaut werden sollte. Da traf die Nachricht über den Fund des Findlings zur richtigen Zeit ein. Doch bevor der Transport organisiert werden konnte, musste beim Eisenbahnbetriebsamt Bremen um Erlaubnis nachgesucht werden. In einem schriftlichen Gesuch, das, so Alfred Stumpf, „vor Unterwürfigkeit triefte“. Da war von der „ergebenen Anfrage an Sie“ die Rede. Und weiter: „…ob Sie geneigt sind, uns den Findling zu überlassen“.

Das Betriebsamt war geneigt, und für die Mitglieder des TV Grambke konnte die Schwerstarbeit beginnen. „Kräftige Bauernjungen haben angepackt und gestöhnt“, erzählt Alfred Stumpf, der auch über die Reaktion des damaligen Vorsitzenden Ernst Howe zu berichten weiß: „Vor 3000 Jahren haben Ägypter Pyramiden gebaut, da werdet ihr doch wohl den Stein zum Sportgelände bringen können“, soll Howe die Vereinsmitglieder angespornt haben.

Es half. Mit Pferd und Wagen und „unter größten Anstrengungen“ wurde der Stein aus Skandinavien „mit Muskelkraft“ zum vier Kilometer entfernten „Turnplatz auf der kleinen Geest“ transportiert. Und nach dem Plan des Burgdammer Gartenarchitekten Brons auf einen 1,60 Meter hohen aufgeschütteten Hügel positioniert, sodass er jetzt eine Größe von 3,60 Meter besitzt. Die Gesamtkosten für Transport, Aufbau und den Architekten beliefen sich auf 9321,70 Mark. Geld, das bei Grambker Bürgern gesammelt worden war. Die sich dann am 24. Juli 1921 zur Einweihung des Denkmals einfanden und den Reden des Vereinsvorsitzenden Ernst Howe und Pastor Heinrich Hoops lauschten. 34 Jahre später erhielt der 150-Zentner-Brocken Gesellschaft. Zwei kleinere Findlinge, bei Baggerarbeiten aus der Weser gefischt, wurden ihm als Ehrenmale für die im Zweiten Weltkrieg gefallenen Vereinsmitglieder des TV Grambke zur Seite gestellt.

Heute präsentiert sich das Ensemble einschließlich Treppe und Umfeld in frischem Glanz. Auch dafür hat sich Alfred Stumpf stark gemacht. Mit einem Förderbetrag von 740 Euro aus dem Globalmittel-Topf des Beirats Burglesum ist das Trio rechtzeitig zum Jubiläum vom Steinmetz Piet Hopfenheit aus Lesum restauriert worden. Und damit sich zur kleinen Jubiläumsfeier auch das unmittelbare Umfeld ansehnlich präsentiert, hat Stumpf in Eigenarbeit Gestrüpp und Unkraut entfernt.

Dass noch viele Dokumente, Schriftstücke und Bilder über die Geschichte des TV Grambke vorhanden sind, ist ebenfalls dem ehemaligen Bundesliga-Handballer zu verdanken. Ende 2019 habe er aus dem Archiv in der Hinnerk-Mester-Halle insgesamt 25 Ordner gerettet,  erzählt der 81-Jährige. Gerettet deshalb, weil Anfang 2020 alles, was nicht niet- und nagelfest war, in einen Schrottcontainer geworfen worden sei.

Wie berichtet, soll die marode Dreifach-Halle, die sich jetzt im Besitz von Immobilien Bremen befindet, abgerissen werden. Zurzeit werden nach Auskunft von Dorothea Steiger aus dem Ressort für Soziales, Jugend, Integration und Sport die Kosten ermittelt. Dieser Vorgang, so Steiger, ziehe sich noch etwas hin, weil die Auftragsbücher der Abbruchunternehmen anscheinend gut gefüllt seien.

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