Stadtteil-Check in Lesum Pastoren-Paar hat Städtisches in der Natur gesucht und gefunden

Vom Dümmer See in die Stadt - so hatten Birgit Tell und Konrad Langrehr-Tell es sich für die Zeit nach dem Arbeitsleben vorgenommen. In Lesum setzte das Pastoren-Paar zum Neustart an. Mit Erfolg.
14.09.2022, 11:10
Lesedauer: 3 Min
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Von Ulrike Schumacher

Vor knapp fünf Jahren haben sie sich entschieden und es nicht bereut. Damals, Anfang 2018, sind Birgit Tell und ihr Mann Konrad Langrehr-Tell nach Lesum gezogen. Für einen Neustart nach dem Arbeitsleben. Zuvor hatten sie für einige Jahre am Dümmer See gewohnt, wo sie sich eine Pastorenstelle geteilt hatten. "Als der Ruhestand nahte, haben wir uns überlegt, in die Stadt zu ziehen", blickt Birgit Tell zurück. Zwei Wünsche sollten dabei erfüllt sein: "dass man mit dem Nahverkehr überall hinkommt, und Wasser und Natur wollten wir auch in der Nähe haben". So gesehen war Lesum schon ein Volltreffer.

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Dass noch weitere Pluspunkte hinzukamen, ahnte das Paar noch nicht, als es die künftige Wohnung im Neubau an der Schneiderstraße besichtigte. Zwar hatten die beiden Pastoren rund um Bremen – in Bremerhaven und in Osterholz-Scharmbeck – Pastorenstellen gehabt, aber Lesum kannten sie noch nicht. Das sollte sich bald ändern. "Wir hatten am Lesumhafen geparkt", erinnert sich die 64-Jährige an den ersten Besuch. Da war ihnen schon bald die Kirche ins Auge gefallen. Und dass es von der künftigen Wohnung nur wenige Schritte bis zum Heimatverein sind. Zwei Adressen, die Aussicht darauf versprachen, Kontakte aufbauen zu können. "Wir sind sehr froh, dass wir noch ein Jahr vor Corona unsere Fühler ausstrecken konnten", sagt Birgit Tell. "Sonst wäre es sehr einsam gewesen."

Offen für neue Kontakte

Das Paar nutzte die Spaziergänge durch Bremen-Nord, die der Heimatverein anbietet, um den neuen Lebensort kennenzulernen. Um sich hier zu verankern, wollte Birgit Tell gern in einem Chor singen. Ihr Mann hatte den Plan, Tischtennis zu spielen. Beides hat geklappt. Birgit Tell ist im Tenor der Cappella St. Martini aktiv, Konrad Langrehr-Tell spielt beim TSV Lesum Tischtennis. Die beiden Neu-Lesumer sind auf die Möglichkeiten und auf die Menschen zugegangen. Diese Haltung hatte das Paar das ganze Arbeitsleben hindurch begleitet. "Es gehörte dazu, dass man sich einbrachte ins dörfliche Leben." Da lag es nahe, auch "das Dörfliche an Lesum" zu entdecken. So etwas wie eine Nachbarschaft aufzubauen.

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Die fand sich zum Beispiel auf der Boule-Bahn in Knoops Park. Birgit Tell hat sie gewissermaßen aus dem Dornröschenschlaf befreit. Denn genutzt wurde die Boule-Bahn beim Café am Admiral-Brommy-Weg schon länger nicht mehr. "Warum eigentlich nicht?", wollte die Lesumerin wissen und wandte sich an den Heimatverein. Der nahm den Faden auf und fragte, ob sie nicht etwas anbieten wolle. Zumal dies eine Aktivität war, zu der man sich auch trotzt Pandemie treffen konnte. So entstand "Ferien-Boule" am Donnerstagnachmittag. "Zum ersten Treffen kamen gleich zwölf Leute", berichtet die Initiatorin erfreut. Bis heute treffen sich die Boulespielerinnen und -spieler in der hellen Jahreszeit donnerstags um 15 Uhr und in der dunklen Jahreszeit etwas früher. "Im Grunde spielen wir den Winter durch", sagt Birgit Tell, die die "spannende Mischung aus Ur-Lesumern und Neu-Lesumern" schätzt, die beim Boule zusammenkommen.

Übers Ehrenamt verankert

Der Heimatverein hatte noch einen weiteren folgenreichen Wunsch: ob Birgit Tell nicht für den Lesumer Boten einen Artikel übers Boulespielen schreiben könne. Konnte sie und blieb dabei. Inzwischen gehört die Pastorin zum Redaktionsteam. Außerdem wirkt sie beim Garten-Projekt des Adelenstifts mit. "Unsere Wohnung hat keinen Balkon, aber ich will auch etwas im Garten machen", erzählt sie. So stieß die 64-Jährige zu den Ehrenamtlichen, die beim Adelenstift verschiedene Projekte für die Bewohner anbieten. Birgit Tell zog es in den Garten. Ebenfalls eine Arbeit, die wegen Corona nicht unterbrochen werden musste. Dort zupft sie Unkraut, mäht den Rasen und kümmert sich ums Gedeihen der Pflanzen.

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"Wir fühlen uns hier eingebettet und wohl", blickt Birgit Tell auf fast fünf Jahre Leben an der Lesum. Für Einkäufe und Arztbesuche muss das Paar keine weiten Wege zurücklegen. Alles befindet sich um die Ecke. "Man ist nah am städtischen Leben und an der Natur." So, wie sie es sich gewünscht hatten. Idylle pur, meinen denn auch nicht wenige. Birgit Tell nickt. Nur manchmal bekomme das Idyllische auch Kratzer. "In der kurzen Zeit, in der wir hier wohnen, hat es mehrere Einbrüche und Diebstahl gegeben", sagt die Lesumerin. "Davon kann man sich nicht abschotten."

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