Durch die Corona-Pandemie

Gestrandet in einer anderen Welt

Militärkontrollen in Südafrika, leere Strände in Australien. Wie und warum Bremer in ihren Reiseländer festsitzen.
05.04.2020, 09:54
Lesedauer: 3 Min
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Gestrandet in einer anderen Welt
Von Pascal Faltermann
Gestrandet in einer anderen Welt

Sven Schulze und Alexandra Ryzhkova hängen in Südafrika fest.

Privat

Flüge gestrichen, das Militär kontrolliert die Straßen, es herrscht strikte Ausgangssperre: Der gebürtige Bremer Sven Schulze und seine Freundin Alexandra Ryzhkova sitzen fest. In der Turaco Lodge im Marloth Park, einem privaten Naturschutzgebiet, 450 Kilometer östlich von Johannesburg in Südafrika. „Uns geht es gut. Aber wir wissen nicht, wie wir zurück nach Deutschland kommen“, sagt der 34-Jährige. Mit Videotelefonie, Messenger und Mails kommuniziert er.

Sie sind nicht die Einzigen, die irgendwo in der Welt gestrandet sind. Die globale Corona-Pandemie lässt Reisende an ihren Urlaubsorten verharren. In Australien war das bei der Bremen-Norderin Ayla Schäfer so. In Neuseeland wartet der Bremer Rechtsanwalt Björn Schüller darauf, nach Hause zu können.

Keinen Flug mehr bekommen

Am 7. März starteten Schulze und Ryzhkova von Düsseldorf aus nach Kapstadt, wo sie fünf Tage blieben. Über die Garden Route ging es bis nach Port Elizabeth, mit dem Flieger weiter nach Johannesburg, dann in den Kruger Nationalpark und den Marloth Park, wo sie am 23. März ankamen. Ihr Wunsch: Safari-Touren bis zum Rückflug, der ursprünglich am 28. März starten sollte – aber der wurde gestrichen. Die landesweite Ausgangssperre hatte der südafrikanische Präsident Cyril Ramaphosa kurz nach ihrer Ankunft im Marloth Park bekannt gegeben. Die Versuche, den Flug umzubuchen, gestalteten sich schwierig. Erst Mutter Birgit Schulze gelang es von Bremen aus. Wenig später erneut die Absage.

Zum Start der Reise sei von den Einschränkungen durch Corona noch nichts bekannt gewesen. "Das erste Mal sahen wir am 15. März zufällig abends im südafrikanischen TV die Ansprache des Präsidenten, der verkündete, dass keine Ausländer aus Risikogebieten mehr ins Land gelassen und Versammlungen mit mehr als 100 Personen untersagt werden“, sagt Schulze, der als Verwaltungsmitarbeiter im Krankenhaus arbeitet.

Ungewollt in Südafrika zur Einheit geworden (v.l.): Alexandra Ryzhkova, Sven Schulze, die Lodgebetreiber Dirk und Marina Grové sowie die Berliner Matthias und Katharina Janning.

Ungewollt in Südafrika zur Einheit geworden (v.l.): Alexandra Ryzhkova, Sven Schulze, die Lodgebetreiber Dirk und Marina Grové sowie die Berliner Matthias und Katharina Janning.

Foto: Sven Schulze

Mit diesem Schicksal sind Schulze und Ryzhkova nicht allein. Die Berliner Katharina und Matthias Janning leisten den beiden in der Unterkunft Gesellschaft. Auch sie kommen nicht weg, weil seit dem Lockdown (Ausgangssperre) keine kommerziellen Flieger mehr starten. Und selbst wenn: „Das Militär kontrolliert die Straßen“, sagt Matthias Janning. Es sei also sehr unsicher, das mit dem Auto fünf Stunden entfernte Johannesburg zu erreichen. Es bleibe nichts anderes übrig, als abzuwarten.

Doch die beiden Paare haben es nach eigenen Angaben gut getroffen: Die Lodgebetreiber Marina und Dirk Grové seien „super nett und fürsorglich“. Sie hätten den Deutschen sogar die Kosten für die Unterkunft seit dem Lockdown erlassen. Morgens gibt es Fitnesstraining, das Internet funktioniert, zwischendurch kommen wilde Tiere am Haus vorbei und die Betreiber haben ein großes Barbecue veranstaltet. „Wir zahlen nur noch für die Verpflegung“, sagt Schulze. Andere Lodgebetreiber hätten ihre Gäste sozusagen rausgeworfen, ist zu hören. „Es ist eine sehr stressige Zeit, da müssen wir zusammenhalten und aufeinander aufpassen“, sagt Marina Grové.

Rückhol-Flüge von Kapstadt nach Deutschland

Das Quartett hat sich in der Krisen-Vorsorgeliste vom Auswärtigen Amt und auch beim Rückholprogramm des Außenministeriums registriert. Doch die in wenigen Minuten ausgebuchten Rückholflüge gehen von Kapstadt aus – mit dem Auto 18 Stunden entfernt. Zudem gibt es die Straßenkontrollen durch Polizei und Militär. Familien und Arbeitgeber seien natürlich informiert. In Südafrika haben nur Supermärkte, Banken und Ärzte geöffnet. Einkaufen geht nur einzeln, mit Maske und Handschuhen.

Die 20-jährige Ayla Schäfer hat es mittlerweile wieder zurück nach Lesum geschafft. Ihr Plan war es, zwei Monate in Australien zu verbringen. Fidschi und Tokio sollten folgen. Nachdem sie im vergangenen Jahr ihr Abitur an der Bördestraße gemacht hatte, wollte sie die Welt bereisen und darüber bloggen. Ihre Tour musste sie aber nach etwas mehr als einem Monat abbrechen.

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„In Sydney steckte ich fest, weil mein eigentlicher Flug am 26. März über Dubai gecancelt wurde“, sagt Schäfer. Weitere Angebote über Singapur, Vancouver oder Toronto klappten ebenfalls nicht. Die Corona-Krise machte den Airlines einen Strich durch die Rechnung. Am 1. April ging es für Schäfer dann doch über Vancouver, London und Frankfurt nach Hause. „Wären diese Flüge nicht gestartet, wüsste ich nicht, wie ich sonst zurückgekommen wäre“, sagt Schäfer. Die Situation in Australien sei bei weitem nicht so schlimm wie in Deutschland. Aber an den Stränden sei nichts mehr los, die Geschäfte und Museen seien geschlossen und außer Sydney hätten die Flughäfen zugemacht, schildert Schäfer. Auch ein Großteil des Verkehrs sei schnell eingestellt worden.

Ayla Schäfer musste ihre Reise in Australien beenden.

Ayla Schäfer musste ihre Reise in Australien beenden.

Foto: Privat
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