Baustelle Lesumbrücke in Bremen-Nord Was geplant ist, um den Verkehr zu verbessern – und was nicht

Kurz nach der Teilsperrung der Lesumbrücke haben Firmen und Wirtschaftsverbände gefordert, die Situation für Pendler zu verbessern. Was bisher umgesetzt wurde – und was nicht.
05.08.2019, 16:34
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Was geplant ist, um den Verkehr zu verbessern – und was nicht
Von Christian Weth

Als die Lesumbrücke im Vorjahr zur Hälfte gesperrt werden musste, stellten sich Firmen und Wirtschaftsverbände auf Chaos ein. Sie forderten nicht nur eine schnelle Sanierung, sondern auch Alternativen für Pendler. Eine sogenannte grüne Welle auf Ausweichrouten sollte ebenso geprüft werden wie der Einsatz von mehr Bussen und ein schnellerer Takt der Bahnen. Mehrmals trafen sich Bremer Behörden und niedersächsische Kommunen mit Verkehrsbetrieben, um auszuloten, was möglich ist, damit es seltener zu Staus vor der Autobahnbrücke kommt. Welche Ideen umgesetzt wurden – und welche nicht. Ein Überblick.

Grüne Welle: Das Amt für Straßen und Verkehr hat es mal grob überschlagen: Nachdem es immer wieder zu Verkehrsbehinderungen wegen der Brückenbaustelle gekommen ist, sind mittlerweile rund 10 000 Fahrzeuge pro Tag weniger auf diesem Abschnitt der A 27 unterwegs. Wie viele Pendler sich seither Alternativstrecken gesucht haben oder auf Bus und Bahn umgestiegen sind, weiß Bernd-Stefan Köster zwar nicht genau. Dafür kann der Referatsleiter des Amtes aber exakt sagen, wie stark der Verkehr allein auf dem Heerstraßenzug in Stoßzeiten zugenommen hat – „um 200 bis 250 Autos pro Stunde“. Er hat es schon öfter erlebt: Im Bereich der Autobahnbrücke braucht nur ein einziges Fahrzeug liegen zu bleiben, um Probleme auf weiten Teilen der Ausweichrouten zu verursachen.

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Darum arbeitet Köster an einer grünen Welle, die es für manche Ritterhuder Straßen und für eine Strecke zwischen Burg und Grambke schon gibt. Die Ampeln sind so geschaltet, dass Autofahrer, die in einem bestimmten Tempo unterwegs sind, nicht halten müssen. Köster sagt, dass das hilft – aber dass es noch mehr helfen würde, wenn die Welle den gesamten Bereich von der A 270 bis zur A 281 umfasste. Warum das bisher nicht umgesetzt wurde, hat für ihn einen simplen Grund: Der Bund hat noch nicht entschieden, ob er die Kosten übernimmt. Nach Kösters Rechnung müssen 18 Ampeln neue Technik bekommen und 300 000 Euro investiert werden. Er hofft, dass Berlin schnell zusagt. Denn die grüne Welle zu installieren, wird einige Zeit dauern. Genauso wie das Verfahren, die Arbeiten öffentlich auszuschreiben.

Mehr Busse: Andreas Holling sagt, was ein anderer Sprecher der Bremer Straßenbahn AG vor ihm auch schon gesagt hat: dass das Unternehmen die Situation auf der A 27 genauso beobachtet wie die auf dem Heerstraßenzug. Und dass es reagieren wird, sobald es notwendig wird. Bisher, meint Holling, war das allerdings nicht erforderlich, beispielsweise Extrabusse einzusetzen. Nach Angaben des Firmensprechers standen zusätzliche Fahrzeuge zwar bereit, wurden aber nicht gebraucht: „Die Verkehrslage war an manchen Tagen angespannt, aber nicht so sehr, dass der Beförderungstakt ausgeweitet werden musste.“ Mit dem Plus an Bussen, die ab Burger Bahnhof starten sollten, wollte die Straßenbahn AG sicherstellen, dass es zumindest auf den Nordbremer Linien zu keinen Verspätungen kommt.

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Und zugleich auf mehr Fahrgäste reagieren, die wegen der Brückenbaustelle jetzt in den Bus einsteigen. Holling zufolge machen das jedoch weniger Pendler als erwartet. Zahlen nennt er keine. Stattdessen spricht er von Linienfahrzeugen, die manchmal voller sind als sonst – vor allem dann, wenn zu einem hohen Verkehrsaufkommen auf der A 27 noch ein Ausfall einer Nordwestbahn kommt. Doch auch dann, meint er, reichte die Zahl an Bussen bislang aus. Ob die auch künftig reichen wird, darüber kann Holling nur spekulieren. Er schließt nicht aus, dass der Frust der Autofahrer weiter steigen wird, je länger die Brücke Baustelle bleibt. Ursprünglich sollte im Sommer entschieden werden, was mit ihr wird – jetzt gibt es einen neuen Termin: Herbst. Mit dem Beginn eines Neubaus wird nicht vor 2028 gerechnet.

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Schnellerer Bahntakt: Was die Nordwestbahn unternehmen könnte, die Situation für Nordbremer Pendler zu verbessern, dazu gab es immer wieder Vorschläge. Mal kamen sie von Wirtschaftsvertretern, mal von Politikern. Sie sprachen zum einen von einem höheren Takt der Züge und zum anderen von längeren Bahnen, damit mehr Menschen mitgenommen werden können als bisher. Doch sowohl das eine wie das andere schloss das Unternehmen kurz nach der Teilsperrung der Lesumbrücke aus. Damals erklärte eine Sprecherin, dass der Verkehrsbetrieb exakt so viele Regio-S-Bahnen und Waggons auf den Strecken im Einsatz hat, wie er es laut Vertrag mit Bremen und Niedersachsen haben muss. Und dass sie mehr Züge und mehr Waggons nicht einfach so bereitstellen kann, schon gar nicht kurzfristig.

Mittlerweile sagt Unternehmenssprecher Steffen Högemann noch etwas anderes: dass die Nordwestbahn gar nicht mehr Züge und Waggons einsetzen könnte, selbst wenn sie die hätte. Dem Verkehrsbetrieb fehlen Lokführer – inzwischen so viele, dass Zugausfälle mitunter mehrfach am Tag vorkommen. Allein am Mittwoch vergangener Woche musste das Unternehmen neun Verbindungen zwischen Vegesack und Farge ersatzlos streichen. Mit personellen Engpässen rechnet die Nordwestbahn noch bis April nächsten Jahres. Danach soll sich die Lage verbessern, weil mehrere Mitarbeiter ihre Ausbildung zum Lokführer abschließen. Rein theoretisch, sagt Högemann, ließe sich mit ihnen der Takt der Bahnen ab diesem Moment tatsächlich erhöhen. Wenn denn Bremen und Niedersachsen das in einem neuen Vertrag festlegen.

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