SV Grambke-Oslebshausen

Plötzliche Auswärtsschwäche

Der Fußball-Kreisliga-A-Trainer Arne Dobrindt (SV Grambke-Oslebshausen) musste mit seinem Team in sechs Spielen 14 Gegentreffer hinnehmen.
17.01.2021, 18:28
Lesedauer: 5 Min
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Von Karsten Hollmann
Herr Dobrindt, sind Sie mit dem bisherigen Saisonverlauf in der Kreisliga A zufrieden?

Arne Dobrindt: Nein, ganz und gar nicht. Wir hatten höhere Ansprüche und wollten ganz oben angreifen. Nun stehen wir nur im Mittelfeld mit einem Rückstand von acht Punkten auf Spitzenreiter SV Werder Bremen IV. Wir dachten, dass wir angesichts unseres guten, wenn auch teilweise ein wenig überalterten Kaders eine bessere Rolle spielen können.

Woran lag es Ihrer Meinung nach, dass die Erwartungen nicht erfüllt wurden?

Wir haben gegen zwei Teams verloren, die in der Tabelle unter uns stehen. Das hätte uns nicht passieren dürfen. Wir haben auf einmal eine Auswärtsschwäche entwickelt, nachdem wir saisonübergreifend im Jahr 2019 nicht ein einziges Saisonspiel verloren hatten. Jetzt haben wir aber alle drei Saisonniederlagen auf des Gegners Platz erlitten und somit alle Auswärtsspiele verloren.

Haben Sie eine Idee, weshalb es auswärts auf einmal nicht mehr klappt?

Eine Erklärung habe ich nicht dafür. Wir haben dieselben Rituale wie immer durchgeführt, die wir auch vor Heimspielen absolvieren. Dazu gehört auch das Einheizen mit Musik vor den Spielen.

Spielen Sie da immer ein bestimmtes Lied vor den Begegnungen ab wie etwa der FC St. Pauli Hells Bells von AC/DC?

Nein. Derjenige, der es als Erster schafft, sein Smartphone mit dem Lautsprecher zu verbinden, hat die Macht.

Was hat Sie denn glauben lassen, um den Aufstieg mitspielen zu können?

Wir wollten bereits in der vergangenen Saison aufsteigen und haben unser Ziel nur um Haaresbreite verfehlt. Es fehlten nur 0,06 Zähler beim Punkte-Quotienten auf den Zweiten TV Eiche Horn. Uns wurden letztlich zwei Niederlagen zum Auftakt der zweiten Saisonhälfte zum Verhängnis. Da wir unsere Mannschaft nun fast zusammenbehalten und uns sogar noch verstärkt haben, wurde wieder der Aufstieg als Saisonziel ausgegeben.

Haben Sie das Gefühl, Ihre Mannschaft noch zu erreichen?

Natürlich hinterfragt man sich das als Trainer. Unsere Trainingsbeteiligung mit einem Riesenkader ist aber gut. Wir hatten immer 20 Leute beim Training. Wir haben auch einen guten Zusammenhalt innerhalb des Teams. Die Jungs sind gut miteinander befreundet. Es herrscht bei uns auch keine Endzeitstimmung, nur weil wir drei Spiele verloren haben. Bei den Niederlagen bei der BTS Neustadt II und beim SC Weyhe II fehlte es einfach nach einem Rückstand an der Moral.

Wie beurteilen Sie die Leistungen Ihres Neuzugangs von der TuSG Ritterhude, Marco Grahl?

Marco ist ebenso wie Patrick Jarusch aus der Ü32 von Tura Bremen neu dazugekommen und hat ebenso wie Florian Hildebrandt fünf Tore in sechs Spielen erzielt. Da kann man nicht meckern. Ich kenne Marco aber bereits aus unserer gemeinsamen Zeit beim Bremer SV als Torgaranten. Wir haben es in dieser Saison als Kollektiv nicht hinbekommen, unsere Auswärtsspiele zu gewinnen. Und Marco ist ein Bestandteil dieses Kollektivs. Ich will unseren Misserfolg aber nicht an ihm festmachen, auch wenn Marco nicht gerade ein Zweikampf-Monster ist und in diesem Jahr bereits 37 Jahre alt wird.

Haken Sie den Aufstieg bereits ab?

Nein. Es wird aber schwierig, nach der Pause noch an die Teams von oben heranzukommen. Wir haben aber ein Spiel weniger auf dem Konto als die drei Spitzenteams. Sollten wir dieses für uns entscheiden, würde der Rückstand auf den TSV Grolland auf Platz zwei nur noch vier Punkte betragen. Grundsätzlich ist die Liga zu diesem Zeitpunkt der Saison noch nicht so festgefahren.

Wer sind denn Ihre Titelfavoriten?

Ich glaube, dass die Liga sehr ausgeglichen geworden ist. Das hatte sich aber bereits in der vergangenen Saison abgezeichnet. Von den Spitzenmannschaften hatten wir bislang nur die Drittplatzierte SG Bremen-Ost, die frühere SG Arbergen-Mahndorf, bei der wir sehr unglücklich mit 0:1 verloren haben, als Gegner. Wir haben dabei gute Ausgleichschancen ausgelassen. Der Tabellenführer SV Werder Bremen IV scheint aufgerüstet zu haben. Der TSV Grolland hat mich bisher überrascht.

Ist es vielleicht sogar ein Vorteil, dass Sie noch gegen die beiden erstplatzierten Teams antreten müssen?

Ja, mit Siegen gegen die direkte Konkurrenz könnten wir Boden auf diese wettmachen. Das muss auch unser Ziel sein. Wir haben aber alle keine Ahnung, wann und ob es weitergeht. Das zieht uns schon herunter. Der Kontakt mit der Mannschaft ist wegen der Corona-Pandemie einfach nicht mehr so innig. Wir treffen uns schließlich nicht mehr.

Kontrollieren Sie, ob sich Ihre Spieler für den Re-Start fithalten?

Ich appelliere an die Spieler, dass sie etwas tun, überprüfe es aber nicht, auch wenn wir ambitionierte Ziele haben. Der Anspruch ist nicht mehr der, den wir noch beim ersten Lockdown im Frühjahr hatten. Die Spieler zahlen schließlich Beitrag, ohne eine Gegenleistung dafür zu bekommen. Laufen ist aber gerade in der Corona-Pandemie wichtig. Wir trainieren aber erwachsene Leute. Wir haben auch größtenteils Sportler in der Mannschaft. Deshalb habe ich auch keine Angst, dass wir beim Re-Start wieder komplett bei Null anfangen.

Müsste der SVGO nicht alleine wegen seiner Tradition höher spielen?

Für die Historie wäre es sicherlich immer etwas netter, zumindest wieder in der Bezirksliga aufzulaufen. Ich selbst bin auch in der Jugend des SVGO aufgewachsen und habe bis zum Alter von 21 Jahren dort in der Verbandsliga gespielt. Viele derzeitige Spieler kommen aus der Gegend. Wir waren aber nie der Verein mit potenten Geldgebern.

14 Gegentreffer in sechs Spielen dürften Ihnen nicht besonders schmecken, oder?

Nein, zumal die Defensive ansonsten immer unsere große Stärke war. Zehn Tore haben wir alleine bei den Niederlagen bei der BTS Neustadt II und beim SC Weyhe II kassiert. In Weyhe sind wir gleich einem Rückstand hintergelaufen und haben uns nicht richtig aufgebäumt. Wir hatten wohl gedacht, dass es als Favorit einfacher werden würde.

Was machen Sie eigentlich, wenn es wieder nicht mit dem Aufstieg klappen sollte?

Diese Frage hatte ich befürchtet. Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Es ist auf jeden Fall ein sehr zeitaufwendiges Hobby, das zwar Spaß bereitet, aber auch undankbar ist, weil wir schon wieder pausieren müssen. Wenn die Saison weitergeht, müssen wir uns schnell Gedanken machen und eine Entscheidung mit dem Verein über die Zukunft treffen. Wir haben keinen Riesenunterbau im Klub. Seit meiner eigenen Jugendzeit hat sich da viel verändert.

Wie funktioniert das Zusammenspiel mit Ihrem Kollegen Lennart Zöller?

Wir verstehen uns sehr gut untereinander. Der Vorteil von zwei gleichberechtigten Trainern ist der, dass immer einer da ist, wenn der andere mal etwas anderes vor hat. Wir haben nie Streit und auch schon früher beim SVGO zusammengespielt. Es klappt hervorragend. Wir teilen uns die Aufgaben. Während sich Lennart um den Computerkram samt DFBnet und als ehemaliger Torwart um die Keeper kümmert, übernehme ich das Aufwärmprogramm mit den Feldspielern. Bei den Ansprachen wechseln wir uns dann ab.

Leidet auch Ihr Berufsleben gerade unter der Corona-Pandemie?

Ja, als Lehrer bin ich natürlich direkt davon betroffen. Ich unterrichte an meiner Schule auch Abschlussklassen. Für diese hatte der Bremer Senat eigentlich Präsenz-Unterricht vorgesehen, rückte aber nun davon ab. Also bleibt es beim Distanz-Unterricht. Für die Kinder ist es natürlich richtig blöd. Sie können nicht mehr zum Schwimmen gehen und auch keine sonstigen sportlichen Einrichtungen aufsuchen.

Das Gespräch führte Karsten Hollmann.

Info

Zur Person

Arne Dobrindt (41)

trainiert in seiner dritten Saison gleichberechtigt mit Lennart Zöller den Vertreter aus der Bremer Fußball-Kreisliga A, SV Grambke-Oslebshausen. Der frühere Mittelfeldspieler und Stürmer wuchs in der Jugend des SVGO auf, ehe er mit 21 Jahren zum Bremer SV wechselte. In der Saison 2003/2004 schnupperte der in Walle groß gewordene Kicker sogar einmal Oberliga-Luft in der damals vierten Liga beim SC Weyhe. Nach einem erneuten Intermezzo beim Verbandsligisten Bremer SV kehrte Dobrindt wieder zu seinem Heimatverein zurück. Arne Dobrindt arbeitet als Lehrer für Geschichte und Sport am Schulzentrum Walle. Er ist verheiratet mit Jennifer Dobrindt, mit der dieser die gemeinsamen Söhne Maximilian (7) und Jonathan (4) hat - die Familie lebt im Findorff.

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