Wohnbau an der Friedensheimer Straße Planer haben Lärmschutz im Fokus

Das Baugebiet Friedensheimer Straße liegt in der Nähe der Bahntrasse und in der Nachbarschaft eines Gewerbebetriebs. Deshalb achten die Planer bei Aufstellung des Bebauungsplans besonders auf Lärmschutz.
18.03.2021, 07:00
Lesedauer: 4 Min
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Planer haben Lärmschutz im Fokus
Von Julia Ladebeck

Der Standort des geplanten neuen Wohngebiets an der Friedensheimer Straße in Burg-Grambke, in unmittelbarer Nähe zur Bahntrasse und in direkter Nachbarschaft zu einem Gewerbebetrieb, stellt die Planer vor große Herausforderungen. Weil die künftigen Bewohner bestmöglich vor Lärm geschützt werden müssen, sind an der Aufstellung des Bebauungsplans 1270 unter anderem das Gesundheitsamt und Immissionsschutz-Gutachter beteiligt.

Die spezielle Situation hat für eine erhebliche zeitliche Verzögerung bei der Überarbeitung des Bebauungsplan-Entwurfs gesorgt, sagte der stellvertretende Leiter des Bauamts Bremen-Nord, Klaus Koch, in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Bau- und Stadtentwicklung in Burglesum. Eine Versammlung, bei der die Einwohner über das Bauvorhaben informiert wurde, gab es bereits im Oktober 2018. Im Mai 2019 befasste sich der Beirat Burglesum mit den Plänen. Bis jetzt die überarbeitete Fassung des Bebauungsplans in der Online-Sitzung des Burglesumer Bauausschusses vorgestellt wurde, vergingen fast zwei Jahre.

Der neue Bebauungsplan muss aufgestellt werden, weil das Grundstück bisher als Gewerbefläche ausgewiesen war. Nun soll es Wohngebiet werden. Lediglich das Grundstück des Unternehmens Dreiha GmbH, das Heizungs-, Lüftungs- und Klimageräte entwickelt und herstellt, wird im neuen Bebauungsplan als Gewerbegebiet festgesetzt. Für einen Teil des Areals, an dem das künftige Quartier an die Friedensheimer Straße grenzt, gab es bereits einen gültigen Bebauungsplan. Dort hat der Bauträger, die MD Bau & Projekt GmbH, schon 2019 mit dem Bau erster Häuser begonnen.

Der Bebauungsplan 1270 „Friedensheimer Straße“ enthält neben Vorschriften zu Gebäudehöhen, Geschossangaben und Fassadengestaltung zahlreiche Festlegungen, die die künftigen Bewohner vor Verkehrs- und Gewerbelärm schützen sollen. Der Grund: Ein Lärmgutachten hat ergeben, dass an den in Richtung Südwesten ausgerichteten Fassaden tagsüber mit Lärmpegeln von bis zu 64 Dezibel (dB/A) und nachts bis zu 65 Dezibel durch Verkehrslärm gerechnet werden muss. Hinzu kommt demnach eine Belastung durch Gewerbelärm von bis zu 64 Dezibel tagsüber und 49 Dezibel in der Nacht. Vorgeschrieben sind deshalb diverse passive Schallschutzmaßnahmen wie nicht zu öffnende Fenster und schallgedämmte Lüftungsöffnungen.

Die ursprüngliche Idee einer Lärmschutzwand für das Wohngebiet haben die Planer nach Angaben des stellvertretenden Bauamtschefs schnell wieder verworfen. „Die hätte neun Meter hoch sein müssen“, sagte Koch. Auch ein Lärmschutzwall hat sich seinen Worten nach nicht angeboten. „Dann hätten die geplanten Reihenhäuser nicht gebaut werden können.“

Die Reihenhaus-Reihe soll im südwestlichen Bereich des Areals entstehen und ist Teil des Lärmschutz-Konzepts für das neue Wohngebiet. Die Reihenhäuser sollen die dahinter liegenden Einfamilien-, Doppel- und Mehrfamilienhäuser abschirmen und vor Lärm schützen. Die Reihenhausbebauung hat an zwei Stellen Lücken. Zwischen den Häusern sollen Gemeinschaftsanlagen, zum Beispiel Schuppen für Fahrräder, entstehen, die den Lärmschutz vervollständigen. Um den künftigen Bewohnern der Reihenhäuser einen ruhigen Außensitzplatz zu bieten, sind Terrassen auf der Nordseite zur Wohnstraße hin geplant. Zur Südwestseite, also Richtung Bahntrasse und Gewerbegebiet, werden sie mit Wintergärten ausgestattet.

"Wir können durch die Lärmschutzfestsetzungen gesunde Wohnverhältnisse garantieren", sagte Klaus Koch. Marcus Odorfer, Geschäftsführer der MD Bau & Projekt GmbH, betonte indes gegenüber unserer Redaktion, dass das künftige Wohngebiet tatsächlich überhaupt nicht von Lärm betroffen sei. Seinen Worten nach schirmen die Gebäude des Gewerbebetriebs das neue Quartier gegenüber Lärm von der Bahntrasse ab. "Es handelt sich lediglich um errechnete Werte. Dabei ist der Lärmschutzgutachter von einer Situation ausgegangen, die es so in der Realität nicht gibt. Er hat seine Berechnungen so angestellt, als ob es die Gebäude des Gewerbebetriebs nicht gäbe. Und das vor dem Hintergrund, dass der Gewerbebetrieb sein Areal in mehreren Jahrzehnten vielleicht mal aufgeben könnte."

Während das Gesundheitsamt laut Koch noch um weitere detaillierte Festsetzungen und Formulierungen bezüglich des Schallschutzes gebeten hat, schlägt der Burglesumer Fachausschuss in seinem Beschluss zusätzlich Schall-absorbierende Fassaden an den Gebäudelücken zwischen den Reihenhäusern vor. Nach Willen der Ausschussmitglieder soll überprüft werden, ob Schallreflexionen so gemindert werden können.

Die Erschließung des Areals ist über die Friedensheimer Straße und eine neue Zufahrtsstraße geplant, die in einem Wendehammer mündet. Dazu entstehen schmale Privatwege. Der überarbeitete Entwurf des neuen Bebauungsplans beinhaltet zudem die Option für einen öffentlichen Fuß- und Radweg in Richtung Bahnlinie. Sie sei für den Fall geschaffen worden, dass der Gewerbebetrieb irgendwann sein jetziges Gelände verlassen sollte, erläuterte Koch. Diskussionen gab es in den vergangenen zwei Jahren und auch jetzt in der Ausschusssitzung über die Anzahl von Stellplätzen. „Während die Verkehrsabteilung weniger Stellplätze im öffentlichen Raum gefordert hat, möchte der Beitrat mehr Stellplätze“, schilderte Koch.

Der Ausschuss hat den Beiratsbeschluss vom Mai 2019 diesbezüglich noch einmal bekräftigt und erwartet, „entgegen anderer Stellungnahmen“, die Errichtung von mindestens 25 Prozent der Stellplätze im öffentlichen Straßenraum. Darüber hinaus müsse sichergestellt werden, dass zusätzliche Stellplätze an den Reihen- und Einfamilienhäuser im Bereich der Bauzone errichtet werden können, so der Ausschuss.

Info

Zur Sache

Baugebiet an der Friedensheimer Straße

Nach eigenen Angaben investiert das Unternehmen MD Bau & Projekt GmbH inklusive der Kosten für die Erschließung des Areals insgesamt circa 23,9 Millionen Euro in den "Wohnpark Friedensheimer Straße". Nach Angaben von Geschäftsführer Marcus Odorfer werden 21,4 Millionen Euro in Bauten investiert. Es entstehen etwa 100 Wohneinheiten. Geplant sind 14 Einfamilienhäuser, 21 Reihenhäuser und sechs Mehrfamilienhäuser. Auf einem Teil des Areals an der Friedensheimer Straße, für das bereits ein gültiger Bebauungsplan existiert, wurde bereits mit dem Bau erster Gebäude begonnen.

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