Findorffer zeigen sich frustiert

Am Ende der Geduld

In Findorff will man den Freimarkt zwar behalten, wäre den zusätzlichen Verkehr aber gerne los. Auf der Beiratssitzung machten die Anwohner ihren Ärger über fehlende Konzepte und Kontrollen mehr als deutlich.
28.11.2018, 17:48
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Anke Velten
Am Ende der Geduld

In der Findorfallee entlang des Torfkanals nutzten Freimarktsbesucher jede freie Stelle als Parkplatz, ob erlaubt oder nicht.

Frank Thomas Koch

Der Ärger ist mittlerweile so laut, dass man ihn endlich auch im Rathaus hören soll. Die Findorffer fordern Akutmaßnahmen für Großveranstaltungen auf der Bürgerweide, die schon bei der nächsten Gelegenheit umgesetzt werden sollen. Parallel sollen Verantwortliche, Entscheidungsträger und Betroffene einen Arbeitskreis bilden, der sich ein gutes und nachhaltiges Verkehrskonzept zur Entlastung des Quartiers ausdenkt. „Wir sind an einem Punkt, an dem es einfach nicht mehr so weitergehen kann“, erklärte Sprecherin Gönül Bredehorst (SPD) zum Auftakt der öffentlichen Beiratssitzung am Dienstag.

Die Findorffer Fraktionen von SPD und Grünen hatten im Vorfeld entsprechende Anträge eingebracht, auf die man sich ohne Hin und Her schnell einigte. Die Bürgerinnen und Bürger machten deutlich, wie sehr ihnen das Thema unter den Nägeln brennt: Die Mensa der Grundschule an der Admiralstraße war bis auf den letzten provisorischen Sitzplatz gefüllt. Der angefragte Vertreter des Amt für Straßen und Verkehr hatte sich entschuldigen lassen. Mit Aufmerksamkeit verfolgt wurde die Diskussion dafür von den Bürgerschaftsmitgliedern Ralph Saxe und Matthias Güldner (Grüne) sowie Sozialdemokrat Dieter Reinken.

Strafticket billiger als Zugticket

Viele Anwohner der Wohnstraßen rund um die Bürgerweide nutzten die Gelegenheit, ihre Beobachtungen zu schildern, ihr Leid zu klagen und ihren Unmut zu äußern. Sie haben die Verkehrsprobleme in den diesjährigen Freimarktswochen als schlimmer denn je wahrgenommen. Massiv gestiegen sei die Zahl der Autos, die möglichst dicht an der Bürgerweide parken wollten. Vor allem an den Wochenenden sei die Situation „eskaliert“, hieß es. Von der Umkehrung der Einbahnstraßen, die in den Vorjahren zumindest einen Teil der auswärtigen Fahrzeuge davon abgehalten hatte, von der Findorffstraße in die kleinen Wohnstraßen einzubiegen, hatte das Amt für Straßen und Verkehr abgesehen – aus Gründen, die auch im Beirat nicht allgemein nachvollziehbar waren. Schilder, die die Zufahrt in die Straßen nur für Anwohner gestatteten – „ein Witz“, so ein Findorffer. Absolute Halteverbote – „interessieren niemanden“, wusste eine Bewohnerin der Brandtstraße: Darauf angesprochen habe ihr ein Fahrer erklärt, ein 30-Euro-Strafticket sei „ billiger als die Zugfahrt für seine Fahrgemeinschaft“. Holzpoller am Weidedamm: „Einfach umgefahren und in den Torfkanal gekippt“, hatte ein Anwohner beobachtet. „Ich habe noch nie so viele Autos im Bürgerpark gesehen“, berichtete die Bürgervereins-Vorsitzende Birgit Busch. Die Fahrzeuge hatten nicht nur dicht an dicht entlang des unbefestigten Torfkanal-Ufers geparkt, sondern blockierten auch die kleine Zufahrtsstraße zum Café am Emmasee.

Kritik gab es auch an der mangelnden Verkehrsüberwachung. „Niemand tut etwas, das nervt wirklich“, berichtete ein Bewohner der Buddestraße. Es sei eher weniger kontrolliert und abgeschleppt worden als in den Vorjahren, bestätigte eine Anwohnerin der Brandtstraße. Sie forderte „ein rigoroses Durchgreifen, keine Pillepalle-Maßnahmen.“ Seit fast zwanzig Jahren versuche er, die Politik zum Eingreifen zu bewegen, erklärte ein Findorffer, der seit 38 Jahren an der Goesselstraße lebt, und schimpfte: „Seitdem ist nichts passiert. Der Verkehrssenator kümmert sich nicht, und die Nicht-Kontrolle der Polizei ist skandalös.“ Allerdings ist der Geduldsfaden noch nicht generell so weit gerissen, dass die Nachbarn den Freimarkt lieber irgendwo anders sehen möchten. „Der Freimarkt gehört hierhin“, betonte eine Anwohnerin.

Sofortprogramm gefordert

Um zu verhindern, dass sich die Probleme bei der nächsten Großveranstaltung wiederholen, fordert der Findorffer Beirat vom Senat ein Sofortprogramm zum Schutz der anliegenden Quartiere und des Bürgerparks, das spätestens zur Osterwiese 2019 umgesetzt sein soll. Neben effektiven verkehrslenkenden und –sperrenden Maßnahmen sollen neue Park & Ride-Flächen und attraktivere Angebote der öffentlichen Transportmittel umgesetzt und vor allem deutlich in Bremens Einzugsbereich kommuniziert werden. Außerdem fordern die Findorffer die personelle Aufstockung der Einsatzkräfte von Polizei und Ordnungsdiensten, damit Verkehrskontrollen „massiv“ verstärkt und Verstöße „konsequent“ geahndet werden.

Gleichzeitig soll ein Arbeitskreis „Verkehrskonzept Bürgerweide“ eingerichtet werden, der aus Vertretern von Bau-, Innen- und Wirtschaftssenator, der Brepark, Messegesellschaft, Bsag, Swb, Beirat und Bürgern gebildet werden soll. Das Gremium soll gemeinsam Zukunftslösungen für das dicht besiedelte und auch im normalen Alltag zugeparkte Quartier entwickeln.

An Initiativen und Aktionen aus dem Stadtteil hatte es in den vergangenen Jahren nicht gemangelt. Mit dem Workshop, den der Findorffer Beirat vor drei Jahren organisiert hatte, dem Studentenprojekt des Fachbereichs Städtebau und Verkehrswesen der Hochschule Bremen, der Ortsbegehung mit Baustaatsrat Jens Deutschendorf im vergangenen Jahr, der Gründung einer Bürgerinitiative, zahllosen Diskussionen, Informationsveranstaltungen, Ausschuss- und Beiratssitzungen war man Verbesserungen bislang keinen Meter näher gekommen. „Es ist gut, dass es jetzt so eskaliert ist“, vermutete Vivienne Otto, Vertreterin der „Bürgerinitiative Bürgerweide“: „Vielleicht passiert nun endlich etwas.“

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+