Bremen-Weidedamm Auch im Alter fit bleiben

Ernährungsexpertin Helga Strube gibt beim „Verbraucherdialog“ gesunde Tipps für den Alltag
07.07.2018, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Anke Velten

Weidedamm. Mit zunehmendem Alter wird es immer wichtiger, auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung zu achten. Doch das geht meist ohne große Umstellung und ohne kostspielige Ergänzungsmittel: Denn viele klassische Gerichte enthalten von Haus aus eine optimale Nährstoffkombination. Das war das Fazit, das die rund 25 Findorfferinnen – und eine Handvoll Findorffer – vom Vortrag im Gemeindezentrum der Martin-Luther-Kirche mitnehmen konnten. Die Bremer Gesundheitssenatorin hatte zum „Verbraucherdialog im Quartier“ eingeladen. Helga Strube, ernährungsmedizinische Beraterin aus dem Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie (BIPS), konzentrierte sich in ihrem Vortrag auf die Frage, wie sich eine gute Ernährung auf Fitness und Agilität im Alter auswirkt. Konkret: Wie sich damit Stürze verhindern lassen.

Denn gerade die Sturzprophylaxe liegt Medizinern besonders auf dem Herzen: Statistiken des Robert-Koch-Instituts besagten, dass ein Drittel aller Menschen ab dem Alter von 65 Jahren einmal im Jahr einen Sturz erleben, erklärte Helga Strube. Ab dem Alter von 80 Jahren sei es bereits jeder Zweite. 120 000 Bundesbürger pro Jahr erlitten als Folge des Sturzes einen Oberschenkelhalsbruch. Bei 20 bis 30 Prozent beeinträchtige der Sturz nachhaltig die Mobilität. Konsequenzen können schlimmstenfalls der Verlust der Selbstständigkeit, Pflegebedürftigkeit, eine Heimeinweisung und die damit verbundenen Kosten für das Gesundheitswesen sein, so die Ernährungsexpertin: „Nicht nur die Knochen brechen, sondern auch das Selbstvertrauen.“ Neben „äußerlichen“ Ursachen für die Stürze – also konkrete Stolperfallen in der Wohnung oder ungeeignetes Schuhwerk – können auch „innere“ Ursachen verantwortlich sein. Und einige davon - wie Muskeldefizite, Osteoporose, Gleichgewichtsstörungen – ließen sich durch den Lebensstil positiv beeinflussen, wie Strube erklärte. Bei der Ernährung im Alter laute das Motto: Qualität statt Quantität. „Der Energiebedarf sinkt, doch der Nährstoffbedarf steigt.“

Ausreichend Flüssigkeit zuführen

Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr von täglich rund eineinhalb Litern ist laut Strube ein wichtiger Baustein des altersgerechten Ernährungskonzeptes. „Dehydratation kann Schwindel verursachen, der wiederum die Sturzgefahr vergrößert“, so die Expertin. Das Bremer Leitungswasser sei als Versorgungsquelle fast optimal. Wer allerdings auf eine zusätzliche Kalzium-Zufuhr achten müsse, könne seinem Körper durch Mineralwasser mit besonders hohem Kalziumgehalt Gutes tun. „Das müssen nicht die teuersten Mineralwasser sein“, betonte Strube.
In der Osteoporose-Prävention spielt Kalzium eine wichtige Rolle. „Gute Kalziumquellen sind Milchprodukte, Gemüsesorten wie Grünkohl, Fenchel und Brokkoli, sowie Hartkäsesorten wie Parmesan, Emmentaler und Gouda“, erklärte die Ernährungsberaterin. Da das „Sonnenvitamin“ D im Alter schlechter über die Haut aufgenommen werde, sollte wöchentlich ein bis zwei Mal fetter Seefisch auf den Tisch kommen. In Kombination mit täglicher Bewegung an der frischen Luft dürfte in den meisten Fällen der Vitaminbedarf gestillt sein, so Strube. Grundsätzlich gelte: „Vitamin D-Mangel ist nicht so verbreitet, wie uns die Werbung glauben machen will.“ Wer sicher gehen wolle, sollte dazu Hausarzt und Hausärztin konsultieren, und nicht „auf Verdacht“ freiverkäufliche Präparate einnehmen.

Wer sich dafür interessiert, wird heutzutage mit guten Empfehlungen zum Thema gesunder Ernährung geradezu überfüttert. Doch nicht selten sind die Ratschläge widersprüchlich, und manches, was noch vor einigen Jahren empfohlen wurde, gilt mittlerweile als überholt: so die Warnung vor Hühnereiern oder Fetten. Stand der Wissenschaft sei allerdings, dass der Eiweißbedarf älterer Menschen höher sei als bislang angenommen. „Ab dem Alter von 50 Jahren verlieren wir 20 bis 50 Prozent an Muskelmasse“., erklärte Strube. „Diese sogenannte „Sarkopenie“ – ist seit einigen Jahren ein wichtiges Thema für die Wissenschaft.“ Umso wichtiger sei mit fortschreitendem Alter eine höhere Eiweißzufuhr – am besten mit jeder Mahlzeit.

Täglich Tofu

Beim Verzehr von Fleisch und Wurst empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) nicht mehr als 300 bis 600 Gramm pro Woche. Milch und Milchprodukte, aber auch pflanzliche Eiweißlieferanten wie Hülsenfrüchte, Haferflocken, Vollkornbrot oder Tofu sollten dafür täglich auf dem Speiseplan stehen. Am besten können die Proteine in bestimmten Kombinationen vom Körper verwertet werden: Kartoffeln und Quark, Kartoffelauflauf mit Käse, Bauernomeletts, Haferflockenbrei und Müsli, Linsensuppe, Bohnen- oder Erbseneintopf sind nach Aussage von Helga Strube gute Beispiele für traditionelle “Proteinbomben”.

Wer täglich eine warme Mahlzeit selbst koche, könne die Ernährungsregeln ganz unkompliziert und mit Genuss umsetzen. Auf Nachfrage erklärte die Ernährungsexpertin, dass aber auch gegen Essensbringdienste oder Heimküchen, die immer mehr ältere Menschen versorgen, nichts einzuwenden sei: Viele davon arbeiteten nach den Regeln der DGE oder seien entsprechend zertifiziert.

Der „Verbraucherdialog im Quartier“ ist eine Veranstaltungsreihe der Bremer Senatorin für Wissenschaft, Gesundheit und Verbraucherschutz. Zum Auftakt des Bremer Vortrags hatte Senatorin Eva Quante-Brandt persönliche Worte an das Findorffer Publikum gerichtet. Sie erklärte, dass die Veranstaltungsreihe „Verbraucherdialoge“ ein Baustein der neuen verbraucherpolitischen Strategie sei. Ziel sei es die Menschen in ihrem Lebensumfeld besser zu erreichen und zielgruppenspezifische, verbraucherrelevante Informationen für Kinder, Jugendliche sowie Seniorinnen und Senioren anschaulich zu vermitteln.

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