Aufenthaltsorte für Obdachlose Konstruktive Lösungen statt Verdrängung gefordert

Klar definierte Aufenthaltsorte und Toleranzräume für wohnungslose Menschen fordert der Sozialausschuss des Beirats Findorff. Damit unterstützt er einen Vorstoß der Linken-Fraktion.
28.01.2021, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Anke Velten

Der Findorffer Beirat fordert den Senat auf, ressortübergreifend klar definierte Aufenthaltsorte und Toleranzräume für wohnungslose Menschen anzubieten und Treffpunkte für Jugendliche zu schaffen. Statt einer Verdrängung von der Bürgerweide sei eine konstruktive Lösung erforderlich, die auch die genannten Personengruppen und die entsprechenden Netzwerkpartner einbinde.

Der Findorffer Sozialausschuss folgte mit diesen Forderungen einstimmig dem Antrag der Linken-Fraktion. Der Bremer Polizei macht rund um den Hauptbahnhof vor allem die Entwicklung in der Drogenszene Sorge. Auch von dieser Seite weiß man: Verdrängung ist keine nachhaltige Lösung.

Schutz der Mitarbeiter

Die Beiratsfraktion der Linken hatte das Thema bereits im November auf die Tagesordnung gebracht, nachdem Mitglieder mit Verwunderung beobachtet hatten, dass die ÖVB-Arena und die Messehallen auf der Bürgerweide weiträumig mit hohen Zäunen abgesperrt worden waren. Ihre Befürchtung: Wohnungslose Menschen sollten mit dieser Maßnahme daran gehindert werden, das Umfeld der Messehallen als Aufenthaltsort und Übernachtungsmöglichkeit zu nutzen.

Im Rahmen der Sitzung vom 24. November waren dazu Vertreter der Messe Bremen eingeladen worden. Sie lieferten als Begründungen die Verantwortung dem Eigentum der Stadt Bremen gegenüber, sowie den Schutz der eigenen Mitarbeiterschaft. Geschäftsführer Hans Peter Schneider berichtete von zunehmendem Vandalismus rund um die Gebäude.

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Betriebsrätin Anja Rickmeier erläuterte, dass das Sicherheitsgefühl der Belegschaft stark eingeschränkt sei: Sie wusste von Mitarbeiterinnen, die auf ihrem Weg zum Bahnhof oder zum parkenden Auto bedrängt wurden, von Fällen sexueller Belästigung und vom Parkhaus, das inzwischen als Angstraum wahrgenommen werde. Ursächlich dafür sei die Pandemie, vermutete der Messe-Chef: Viele der üblichen einschlägigen Aufenthaltsorte und Hilfsangebote seien aktuell geschlossen.

Statt Messebesuchern, Veranstaltungsgästen und Zuliefererverkehr, die das Gelände in Normalzeiten beleben, habe sich die leere Fläche zum Treffpunkt ganz unterschiedlicher Gruppen entwickelt, hieß es seinerzeit. Mittlerweile habe sich die Situation beruhigt, meldet die Messe Bremen. Das neue Impfzentrum sorge für eine Belebung der Bürgerweide, die Zäune wurden abgebaut.

Beschwerden rund um den Messebereich zuletzt im November

Aktuell seien der Bremer Polizei keine Beschwerdelagen bekannt. Zuletzt sei es im November zu Beschwerden rund um den Messebereich und die Bürgerweide gekommen, bestätigt Polizeisprecherin Franka Haedke. Dennoch habe die Wahrnehmbarkeit der Szenen im öffentlichen Raum zugenommen, so Haedke. Die polizeiliche Präsenz sei im Bereich des Bahnhof-Nordausganges erhöht worden, wo es wiederkehrend zu Beschwerden „zum Verhalten von Angehörigen der dortigen Szenegruppen“ komme. In der kalten Jahreszeit nehme grundsätzlich der Druck auf öffentlich zugängliche Gebäude zu.

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Seit 2018 verfolge die Stadt mit der „Sicherheitspartnerschaft Hauptbahnhof“ die Strategie, „Menschen in prekären Lebenslagen dezentrale und bedarfsgerechte Angebote zu machen und damit gleichzeitig den öffentlichen Raum zu entlasten“, erklärt
Haedke. „Die betroffenen Menschen haben unterschiedliche Bedürfnisse, und die meisten verhalten sich unauffällig und angepasst.“

Im Bereich der Drogenszene würden indes zurzeit vermehrt aggressive Drogenkonsumenten registriert, zudem berichteten auch Netzwerkpartner, dass sich die Gesundheitszustände in der Szene verschlechtert hätten. „Dies dürfte mit der Etablierung von Crack in der Szene zusammenhängen“, so Haedke. Die verstärkte polizeiliche Präsenz an den neuralgischen Punkten zeige wohl Wirkung, sei aber sicherlich keine befriedigende Antwort. „Die Menschen hören deshalb nicht damit auf, Betäubungsmittel zu konsumieren“.

Akzeptanz für Drogenraum

Statt einer räumlichen Verdrängung sei es daher „wichtig, dass sich der Drogenkonsumraum zu einem für die Suchtkranken akzeptierten, attraktiven Ort entwickelt“, betont die Polizeisprecherin. Bei der im vergangenen Jahr eröffneten Stelle an der Friedrich-Rauer-Straße handele es sich um einen provisorischen Drogenkonsumraum, der nicht die gleichen Effekte erzielen könne wie eine ausgebaute Einrichtung mit weiteren Angeboten zum Aufenthalt.

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Von Abhängigen, die Crack konsumieren, werde er wenig angenommen. „Die Angebote und Aufenthaltsmöglichkeiten müssen an einem für die abhängigen Menschen und die Stadt akzeptierten Ort ausgebaut werden“, plädiert Haedke. „Wenn diese Maßnahmen umgesetzt sind, werden sich die dargestellten Konflikte reduzieren.“

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