Parkraum-Analyse vorgestellt

Zu wenig Platz für Fußgänger in Findorffer Wohnquartier

In 19 Straßenabschnitten zwischen Admiralstraße und Bahndamm ist das aufgesetzte Parken gestattet, in anderen wird oft ordnungswidrig geparkt. Für Fußgänger bedeutet das: vom Gehweg auf die Straße ausweichen.
12.11.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Anke Velten
Zu wenig Platz für Fußgänger in Findorffer Wohnquartier

Im Gebiet zwischen Admiralstraße und Bahndamm ist es laut einer Untersuchung zu eng – in der Andreestraße bleibt oft nur das Ausweichen aufs Kopfsteinpflaster.

Roland Scheitz

Das Wohnquartier zwischen Findorffstraße, Hemmstraße, Eickedorffer- und Admiralstraße könnte Findorffs erstes Bewohnerparkgebiet werden. Das benachbarte Gebiet zwischen Admiralstraße und Bahndamm liegt fast ebenso nah an der Bürgerweide, und die Problematik dürfte vergleichbar sein. Es wäre also nur logisch, auch dieses Quartier in die Planung mit einzuschließen: Mit dieser Argumentation beauftragte die Stadt vor einigen Monaten ein Verkehrsgutachten.

Nun sind die Ergebnisse der Straßenraumuntersuchung angekommen, und wurden dem Findorffer Bauausschuss vorgestellt. Fazit: Es gibt teils erhebliche Unterschiede zwischen den beiden Gebieten. Ob sich daraus ein Votum für die Ausweitung des Bewohnerparkgebiets ableiten lässt, muss noch geprüft werden. Doch eine Erkenntnis steht bereits im Raum: Auch in diesem Quartier gibt es Bedarf und Potenzial für Verbesserungen.

Lesen Sie auch

Der Auftrag war an Markus Otten gegangen. Der Diplomingenieur für Verkehrswesen und Städtebau hatte bereits im vergangenen Herbst eine Parkraum-Analyse für das erste Untersuchungsgebiet vorgelegt. Seine Planungswerkstatt „BMO – Stadt und Verkehr“ hatte im Auftrag des Beirats das Parkverhalten entlang von 12,5 Straßenkilometer im Bereich zwischen Findorffstraße und Hemmstraße, Eickedorfer und Admiralstraße systematisch untersucht. Am Mittwoch erklärte Otten dem Ausschuss nun die Zahlen, Daten und Fakten, die sich beim Folgeauftrag ergeben haben. An zwei Wochentagen Mitte Juli untersuchte das Gutachterteam bei insgesamt sechs Befahrungen zur Tages- und zur Nachtzeit, wie, wo, wann und von wem in den Straßen südwestlich der Admiralstraße geparkt wird.

In dem Untersuchungsgebiet inklusive der Plantage sind 586 Pkw gemeldet – davon 67 gewerbliche – sowie insgesamt 186 Motorräder, Roller, Nutzfahrzeuge und Anhänger. Aus diesen Daten des Kraftfahrtbundesamtes ergibt sich laut Otten ein Bedarf von insgesamt 604 Stellplätzen. Zur Verfügung stehen in den Wohnstraßen selbst sowie an den angrenzenden Straßenseiten der Admiral- und der Hemmstraße 533 Parkstände, die der Straßenverkehrsordnung entsprechen.

Die Analyse ergab, dass das Angebot in den Straßen zu keiner Tages- und Nachtzeit voll ausgelastet ist. Selbst zur Spitzen-Parkzeit um 23 Uhr zählten die Gutachter nur 490 belegte Plätze. Im Durchschnitt – und mit einigen Ausreißern in einzelnen Wohnstraßen – waren die Stellplätze zu 92 Prozent belegt. Jede Menge freier Parkraum wurde im Bereich der Plantage festgestellt, die nachts nur zu 32 Prozent belegt war.

Aufgesetztes Parken verengt Fußweg

Auswärtige Pkw spielen im ruhenden Verkehr des Quartiers offenbar keine große Rolle: Die Gutachter zählten nachts 73 ortsfremde Kennzeichen – nicht aufgeschlüsselt war dabei, wie viele davon Anwohnern gehören. Dennoch, so Otten, eine geringe Quote. Unterm Strich: „Das Gebiet wird durch die Plantage erheblich entlastet.“ Dieses Potenzial könnte allerdings genutzt werden, um im Wohnquartier selbst mehr Platz für Fußgänger zu schaffen, regte er an.

In insgesamt 19 Straßenabschnitten ist das aufgesetzte Parken durch eine entsprechende Beschilderung gestattet, in anderen wird komplett oder teilweise ordnungswidrig aufgesetzt geparkt. Grundsätzlich wurden aber in vielen Bereichen zu geringe Rest-Gehwegbreiten gemessen.

Lesen Sie auch

Mitunter blieb nur ein knapper Meter für die Fußgänger. „Dies könnte vermieden werden, wenn die vorhandenen Kapazitäten umorganisiert würden“, so Otten. Im Sinne der Barrierefreiheit sei das Zuparken der Gehwege nicht zu tolerieren, bestätigte Ausschusssprecher Ulf Jacob

Während im Hulsberg-Quartier bereits vor Kurzem das Bewohnerparksystem eingeführt wurde, steht man in Findorff noch am Anfang. Die Verkehrsgutachten dienen als Voraussetzung und als Grundlage für die Erstellung eines Betriebsplans, der im Detail ausarbeitet, wie das Projekt praktisch umgesetzt werden könnte.

Beirat und Bürger werden einbezogen

Aktuell werde der Auftrag vorbereitet, und das Vorliegen des Betriebsplanes werde für Februar oder März erwartet, erklärte auf Nachfrage Thomas Kirpal, zuständig für Mobilitätsmanagement und Verkehrsentwicklung im Bremer Verkehrsressort. Anfang des kommenden Jahres soll der Beteiligungsprozess starten, in den auch Beirat und Bürger einbezogen werden.

Rund 30 interessierte Bürger hatten sich der Sitzung zugeschaltet, die das Ortsamt West als Videokonferenz organisiert hatte. Deutlich wurde erneut, dass die Meinungen in der betroffenen Nachbarschaft gespalten sind. So sieht Eckhard Hansen in den Plänen keinerlei Vorteil für die Anwohner: Der Stadt gehe es nicht darum, es ihnen leichter zu machen, einen Parkplatz zu finden, sondern vielmehr um die Reduzierung des ruhenden Verkehrs, kritisierte der Anwohner der Andreestraße. Das, so Hansen, sei „nicht die Intention des Gesetzgebers“.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+