Engpass beim Pflegedienst Gemeinsam gegen das Virus mit Handarbeit

Momentan gibt es einen Mangel an medizinischer Schutzkleidung. Weil sich Findorffer Pflegekräfte um die Gesundheit von Patienten und Kollegen sorgen, rufen sie Freiwillige zum Nähen von Behelfsmasken auf.
06.04.2020, 05:54
Lesedauer: 2 Min
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Von Anke Velten

Auf der ganzen Welt ist medizinische Schutzkleidung zurzeit teuer gehandelte Mangelware. Von diesem akuten Notstand ist auch der Findorffer Pflege- und Sozialdienst AKS betroffen. Weil regulärer Nachschub nicht in Sicht, und die Sorge um die Gesundheit von Mitarbeitern und Patienten enorm ist, setzt das Team nun auf die Unterstützung seiner Mitbürger. Konkret heißt das: Alle, die mit einer Nähmaschine umgehen können, sind aufgerufen, Behelfsmasken zu nähen.

Entsprechende Anleitungen sind seit einigen Tagen im Umlauf, und schon jetzt seien die Rückmeldungen erfreulich, heißt es von den Initiatoren. Doch um den Bedarf zu decken, werden die Pflegekräfte bis auf Weiteres dringend auf private Handarbeit angewiesen sein, erklären die Geschäftsführer Ronald Meißner und Simone Walter. Die 110 Mitarbeiter des Pflegedienstes mit Sitz im Jan-Reiners-Center an der Hemmstraße 240 versorgen stadtweit rund 500 pflegebedürftige Menschen – allesamt Risikopatienten, die vor einer Infektion besonders geschützt werden müssen. „Unsere Vorräte reichen aber nur noch für weniger als zwei Wochen“, erklärt Meißner zum Thema Schutzkleidung. „Wir glauben auch, ehrlich gesagt, an keine kurzfristige Verbesserung der Situation durch unsere lokale oder Bundespolitik.“ Wenn die ganze Welt darum konkurriere, „warum sollten wir als kleiner mittelständischer Betrieb da Berücksichtigung finden“, fragt er sich. Daher habe man sich entschlossen, die Sache nun selbst in die Hand zu nehmen.

Der Pflegedienst hat sich vor einigen Tagen mit einem Aufruf an die Öffentlichkeit gewendet. Die Findorffer werden darum gebeten, Behelfsmasken für den Pflegedienst zu nähen. „Unsere Handzettel gehen immer sehr schnell weg“, berichtet Geschäftsführerin Simone Walter. Neben vielen privaten Textilproduzenten hat sich zum Beispiel auch die Schneiderei des Theater Bremen bereit erklärt, die Aktion zu unterstützen. Insgesamt werden viele Tausend Stück nötig sein, um Mitarbeiter, Kunden und auch andere Gesundheitseinrichtungen für einige Zeit mit den Behelfsmasken versorgen zu können. Dass die selbst genähten Exemplare kein Ersatz für die professionellen medizinischen Produkte sind, sei auch dem Team bewusst, erklärt Walter: Doch sie seien deutlich besser als nichts. „Wir alle sind müde von den politischen Versprechungen, dass wir in der Pflege mit Schutzkleidung ausgerüstet werden und nicht alleine gelassen werden. Doch bisher ist von dieser Seite keine Hilfe bei uns angekommen“, kritisiert die diplomierte Pflegewirtin. Die Mitarbeiter seien jedenfalls sehr dankbar für die Aktion: „Sie sind entspannter, weil sie merken, dass wirklich etwas passiert.“ Selbstverständlich können die Nähanleitungen auch für den privaten Selbstgebrauch verwendet werden, sagt Walter und äußert eine Bitte: „Klasse wäre es, wenn dabei auch zusätzlich wenigstens ein Exemplar für die Aktion abfällt. Denn jede Maske ist wichtig und hilft bei der Reduzierung der Ausbreitung des Coronavirus.“

Handzettel zur Aktion liegen im Jan-Reiners-Center an der Hemmstraße aus. Etwa im Rewe-Markt, in der Findorff-Apotheke und bei Fin-Netz. Sie können aber auch im Internet unter den Adressen www.finnetz.com und www.pflegedienst-aks.de heruntergeladen werden. Ein Tipp für die Herstellung: Ein Schritt-für-Schritt-Erklärvideo findet sich auf Youtube. Zu finden ist dort eine DIY-Anleitung, die die Stadt Essen hochgeladen hat.

Im Fin-Netz können auch kochfeste Stoffe aus reiner Baumwolle abgegeben werden, die sich für die Verarbeitung eignen – etwa Bettwäsche oder Laken. Das Theater Bremen nimmt Stoffspenden montags bis freitags zwischen 7 und 18 Uhr an der Bühnenpforte an.

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