Aktion gegen Falschparker in Findorff

Auto in Geschenkpapier: Initiative "Platz da" fordert mehr Freiraum

Die Initiative “Platz da” fordert mehr Freiraum für Fußgänger und Radfahrer. Um Fahrzeughalter darauf aufmerksam zu machen, haben Vertreter Autos verpackt. In anderen Städten gibt es Ärger mit Falschparkern.
11.01.2019, 17:43
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Von Anke Velten und Irena Güttel
Auto in Geschenkpapier: Initiative "Platz da" fordert mehr Freiraum

Um Fahrzeughalter auf die Probleme aufmerksam zu machen, haben Vertreter am Freitag Autos verpackt.

Koch

Über diese Überraschung dürfte sich der Halter des dunkelgrauen Kleinwagens vermutlich mäßig gefreut haben: Er fand sein weit in den Gehweg einer Findorffer Wohnstraße abgestelltes Fahrzeug komplett eingewickelt in braunes Packpapier. Dazu gab es die freundliche Ermahnung, künftig auch an Menschen wie Rollstuhlfahrer Malte Halim zu denken, der sich nur mit Mühe seinen Weg bahnen konnte.

Wie sehr Autos den öffentlichen Raum dominieren und blockieren, das ärgert eine Gruppe von Bremerinnen und Bremern so sehr, dass sie sich vor einigen Monaten zur Initiative “Platz da!” zusammengeschlossen haben.

Die Initiative sammelt stadtweit Unterschriften für einen Bürgerantrag, der bessere Rad- und Fußinfrastruktur und ein konsequentes Parkraummanagement für Bremen einfordert, berichtete Sprecher Manuel Warrlich. Außerdem werde man auch weiterhin das Problembewusstsein mit solch kreativ verpackten Aktionen stärken.

Falschparker fallen negativ auf

Die Parksituation ist nicht nur in Bremen ein Problem. Auch im Nachbarbundesland Niedersachsen fallen Falschparker vielerorts negativ auf, wie eine Umfrage ergab. Wer zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs ist, kommt sich in vielen Innenstädten zuweilen wie auf einem Hindernisparcours vor. Dass Falschparker Fuß- und Radwege blockieren, sei in vielen Fällen nicht nur lästig, sagt Wolfgang Köhler-Naumann von der Initiative „Platz da!“ in Bremen. Mit Kinderwagen oder Rollstuhl sei oft kein Durchkommen mehr, für Kinder werde das Überqueren von Straßen zum Risiko.

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In Hannover gibt es ähnliche Probleme mit Falschparkern. Dass Autos Rettungszufahrten zuparkten, komme zwar eher selten vor, sagt Stadtsprecher Udo Möller. Dass Autofahrer Gehwege und andere Flächen wegen fehlender Parkplätze zustellen, nehme dagegen zu. „Eine Ursache dafür, dass sich das Parkplatzproblem verstärkt, ist sicher auch, dass sehr viele der heutigen Fahrzeuge größer sind als noch von etwa zehn Jahren“, sagt Möller. Die Stadt verhängt gegen die Parksünder in der Regel Bußgelder. Abschleppen lässt sie diese nur bei unmittelbarer Gefahr oder wenn diese Rettungswege blockieren. Um das Problem mit den Falschparkern langfristig zu lösen, will die Stadt den öffentlichen Nahverkehr weiter fördern, die Situation für Radfahrer verbessern und die Parkplätze in den Stadtteilen ausbauen.

Bremer Bürgerinitiative fordert Maßnahmen

Im Stadtgebiet Osnabrück werden jährlich zwischen 75.000 und 80.000 Halt- und Parkverstöße festgestellt, wie die Leiterin des Fachbereichs Bürger und Ordnung auf Nachfrage mitteilt. Die tatsächliche Anzahl der Verstöße dürfte deutlich höher sein, sagte Sandra Solf. Falschparker versperrten Rad- und Gehwege und behinderten die Müllabfuhr. Wer erwischt wird, bekomme ein Verfahren wegen einer Ordnungswidrigkeit. Die Zahl der abgeschleppten Autos lag 2018 bei 608. Um Menschen den Umstieg vom Auto oder Fahrrad auf öffentliche Verkehrsmittel zu erleichtern, setzt Osnabrück unter anderem auf Park-and-Ride-Plätze.

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In der Stadt Oldenburg haben Verkehrsordnungswidrigkeiten im ruhenden Verkehr in den vergangenen Jahren zugenommen, wie Stadtsprecher Stephan Onnen mitteilt. Die Zahl stieg von etwa 45.000 Verfahren im Jahr 2012 auf mehr als 63.000 im Jahr 2018. Um Falschparken zu vermeiden, baut die Stadt zum einen das Parkplatzangebot aus. Zum anderen setzt sie auf Carsharing-Angebote. „An 21 Stationen stehen Fahrzeuge zur Kurzzeitmiete zur Verfügung“, so der Sprecher. Zudem sollen das Radwegenetz verbessert und mehr Parkplätze für Fahrräder angeboten werden.

Nach Ansicht der Bremer Bürgerinitiative unternimmt die Politik bisher zu wenig gegen Falschparker. 2014 hatte die Bürgerschaft einen Verkehrsentwicklungsplan verabschiedet, in dem es heißt: „Bremen setzt ein Programm um, bei dem das illegale Parken von Autos erschwert wird und die Fuß- und Rettungswege freigehalten werden.“ Die Politik habe das Problem zwar erkannt, Maßnahmen ließen aber auf sich warten, sagt Köhler-Naumann. Mit dem Bürgerantrag will die Initiative diese nun zum Handeln bringen. Konkret fordert sie: mehr Falschparker abschleppen, mehr Personal für Kontrollen und mehr Investitionen in den Fuß- und Radverkehr.

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