Tagung in Bremen

Behandlung verschiedener Erkrankungen im Fokus der Tagung Neuro

Am kommenden Samstag können sich Betroffene bei der Neuro in Bremen über neue Therapieansätze gegen Parkinson, Multiple Sklerose und chronische Kopfschmerzen informieren.
01.09.2019, 22:06
Lesedauer: 3 Min
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Behandlung verschiedener Erkrankungen im Fokus der Tagung Neuro
Von Sabine Doll
Behandlung verschiedener Erkrankungen im Fokus der Tagung Neuro

Innerhalb einer klinischen Studie wird derzeit die Wirkung von Grüntee-Extrakt auf eine besonders schnell verlaufende Parkinson-Variante untersucht.

Janina Rahn

Morbus Parkinson, Multiple Sklerose, Kopfschmerzen und Migräne – die Behandlung dieser Erkrankungen steht im Mittelpunkt der Tagung Neuro am kommenden Samstag in Bremen. Das Besondere an der Veranstaltung im Congress Center Bremen: Sie richtet sich nicht nur an Fachleute wie Mediziner, Therapeuten und Forscher. Patienten und deren Angehörige können sich in den Vorträgen über den aktuellen Stand der Medizin, neue Therapieansätze sowie aktuelle Studien informieren, wie die Messe Bremen mitteilt.

Alle Vorträge werden deshalb doppelt gehalten, für Fachbesucher und für Laien. Neben der Theorie steht auch die Praxis auf dem Tagungsprogramm: Einige Referenten laden zu Yoga- und Gymnastikübungen ein. Besucher können sich außerdem in einer Industrieausstellung über Hilfsmittel oder Reha-Einrichtungen informieren. Patienteninitiativen sind nach Angaben der Messe Bremen ebenfalls mit Infoständen vor Ort.

Forschung an neuen Therapien mit Hochdruck

An Parkinson leiden in Deutschland etwa 280.000 Menschen. Bei der neurodegenerativen Erkrankung sterben Zellen im Gehirn ab, die den Botenstoff Dopamin produzieren. Das führt zu Störungen im Bewegungsablauf: Bewegungen werden langsamer, Muskeln erstarren oder beginnen, unkontrolliert zu zittern. Neben Demenz ist Parkinson die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung in Deutschland, und nach Angaben der Fachleute steigen die Patientenzahlen. Deshalb wird unter Hochdruck an neuen Therapien geforscht.

Über aktuelle Studien zu Morbus Parkinson informiert der Direktor der Klinik für Neurologie an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), Professor Doktor Günter Höglinger: Zwei dieser Studien befassen sich mit maßgeschneiderten Antikörpern, die Ablagerungen des Proteins Alpha-Synuklein im Gehirn verhindern sollen. Dieser Ansatz wird auch als eine Art Impfung gegen Parkinson beschrieben. Exotisch klingt ein weiteres Forschungsprojekt: Innerhalb einer klinischen Studie gehen Höglinger und sein Team der Wirkung von Grüntee-Extrakt auf eine besonders schnell verlaufende Parkinson-Variante, die sogenannte Multisystematrophie (MSA), nach. „Man weiß schon, dass regelmäßiger Teekonsum das Risiko verringert, an MSA zu erkranken“, betont der Neurologe. In der Studie gehe es nun um die Wirkung auf bereits erkrankte Menschen.

Krankheit der 1000 Gesichter

Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, von der das gesamte Gehirn und das Rückenmark betroffen sein können. Die ­Erkrankung äußert sich in Schüben: Das eigene Immunsystem zerstört Teile der ­Nervenfasern, die an der Weiterleitung von Impulsen beteiligt sind, sowie die Nervenfasern und -zellen selbst. In der Folge kann es zu Lähmungserscheinungen kommen, die Muskeln können nicht mehr richtig koordiniert und oder Sinnessignale nicht korrekt weitergegeben werden. Multiple Sklerose wird auch als „Krankheit der 1000 Gesichter“ bezeichnet.

Der Grund dafür ist, dass es keinen typischen Krankheitsverlauf gibt, bei jedem Patienten ist dieser anders. Zu frühen Anzeichen gehören Störungen der Gefühlswahrnehmung in Beinen und Armen, Unsicherheit beim Gehen, Probleme mit dem Gleichgewicht und Sehstörungen. Später können starke Ermüdung, Schwäche in den Beinen, Kontinenzprobleme, Koordinationsstörungen oder Schmerzen hinzukommen.

MS kann langfristig zu Behinderungen führen

Auch Gedächtnisstörungen und psychische Veränderungen können auftreten, ebenso Muskellähmungen. Langfristig kann MS zu Behinderungen führen. Etwa ein Drittel der Patienten muss nach Angaben der Techniker Krankenkasse deshalb vorzeitig in Rente gehen. Nach Angaben von Fachgesellschaften sind in Deutschland bis zu 150.000 Menschen an MS erkrankt. Die ersten Symptome treten den Angaben zufolge meist zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr auf. Professor Doktor Pawel Kermer vom Nordwest-Krankenhaus in Sande informiert bei der Neuro über allgemeine Therapiemöglichkeiten.

Als weiteren Schwerpunkt hat die Tagung in diesem Jahr die Behandlung von Kopfschmerzen und speziell Migräne in das Programm aufgenommen: „Eine aktuelle Studie des Deutschen Kinderschmerzzentrums zeigt, wie weit chronischer Kopfschmerz bereits unter Schülern ist“, betont Doktor Katja Odin, Neurologie-Chefärztin an der Paracelsus-Klinik Bremen und Mitglied im Programmbeirat der Neuro. Über neue Therapien bei Migräne informiert unter anderem Doktor Andreas Peikert, Neurologe und Regionalbeauftragter der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft. Im Herbst vergangenen Jahres hatte der Bremer Arzt in einem Interview mit dem WESER-KURIER über eine neue Antikörper-Therapie berichtet. Das Medikament soll besonders bei Patienten, die auf andere Mittel nicht gut anschlagen, wirken. Auf der Neuro soll nun über erste Erfahrungen mit dieser Therapie berichtet werden. Peikert berichtet in seinem Vortrag „Richtig leben mit Migräne“ außerdem, was es mit einem sogenannten leidensgerechten Lebensstil auf sich hat.

Weitere Informationen

Die Tagung Neuro und die begleitende Fachausstellung werden am Sonnabend, 7. September, von 9.30 bis 16 Uhr im Congress Center Bremen auf der Bürgerweide veranstaltet. Betroffene zahlen zehn Euro Eintritt, Therapeuten und Pflegende 15 Euro, Ärzte 20 Euro. Das Programm ist auf der Internetseite neuro-bremen.de zu finden.

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