Entwicklung in Findorff

Weißes Blatt Papier für sensibles Gebiet

Was passiert am Torfkanal? Diese Frage war Thema der Videokonferenz des Findorffer Beirats.
19.11.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Anke Velten
Weißes Blatt Papier für sensibles Gebiet

Eine Ausnahme am Torfkanal: Das Grundstück des Bootshauses Bolte gehört nicht der Stadt Bremen.

Roland Scheitz

Was passiert am Torfkanal? Diese Frage dürfte die Mehrheit der zeitweise mehr als 70 Findorfferinnen und Findorffer dazu motiviert haben, sich der Videokonferenz des Findorffer Beirats zuzuschalten. Die Antworten in Kürze: Konkret ist dort zurzeit überhaupt nichts geplant. Wie und in welcher Form sich das Gebiet künftig entwickeln wird, ist noch völlig offen. Doch so viel lässt sich bereits prophezeien: Es wird wohl wieder schwierig, die unterschiedlichen Interessen unter einen Hut zu bringen.

Der rund 7000 Quadratmeter große Streifen zwischen der Straße am Weidedamm und dem Torfkanal geriet wieder in den Blick der Öffentlichkeit, seit im Sommer dieses Jahres bekannt wurde, dass mit der ehemaligen Bootswerft Steinforth ein weiteres prägnantes Stück Findorff verschwindet. Der aktuelle Sachstand ist genau das, was ohnehin von Außen zu sehen ist: Inzwischen ist der Abriss der baufälligen Gebäude vollzogen, zurzeit werden auf dem Gelände Bodenproben entnommen, die auf mögliche Kontaminationen des gewerblich genutzten Grundstücks geprüft werden sollen. Anschließend werde das Gelände eingezäunt, berichtete Gabriele Nießen, Staatsrätin im Senatsressort Klimaschutz, Umwelt, Mobilität, Stadtentwicklung und Wohnungswesen. Mit ihrem Vorstoß, einen neuen Bebauungsplan für das Gebiet zu entwickeln, hatte sich die Stadt vor Jahren die Finger verbrannt. Die Idee, das Torfkanalufer als „Sondergebiet Wassersport“ auszuweisen, war vor 15 Jahren am erheblichen Widerstand der Anwohner gescheitert, die vor ihrer Haustür unzumutbaren Trubel, Lärm und Verkehr befürchteten.

Mit dem Abbruch der alten Werft habe sich nun allerdings eine neue Situation ergeben, so Nießen. Mit Ausnahme des knapp 1800 Quadratmeter großen Areals um das Bootshaus Bolte, das sich in Familienhand befindet, gehören sämtliche Grundstücke zum sogenannten Sondervermögen Infrastruktur der Freien Hansestadt Bremen, das beim Senator für Umwelt, Bauen und Verkehr angesiedelt ist. Aus stadtplanerischer Sicht sei es sinnvoll, dass Gebiet zwischen Torfhafen und Weidedamm in seiner Gesamtheit zu betrachten. Diesmal sollen allerdings die Bürgerinnen und Bürger früher dazu befragt werden, was sie sich dort wünschen – und was auf keinen Fall. Das „weiße Blatt Papier“, von dem die Staatsrätin sprach, könnte für den Bremer Wassersport eine Chance sein. Der Wassersportclub Bremen (WSCB) wünsche sich seit seiner Gründung vor 30 Jahren ein Vereinsheim, berichtete Vereinspräsident Peter Struck. Im Gegenzug könne der Verein dem Stadtteil sportliche Angebote, soziales Engagement, eine „Aufwertung der Optik“ sowie eine Wiederbelebung Findorffer Lokalgeschichte versprechen. Der Torfkanal sei schließlich die „Wiege des Bremer Wassersports“, so Struck.

Die Aussicht auf einen partizipativen Prozess, der im Laufe des kommenden Jahres starten könnte, wurde von Beirat und Bürgern begrüßt. Es handele sich um ein „hochsensibles Gebiet“, formulierte Anwohnerin Frauke Koppelin. Die „Wiederholung der Geschichte“ wurde von den anwesenden Nachbarn dagegen kritisch betrachtet: Das Areal habe sich zwischenzeitlich völlig verändert, Belebung und Wassersport gebe es seit der Sanierung des Torfhafens ohnehin, hieß es. „Es gibt noch keinen Zeitplan, und es ist auch noch viel zu früh, über mögliche Investoren zu sprechen“, so Nießen auf Nachfrage. Die Findorffer müssen geduldig sein: „Ich denke, dass wir im Laufe des kommenden Jahres anfangen können, uns über das weitere Vorgehen zu unterhalten.“

In der Zwischenzeit könne das brachliegende Steinforth-Gelände sinnvoll genutzt werden, findet der Verein Klimazone Findorff. Vereinsvertreter Sven Punke stellte den Konferenzteilnehmern das Konzept für einen Stadtgarten vor, in dem in Pflanzkisten Obst, Gemüse und Pflanzen angebaut werden könnten, und der gemeinschaftlich genutzt werden könne. Wegen der Kurzfristigkeit der Eingabe erbaten sich die Beiratsmitglieder Bedenkzeit, um sich näher mit der Projektidee befassen zu können.

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