Verkehr

Beirat fordert Betriebsplan für Bewohnerparken in Findorff

Bewohnerparken ja oder nein? Da gingen bei der letzten Sitzung des Findorffer Beirats die Ansichten auseinander.
19.12.2019, 08:49
Lesedauer: 3 Min
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Von Anke Velten
Beirat fordert Betriebsplan für Bewohnerparken in Findorff

Feuerwehreinsatz in der Brandtstraße: Nicht immer gibt es ein Durchkommen für die Rettungskräfte, weil geparkte Autos im Weg stehen.

Vivienne Otto

Die Einführung von Bewohnerparken wurde nicht beschlossen. Doch im Rahmen seiner letzten öffentlichen Sitzung des Jahres forderte der Findorffer Stadtteilbeirat die Verkehrsbehörde geschlossen auf, nun mit den entsprechenden Planungen zu beginnen. Erst, wenn ein konkreter „Betriebsplan“ vorliegt und dieser mit der Nachbarschaft besprochen ist, soll endgültig darüber beschieden werden. Ob das neue Verkehrskonzept umgesetzt werden sollte oder nicht: Im gut besetzten Sitzungssaal zeigte sich, dass die Ansichten unter der Anwohnerschaft durchaus gespalten sind.

Die Problematik ist lange bekannt und war bislang Thema ungezählter Beirats- und Ausschusssitzungen. Der Beiratsantrag formuliert es ein weiteres Mal zusammenfassend an die Adresse der zuständigen Stellen. Insbesondere im Ortsteil Bürgerweide seien Verkehrsbelastung und Parkdruck hoch, heißt es darin. Kreuzungs- und Einfahrtsbereiche seien in der Regel so zugestellt, dass Fußgänger und Menschen mit Rollstühlen, Rollatoren oder Kinderwagen sich oft nur eingeschränkt bewegen könnten. Dieser Zustand stelle ein erhebliches Sicherheitsproblem dar, vor allem, wenn Rettungswege blockiert würden und Passanten gezwungen seien, auf die Fahrbahn auszuweichen. Notwendig seien folglich Maßnahmen zur Reduzierung der Verkehrsbelastung sowie zur Verbesserung der Verkehrssicherheit, der Barrierefreiheit und der Aufenthaltsqualität im Quartier.

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In der Einführung von Bewohnerparken und der damit einhergehenden Neuordnung des Parkraums sieht der Beirat eine Lösung, um für geordnete und sichere Verkehrsverhältnisse zu sorgen und den Parkdruck im Quartier zu lindern. Fest steht: Mit dem neuen Bewohnerpark-Konzept werden viele Parkplätze im Quartier wegfallen – sämtliche Stellplätze, auf denen bislang entgegen der Straßenverkehrsordnung geparkt wird. Der Beirat fordert daher die Behörde ausdrücklich auf, Angebote der Kompensation zu machen. Dazu könne neben Carsharing und Nahmobilitätsangeboten auch an ein Quartier-Parkhaus gedacht werden.

Doch nicht alle Anwohner sehen offensichtlich den Bedarf, überhaupt etwas zu ändern. Es sei doch nur eine kleine Gruppe, die die Einführung von Bewohnerparken so vehement fordere, kritisierte eine Anwesende. „Viele Nachbarn“ nähmen die Situation als nicht so schlimm wahr, bestätigte eine Bewohnerin der Timmersloher Straße. Und sie hatte Zahlen parat, wie viele freie Parkplätze sie am Nachmittag und frühen Abend entlang der Herbststraße gezählt hatte. Bettina Rabe von der „Bürgerinitiative Bürgerweide“, die sich für das Bewohnerparkmodell einsetzt, konnte nachvollziehen, dass manche Straßenabschnitte deutlich weniger belastet seien als andere. Doch sie appellierte an die Solidarität der skeptischen Nachbarn: Reale Szenarien, wenn etwa Feuerwehrwagen überhaupt nicht oder nur mit großer Verzögerung zu ihren Einsatzorten kommen, dienten ihr als Mahnung.

Eine Anwohnerin, die sich ebenfalls“ gegen Bewohnerparken” aussprach, prophezeite, dass in den Abendstunden so geparkt werde wie eh und je – sobald die Ordnungskräfte Feierabend hätten und Konsequenzen nicht mehr zu erwarten seien. Ein Nachbar, der sich als unschlüssig bezeichnete, fragte sich, warum nicht schon längst konsequent abgeschleppt werde, wenn Fahrzeuge prekäre Bereiche versperren. Befürchtungen wurden auch geäußert, auf die Fahrzeughalter könnten irgendwann weit höhere Kosten zukommen als die aktuellen 30 Euro jährlicher Verwaltungsgebühr.

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Auf einige der Fragen und Bedenken konnte Markus Otten direkt antworten. Der Verkehrsgutachter hatte im Sommer dieses Jahres die Untersuchung geleitet, die zu dem Schluss gekommen war, dass die Einführung von Bewohnerparken im Karree zwischen Hemmstraße, Findorffstraße, Admiral- und Eickedorfer Straße machbar sei. Otten sprach von einer Zahl von rund 150 Fahrzeugen, die mit der Umsetzung „sicher aus dem Quartier verschwinden“ würden – darunter die 40 Anhänger, die an den Untersuchungstagen gezählt wurden, regelmäßige Parker aus den umliegenden Unternehmen sowie Hotelgäste und Besucher der Bürgerweide. Die neue Regierungskoalition habe sich mit ihrem Vorsatz, sich der Verkehrssituation in den Quartieren anzunehmen, auch vorgenommen, entsprechende Kontrollen zu gewährleisten. Dafür werde der Ordnungsdienst personell von bislang 30 auf 100 Kräfte verstärkt.

Für die einstimmige Verabschiedung des Antrags gab es dennoch großen Beifall im Publikum. Der Beirat hatte sich die Vorbereitung nicht leicht gemacht. „Wir haben den Text ausgiebig besprochen. Alle Fraktionen konnten ihre Beiträge einbringen“, erklärte August Kötter (CDU). Den Befürwortern des Bewohnerparkens war das nicht schnell genug gegangen. Bei der letzten Sitzung Anfang November hatten die Stadtteilpolitiker lautstarke Kritik und sogar Beschimpfungen aushalten müssen (der Stadtteilkurier berichtete). Dafür gab es von Ortsamtsleiterin Ulrike Pala zu Beginn der Sitzung einen klaren Rüffel: „So kann man nicht mit Menschen umgehen, die sich in ihrer Freizeit ehrenamtlich für Sie einsetzen.“ Beiratssprecherin Anja Wohlers wünschte sich, dass die Bürgerinnen und Bürger den weiteren Prozess in einem „friedlichen und fairen Miteinander“ begleiten.

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