Ingrid Kemnade zeigt ihre themenbezogenen Arbeiten bis Ende Juni in der Kleinen Galerie

Bilder voller Zeit-Gefühl

Die Zeit ist eine physikalische Größe und ein Gefühl. Wie sich verlorene, verfliegende oder verschwendete Zeit malerisch darstellen lassen könnte, das beschäftigt die Findorffer Künstlerin Ingrid Kemnade bereits seit Jahren. Ihre Antworten lassen sich zurzeit in der "Kleinen Galerie" in Findorff sehen. Sie sind eine Hommage an die Zeit – und an "DIE ZEIT".
06.06.2013, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Anke Velten
Bilder voller Zeit-Gefühl

Galeristin Helga Busch (links) und Künstlerin Ingrid Kemnade während der Ausstellungseröffnung in der Kleinen Galerie.

Roland Scheitz

Die Zeit ist eine physikalische Größe und ein Gefühl. Wie sich verlorene, verfliegende oder verschwendete Zeit malerisch darstellen lassen könnte, das beschäftigt die Findorffer Künstlerin Ingrid Kemnade bereits seit Jahren. Ihre Antworten lassen sich zurzeit in der "Kleinen Galerie" in Findorff sehen. Sie sind eine Hommage an die Zeit – und an "DIE ZEIT".

Weidedamm. Die Zeit hat keinen Körper und kein Gesicht, also kann man sie nicht malen. Selbstverständlich kann das für die Kunst kein Grund sein, sich nicht dennoch ein Bild davon zu machen. Eines der berühmtesten Beispiele ist die "Zerrinnende Zeit" des spanischen Malers Salvador Dalí, dessen schmelzende Uhren eine Ikone der modernen Kunst geworden sind. Auch die Findorffer Künstlerin Ingrid Kemnade beschäftigt sich bereits seit vielen Jahren mit dem, wie sie sagt, "eigentlich unfassbaren" Thema. Ihre Bilderserie "Über die Zeit" wird zurzeit in der "Kleinen Galerie" der Findorffer Galeristin Helga Busch ausgestellt.

Uhren wird man auf Ingrid Kemnades Bildern übrigens nicht sehen. Für ihre Malerei über die Zeit hat sie ein anderes Symbol gefunden. Das Titellogo der gleichnamigen Wochenzeitschrift taucht immer wieder auf den Bildern auf, wird in verschiedenen Techniken und Farben variiert und vervielfältigt, dominiert die einen in selbstbewussten Majuskeln oder entgleitet auf anderen in zarten Silhouetten – gezeichnet übrigens mit Glasfeder und Stecknadelköpfen.

Eine wohlwollende Antwort

Ganz Wissenschaftlerin fragte die Künstlerin vor der Verwendung des wiedererkennbaren geschützten Schriftzuges vorsichtshalber beim Verlag an und bekam eine wohlwollende Antwort: "Die freuten sich", erzählt Ingrid Kemnade – und die haben auch allen Grund dazu. Falls die Hamburger Redaktion nicht ein Eigeninteresse anmeldet: Die Bilder sind käuflich. Speziell zur Ausstellung hat Ingrid Kemnade auch einen liebevoll gestalteten kleinen Band mit Reproduktionen herausgegeben. Kosten: zehn Euro.

Ausgangspunkt der Bilder sind die Metaphern, durch die sich die Menschen eine Vorstellung von der Zeit machen. Ingrid Kemnade hat zum Beispiel gemalt, wie Zeit verfliegt oder verschwendet wird, wie das Zeitlose erscheinen könnte oder die verlorene Zeit. Entstanden sind dabei nachdenkliche, mysteriöse, mitunter melancholische, aber auch heitere und humorvolle künstlerische Zeit-Empfindungen. Die entsprechenden Bildtitel werden ihre Betrachter allerdings vergeblich suchen: Sie sind eingeladen, sich die kleinen Bilderrätsel selbst zu erklären und sich ihre eigenen Gedanken über ihr Verhältnis zur Zeit zu machen. Denn ein solches hat natürlich jeder Mensch, sagt Ingrid Kemnade: "Wir bewegen uns in der Zeit, die Zeit ist in uns, alles ist Zeit." Das individuelle Zeit-Gefühl kann allerdings ganz verschieden sein und sich auch im Laufe des Lebens ändern, wie die promovierte Pädagogin aus eigener Erfahrung weiß: "Mein Leben lang habe ich nach Zeitplänen gelebt, und beginne erst jetzt, diese Strukturen hinter mir zu lassen und die selbstbestimmte Zeit zu genießen" – und so gesehen lässt sich auch Zeitchaos in fröhlichsten Farben abbilden.

Ingrid Kemnade, Jahrgang 1944, arbeitete vier Jahrzehnte lang im Bremer Bildungsbereich. Seit Ende der 1990er-Jahre beschäftigt sie sich intensiv mit der Malerei und absolvierte ein Weiterbildungsstudium an der Bremer Hochschule für Künste. Ihre eigenen Arbeiten stellt sie seit 2001 aus. In der "Kleinen Galerie" beteiligte sie sich im vergangenen Jahr an der Gemeinschaftsausstellung "Kleine Einfachheiten". Im vergangenen Jahr war das "Spiel mit Linien" im Gröpelinger Lichthaus die bis dato letzte Einzelausstellung.

Die Ausstellung "Über die Zeit" kann bis zum 29. Juni in der Kleinen Galerie an der Eichenberger Straße 62 besucht werden. Öffnungszeiten: Freitags von 15 bis 19 Uhr, sonnabends von 13 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung unter der Telefonnummer 04264/2486. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.helgabusch.de und www.ingridkemnade.de.

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