Vom 31. Januar bis 2. Februar

Das erwartet die Besucher auf der Bremen Classic Motorshow

Ferrari gegen Lambo, Mercedes gegen BMW: Die Bremen Classic Motorshow stellt seit jeher konkurrierende Oldtimer in einer Sonderschau gegenüber. Am Freitag beginnt die Messe für Freunde von Fahrzeugschätzen.
30.01.2020, 22:28
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Von Anke Velten
Das erwartet die Besucher auf der Bremen Classic Motorshow

Mit Autos wie diesem T1 mit starkem Bremenbezug gibt es in diesem Jahr jede Menge Fahrzeugschätze zu entdecken.

Frank Thomas Koch

Manta oder Capri: Das ist hier die Frage. Vokuhila und Moonwashed-Jeans, oder Fönwelle und College-Schuhe? In Halle 5 stehen sie sich gegenüber – stolz, selbstbewusst, herausfordernd. Zwei Autos? Ach was, zwei hochglanzpolierte Rüstungen für das jugendliche Ego der 1980er-Jahre. Auf der Bürgerweide startet an diesem Freitag die Bremen Classic Motorshow (BMC). Drei Tage wird hier alles zelebriert, was Räder hat, und seit mindestens zwanzig Jahren damit herumfährt.

Seit 18 Jahren beginnt mit der BCM die Oldtimersaison. Schätze aus 120 Jahren wurden für die Messe aus dem Winterschlaf geholt. Mehr als 700 Spezialisten aus halb Europa stehen parat, um mit Kennern, Schraubern und Sammlern zu fachsimpeln, historische Zwei- und Vierräder sowie das passende Zubehör zu verkaufen. Aber auch für alle anderen, die sich ganz einfach für all so etwas begeistern können, gibt es viel zu sehen.

Bremen Classic Motorshow -

Auf Hochglanz: In diesem Mercedes sind die Details der Höhepunkt.

Foto: Frank Thomas Koch

„Da hätte ich doch nie die Füße reingesetzt“, sagt Frank Ruge und zeigt auf den senfgelben Manta. „Da wäre ich lieber mit dem Rad gefahren“. Ruge – Jahrgang 1967, erstes eigenes Auto ein gebrauchter Ford Escort – hat sich die „Rivalen“-Ausstellung in Halle 5 ausgedacht und spekuliert darauf, dass es auch dem Publikum so geht: Es werden sich die Geister scheiden, Erinnerungen werden geweckt, Emotionen ausgelöst. „Hier bleibt keiner unberührt“, prophezeit der BCM-Projektleiter.

Überraschende Komplikationen

Motorisierte Kontrahenten gab es in der Automobilgeschichte immer wieder. Stars der 1950er-Jahre hatten etwa die Wahl zwischen den sportlichen Zweisitzern der Marken BMW und Mercedes-Benz. „Leute wie Karajan, Toni Curtis oder Elvis fuhren solche Autos“, sagt Ruge. Kühlerhaube an Kühlerhaube konfrontiert die „Rivalen“-Show auch Luxuslimousinen von Ferrari und Lamborghini. Es sei gar nicht so schwer gewesen, die beiden Edelkarossen aus den 1990ern („über den Wert reden wir besser nicht“) in die Ausstellung zu holen, erzählt Ruge: Der Besitzer kenne die Macher hinter der Bremer Messe, und wisse, dass seine Exponate hier in guten Händen seien.

Überraschend kompliziert sei es dagegen gewesen, den bescheidenen Opel Olympia Rekord aus den frühen 1960er-Jahren zu ergattern. Der erste mögliche Versuch sei gescheitert, weil der Besitzer sich dann doch nicht trennen mochte. „Es war das Auto seines Vaters“, erklärt Ruge. Für den zweiten, erfolgreichen Versuch sei er persönlich zum Vorstellungsgespräch nach Köln gefahren. „Der Olympia war damals eine einfache Familienkutsche, ein Brot-und Butter-Auto“, sagt Ruge. „Aber man sieht daran, wie sehr die Menschen an den Autos hängen.“

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Das älteste Modell auf der diesjährigen BCM dürfte die Victoria aus dem Jahr 1894 sein, der erste Motorwagen auf vier Rädern aus dem Hause Benz & Co. Wie das Berliner Taxi aus den 1920er-Jahren und der formidable, korallenrote Admiral stammt die betagte alte Dame aus der Sammlung des PS Speicher Einbeck.

Die jüngsten Fahrzeuge, die in der Bremer Messe zugelassen werden, haben ihren 20. Geburtstag hinter sich und qualifizieren sich damit für die Kategorie „Youngtimer“. In Halle 6 wartet ein Sortiment solch junger Klassiker – optisch wie neu, frisch TÜV-geprüft und in kaum gefahrenem Originalzustand. Einen Ehrenplatz nimmt in Halle 4 der T4 von VW ein, der vor 30 Jahren seine Karriere als Polizeieinsatzwagen, Rettungsfahrzeug, Campingbus und aufnahmefähiger Transporter begann, und sich nun offiziell als Oldtimer bezeichnen darf. Vor allem bei jungen Leuten mit begrenztem Budget sei der kantige VW-Bus sehr beliebt, sagt Dirk Klöß: Der Bulli-Spezialist aus Gießen wird ihnen während der Messetage bei seinen Workshops alles Wissenswerte zu Kauf und Pflege des T4 erklären.

Zwei originale Tourenwagen

Ein paar Meter weiter hat sich die „Kultblech-Szene“ aufgebaut: Der Meppener Club hatte im vergangenen Jahr den ersten Preis in der Kategorie „originellster Stand“ abgeräumt und ist bestimmt auch diesmal wieder gut im Rennen. Hingucker auf einer überdimensionalen Carrera-Bahn sind zwei originale Tourenwagen-Legenden – darunter der Mercedes, mit dem „König“ Klaus Ludwig im Jahr 1992 deutscher Tourenwagen-Meister wurde, sagt „Kultblech“-Mitglied Bernd Ramler.

Seit 70 Jahren ist man mit Motorrollern auf deutschen Straßen stilvoll unterwegs. Die Sonderausstellung in Halle 1 führt von zurück in die Zeiten von Stödemann Fibs, Sibylle und Bella – und blickt direkt in die Zukunft. Der Prototyp für das futuristische BMW-Modell Concept Link wird zum ersten Mal überhaupt in Deutschland ausgestellt, sagen die Veranstalter.

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Ihre Premiere feiert auf der aktuellen BCM auch die „Classic Custom Motorcycle Lounge“, in der 40 Motorräder gezeigt werden, die es so nirgendwo zu kaufen gibt. René Tollkühn hat seine gold- und chromglänzende Seeley Honda mitgebracht – ein Modell, das Mitte der 1970er-Jahre nur in knapp mehr als 300 Exemplaren produziert wurde, erzählt der „Cafe-Racer“ aus Petersfehn. Vier Jahre lang habe er an seiner Maschine herumgeschraubt, bis kaum noch etwas vom Original übrig war außer dem legendären Rahmen.

Alt genug müssen die historischen Fahrzeuge sein, aber ein Motor ist für die Teilnahme an der Motorshow gar nicht Voraussetzung, wie im Foyer der Halle 1 zu sehen ist. Hier präsentiert Wolfgang Hagemann acht ausgewählte Rennräder der Marke Cinelli. Zuhause in Cloppenburg haben sich in den vergangenen 20 Jahren mindestens 50 weitere Designerstücke angesammelt. Die Besucher sollten vor allem das Modell Cinelli Laser mit Ehrfurcht betrachten: Das handgefertigte Rennrad von 1986 wurde in einer winzigen Auflage hergestellt und gilt in Kennerkreisen als „Blaue Mauritius“ unter den Zweirädern.

Info

Zur Sache

Noch mehr Infos zur Messe

Von Freitag, 31. Januar, bis Sonntag, 2. Februar 2020, 9 bis 18 Uhr, läuft die Bremen Classic Motorshow in allen Hallen der Messe Bremen sowie in der mobilen Halle 8. Eintrittskarten kosten 16 Euro, mit Ermäßigung 14 Euro, das Zweitages-Ticket kostet 24 Euro. Günstiger ist der Besuch am Freitag ab 15 Uhr mit dem „Feierabend-Ticket“ für acht Euro. Die Tickets sind direkt an der Bürgerweide erhältlich oder im Vorverkauf über www.nordwest-ticket.de. Eine besondere Vergünstigung gibt es für Besucher, die den Park-and-Ride-Service ab Parkhaus Airport Bremen nutzen. Näheres auf der Internetseite www.classicmotorshow.de.

Mehr über die Messe lesen Sie am Sonnabend auch in unserer Beilage Motor.markt. Sind Oldtimer noch eine gute Geldanlage? Welche Modelle versprechen den größten Wertzuwachs? Im Interview spricht Karl-August Almstadt, der die Messe seit vielen Jahren begleitet und bis 2011 in der Chefredaktion des Fachmagazins „Auto Bild“ tätig war, über den besonderen Reiz der Bremer Veranstaltung – und die Entwicklung auf dem Markt gediegener PS-Kunstwerke. Zudem beantwortet Dirk Klöß, in Sachen klassischer VW-Busse einer der Experten schlechthin, den Fragebogen unserer Rubrik Autogramm.

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