Stillleben-Ausstellung Die Schönheit der Dinge

Helga Busch zeigt in ihrer Kleinen Galerie in Findorff unter dem Titel „Gestelltes Leben“ Stillleben und Skulpturen von Marco Bruns, Rita de Cassia Lorenzon Violante und Ulrike Wilkens.
13.03.2019, 16:11
Lesedauer: 2 Min
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Von Anke Velten

„Zwiebeln“, „Banane", „Zwei weiße Eier" und „Tomaten“: Was sich anhört wie ein Einkaufszettel, sind in diesem Fall die Titel einiger der Werke, die zurzeit in der Findorffer Kleinen Galerie gezeigt werden. Und noch erstaunlicher: Ganz genau das ist auf den Bildern auch zu sehen. Erstaunlich, weil Stillleben nach Art von Marco Bruns und Rita de Cassia Lorenzon Violante in der Malerei schon sehr lange aus der Mode gekommen sind. Auch „schön" ist nicht unbedingt eine Kategorie, die in der zeitgenössischen Kunst als Kompliment betrachtet wird. Aber die Besucher fanden die Ausstellung „Gestelltes Leben“ wirklich wunderschön! Bereits nach dem ersten Wochenende war ein guter Teil der Exponate für Käufer reserviert.

Seinen Namen dürften viele Bremer dabei schon aus einem ganz anderen Metier kennen: In seinem beruflichen Alltag ist Marco Bruns Dermatologe mit eigener Praxis in der Bremer Innenstadt. Seinen akribischen Blick und die manuelle Präzision trainiert der gebürtige Emsländer, Jahrgang 1960, also jeden Tag – und malt nebenher, so lange er denken kann. Seit mehr als zwanzig Jahren schult er seine Fertigkeiten beim Gröpelinger Künstler und Dozenten Dirk Mühlenstedt und zeigt sie in Findorff erstmals öffentlich. Seine Arbeiten, die der Schärfe von Fotografien beeindruckend nahe kommen, sind sorgfältig beleuchtete Kompositionen. Neben klassischen Stillleben-Objekten werden bei ihm auch Werkzeuge, eine durchsichtige Plastiktüte und sogar Sanitärkeramik zu Titelmotiven. Die Objekte an sich haben für ihn „keine Bedeutung", erklärt Bruns, der im Peterswerder wohnt: Er wählt sie nach rein ästhetischen Gesichtspunkten und als künstlerische Herausforderungen, was die Darstellung von Licht, Transparenz und Oberflächenstrukturen anbelangt.

Das verbindet ihn mit dem französischen Maler Jean Siméon Chardin (1699-1779), der das Stillleben von barocker Symbolik und Mythologie befreite. Dem für seine Zeit überaus eigensinnigen Künstler waren die Dinge des Alltags in ihrer Schlichtheit schön genug. Rita de Cassia Lorenzon Violante hat Chardin eines ihrer Werke gewidmet. Wie das Vorbild aus dem 18. Jahrhundert malt die Gröpelingerin am liebsten Blumen, Früchte und bäuerliches Keramikgeschirr. Sie verwendet Ölfarben, die ihren Motiven Tiefe, Glanz und Würde verleihen, und inszeniert sie gerne in Rahmen, die sie auf Antikmärkten entdeckt. Wie Chardin arbeitet die gebürtige Brasilianerin, Jahrgang 1960, oftmals wochenlang und mit unendlicher Geduld an einem Bild. Und wie die alten Meister vor der Erfindung der Fotografie malt sie vorwiegend direkt vom unbelebten Modell. „Weil ich nicht gut sehen kann, muss ich die Dinge ganz aus der Nähe betrachten“, erklärt die bescheidene Künstlerin, die hauptberuflich Sprachen unterrichtet und ebenfalls Schülerin von Dirk Mühlenstedt ist. „Je weniger man sieht, desto mehr möchte man erkennen.“

Galeristin Helga Busch hat diesen mehr als 50 malerischen Augenweiden einen Kontrapunkt gegenübergesetzt und die kleinen Skulpturen mit Ecken und Kanten von Ulrike Wilkens absichtsvoll arrangiert. Sie treten mit den Bildern in Beziehung und bilden mit ihnen ganz ungewöhnliche dreidimensionale Stillleben. Die promovierte Informatikerin aus Achim-Uesen gibt ihren skurrilen Kreaturen aus Speckstein rätselhafte und vergnügliche Titel. Die Betrachter sind eingeladen, sich zu wundern: Denn so etwas haben sie im Alltag bestimmt noch nicht gesehen.

Die Ausstellung „Gestelltes Leben" bleibt bis Sonnabend, 18. Mai, in der Kleinen Galerie Eichenberger Straße 62. Öffnungszeiten sind freitags, 15 bis 19 Uhr, und sonnabends, 14 bis 18 Uhr, sowie nach Vereinbarung unter der Rufnummer 04264-2486 oder helgabusch@gmx.de. Über das Osterwochenende und am 3./4. Mai ist die Galerie geschlossen.

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