Wie Findorff zu seinem Namen kam

Ein Dorf, das mit zwei f geschrieben wird

Warum Findorff seinen Namen trägt, erschließt sich nicht auf den ersten Blick. Hatte der bekannte Moorkolonisator Jürgen Christian Findorff mit Bremen doch eigentlich gar nichts zu tun.
21.02.2020, 22:50
Lesedauer: 4 Min
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Ein Dorf, das mit zwei f geschrieben wird
Von Frank Hethey
Ein Dorf, das mit zwei f geschrieben wird

Über den Torfkanal gelangte einst auf Torfkähnen der begehrte Brennstoff aus dem Teufelsmoor nach Bremen.

Christina Kuhaupt

Eigentlich hat Jürgen Christian Findorff mit Bremen nur wenig zu tun. Um nicht zu sagen: so gut wie gar nichts. Zu Lebzeiten hielt sich der bekannte Moorkolonisator vorzugsweise nördlich von Bremen auf. Im Teufelsmoor hob der Landvermesser eine ganze Reihe neuer Siedlungen aus der Taufe. Seine Mission im Auftrag des Kurfürsten von Hannover: das unwirtliche Moorgebiet zu erschließen, es zu kolonisieren. Als Moorbauern sollten die neuen Siedler zwar auch Landwirtschaft betreiben, als weitaus lukrativer erwies sich allerdings der Torfabbau.

Bis heute erinnern etliche Straßennamen von Worpswede bis nach Bremervörde an den Mann, der vor genau 300 Jahren das Licht der Welt erblickte. Auch mehrere Grundschulen tragen seinen Namen, eine Apotheke, sogar eine Kirche. Nicht zu vergessen ein in der Gemeinde Gnarrenburg gelegenes Dörfchen, das Findorff seine Existenz verdankt. 1781 soll er der Siedlung seinen Namen gegeben haben. Warum dieses Findorf allerdings nur mit einem f geschrieben wird, liegt im Dunkel der Geschichte. Vielleicht ist das zweite f einfach verloren gegangen, das kann schon mal passieren im Laufe der Zeit.

Torf als begehrter Brennstoff

Und dann ist da noch der Stadtteil im Bremer Westen. Sicher, der Torfhafen wie auch der Torfkanal stellen eine Verbindung zum viel gepriesenen Moorkolonisator her. Als Brennstoff war der Torf in Bremen eine heiß begehrte Ware. Um ihn aus den Moorgebieten abzutransportieren, ließ Findorff ein dichtes Kanalnetz anlegen, das zugleich der Entwässerung diente. Doch erst 25 Jahre nach seinem Tod begann 1817 der Bau eines Torfkanals, der die Abbaugebiete im Teufelsmoor mit Bremen verband. Mithilfe von Torfkähnen gelangte der Brennstoff in die Stadt, die damals langsam, ab Mitte des Jahrhunderts immer schneller wuchs.

Christian Findorff

Christian Findorff

Foto: Grafik WESER-KURIER

Ein erster Torfhafen entstand in Höhe der Plantage, ein zweiter 1847 längs der neuen Bahnstrecke an der Bürgerweide. Doch schon bald benötigte man den Platz für andere Zwecke, weshalb der Torfhafen weiter an den Stadtrand verlegt wurde, ab 1872 wurde das sogenannte Torfbassin zwischen Weidedamm und Hemmstraße angelegt. Der größte Teil des einst stattlichen Hafenbeckens ist längst zugeschüttet, heute existiert nur noch ein kleiner Rest am Bürgerpark.

Teil der Bahnhofsvorstadt

Allerdings war damals noch lange nicht von Findorff die Rede, jedenfalls nicht offiziell. Das Gebiet des heutigen Stadtteils gehörte anfangs schlicht und einfach zur Vorstadt. Von der es zunächst auch nur eine gab, erst mit dem rasanten Wachstum der Stadt differenzierte man zwischen verschiedenen Vorstädten. Findorff war Teil der Bahnhofsvorstadt, die bis dahin nur südlich der Bahnlinie bestanden hatte. In die ersten Häuser zogen zumeist Eisenbahner und ihre Familien ein. „Das schnell expandierende Eisenbahner-Quartier wurde von der stadtbremischen Verwaltung vorerst gar nicht als eigener Stadtteil wahrgenommen“, schreibt der vor knapp vier Jahren verstorbene frühere Ortsamtsleiter Hans-Peter Mester.

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Wurde wieder einmal eine neue Straße angelegt, geschah das auf dem Gebiet der ehemaligen Feldmark Utbremen. So auch noch, als 1894 die Eickedorfer Straße angelegt wurde, die an die zweite Siedlung erinnern sollte, die Findorff gegründet hatte. Wie präsent der Moorkolonisator damals im kollektiven Bewusstsein war, belegen weitere Namensfindungen zu seinen Ehren: 1892 wurde die Torfstraße in Findorffstraße umbenannt, 1908 erhielt die Verlängerung zwischen Torfkanal und Bürgerpark den Namen Findorffallee.

Gleichwohl trug der Stadtteil noch immer nicht seinen jetzigen Namen. Der heutige Bürgerverein Findorff wurde 1902 als Bürgerverein für die Bahnhofsvorstadt gegründet. Laut Hans-Peter Mester ging der Namensteil „Bahnhof“ mit der Zeit verloren, stattdessen habe sich der Begriff „nördliche Vorstadt“ eingebürgert. Eine alternative Benennung bieten die zeitgenössischen Adressbücher an, in denen von „Utbremer Vorstadt“ die Rede ist, wenn Straßen im heutigen Findorff lokalisiert werden.

Doch wie auch immer die amtliche Namensgebung lautete, die Bewohner scheinen schon damals ihre eigenen Wege gegangen zu sein. In Anlehnung an den Namenspatron der Findorffstraße sprachen sie offenbar kurzerhand von Findorff oder Findorffviertel, wenn es um ihren Stadtteil ging. Mester sieht darin eine Erinnerung an den Moorkolonisator, immerhin habe seine Erschließung der Moore den Torfkanal zu einer Lebensader Bremens gemacht, Torfschiffer und Händler seien prägende Gestalten in der entstehenden Vorstadt gewesen.

Die Stadt Bremen ließ sich Zeit

Denkbar freilich auch, dass die im Namen schon vorhandene Bezeichnung „Dorf“ eine Rolle spielte. Noch heute wird sich manch einer, der mit der Gestalt des Moorkolonisators nicht vertraut ist, ein bisschen wundern, warum Findorff entgegen aller guten Sitte mit zwei f geschrieben wird. Jedenfalls dauerte es noch eine ganze Weile, bis die Stadt Bremen sich auch von Amts wegen auf die im Volksmund längst übliche Bezeichnung einließ. Erst seit 1951 heißt der kleinste Stadtteil im Westen auch offiziell Findorff.

Info

Zur Sache

Jürgen Christian Findorff, der Moorkommissar

Das Licht der Welt erblickte Johann Christian Findorff am 22. Februar 1720 in Lauenburg an der Elbe. Der Sohn eines Tischlers übernahm zunächst die väterliche Werkstatt, machte aber schon bald höheren Orts auf sich aufmerksam. Lauenburg gehörte damals zum Kurfürstentum Hannover, im hannoverschen Landbaumeister fand der junge Findorff einen Förderer, er erhielt eine Ausbildung in Wasserbau und Landvermessung. Ab 1751 beteiligte sich Findorff an der Moorkolonisation, der Trockenlegung und Besiedlung der Moore zwischen Wümme und Hamme. 1771 wurde er als Moorkommissar mit der Leitung der Kolonisierung betraut, als „Vater aller Moorbauern“ ging er in die Geschichtsbücher ein. In seinen späten Jahren war Findorff in der Gegend um Bremervörde aktiv, wo er am 31. Juli 1792 im Alter von 72 Jahren starb.

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