Renate Jürgens-Pieper stellt sich dem Bildungsdialog Eltern fordern mehr Räume und Lehrer

Weidedamm. Beim Bildungsdialog haben Eltern, Lehrer und Schüler die Chance genutzt, Bildungssenatorin Renate Jürgens-Pieper persönlich mit Kritikpunkten zu konfrontieren: die Probleme bei der Schulanwahl, aber auch fehlende Räume und Lehrkräfte.
25.04.2010, 08:20
Lesedauer: 3 Min
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Von Anke Velten

Weidedamm. Was eine gute Schule ausmacht, ist im neuen Bremer Schulgesetz und in 19 ambitionierten Empfehlungen der Bildungsbehörde nachzulesen. Eltern, Lehrkräfte und Schulleitungen nutzten nun Donnerstag die Chance, Bildungssenatorin Renate Jürgens-Pieper eindringlich zu schildern, wo die Theorie an der Praxis scheitern könnte. Der Gemeindesaal der Bonifatius-Gemeinde war voll besetzt.

Vor allem an mangelnden und unsanierten Räumlichkeiten und an fehlendem Lehrpersonal machten die Redner ihre Kritik fest. An gutem Willen mangele es nicht, entgegnete Renate Jürgens-Pieper, sondern an den notwendigen Mitteln. Sie versprühte sogar diverse Hoffnungsschimmer.

Eltern machen ihrem Ärger Luft

Die großen Probleme bei der Anwahlsituation dieses Jahres war eines der Themen, die den Anwesenden unter den Nägeln brannten. Dazu war auch eine große Gruppe von betroffenen Eltern aus anderen Stadtteilen nach Findorff gekommen und verschaffte sich mit Plakaten und Zwischenrufen Gehör.

Nicht die Tatsache, dass neun Prozent aller Viertklässler - rund 360 Kinder - bislang keine Zusage von den von ihnen angewählten Schulen bekommen haben, sei dabei ungewöhnlich, sagte die Bildungssenatorin.

Ungewöhnlich hoch sei indes die Zahl der Doppelanmeldungen und der Eltern, die sich nach ihrer Entscheidung nicht zurückgemeldet hätten. Dieses 'Kommunikationsproblem' solle im kommenden Jahr vermieden werden, indem Eltern eine verbindliche Rückmeldefrist gesetzt werde.

Behörde kommt auf Betroffene zu

Die nun betroffenen Eltern und Kinder würden in den nächsten Tagen den Bescheid der Behörde bekommen, kündigte Jürgens-Pieper an. Der langwierige Prozess sei 'nicht akzeptabel'.

Dass es in Bremen nicht an Schulraum mangele, betonte die Senatorin ebenfalls. Die Behörde prüfe, wie die Attraktivität von Schulstandorten gesteigert werden könne, die vergleichsweise schwach angewählt werden.

Das Problem besteht in Findorff bekanntlich nicht. Die Oberschule Findorff gehört zu den begehrten Schulstandorten. Die Behörde ist in diesem Jahr durch eine zusätzliche Containerklasse dem massiven Wunsch der Eltern nach wohnortnaher Beschulung nachgekommen.

Weitere Befürchtungen

Dennoch äußerten mehrere Eltern die Sorge, dass das notwendige Lehrpersonal für die neuen Klassen zu Lasten der Unterrichtsversorgung der Schülerinnen und Schüler aus den auslaufenden Sekundar-und Gymnasialklassen gehen könnte. Hinsichtlich der Zusage für die Übernahme zweier Referendarinnen signalisierte die Senatorin: 'Wir sind im Gespräch, es scheint zu klappen.'

Räumliche Ressourcen vorhanden Wie groß die Belastung für die Schule und das Kollegium bereits durch die fehlenden räumlichen Kapazitäten sind, verdeutlichten eindringliche Schilderungen: Angebote zur Differenzierung und für Gruppenarbeit, wie sie das Konzept der Oberschule fordere, seien bereits jetzt unmöglich.

'So kann es nicht weitergehen', ereiferte sich eine Lehrerin. Ihr Appell an die Senatorin: 'Wir möchten endlich ernst genommen werden!'

Vorwurf: Raumressourcen nicht ausgeschöpft

Die erforderlichen räumlichen Ressourcen in der Schule wären vorhanden, wenn der Ausbau der Dachgeschosse und der Gebäudetrakte, die durch ihren baulichen Zustand inzwischen unbenutzbar geworden seien, in Betracht gezogen würden, verdeutlichte Schulleiter Stephan Michael.

'Wir brauchen endlich einen Zeitplan für die Sanierung des gesamten Gebäudes', forderte ein Elternvertreter. 'In den vergangenen hundert Jahren sind hier noch nicht einmal die Türklinken ausgetauscht worden', sekundierte eine Elternvertreterin.

Rund 7,6 Millionen Euro, zum Teil aus dem Konjunkturprogramm II, sind laut Mustafa Güngör, bildungspolitischer Sprecher der SPD-Bürgerschaftsfraktion, für Bauarbeiten und Ausstattung in Findorffer Schulen vorgesehen.

Sie fließen vor allem in drei Projekte: die Maßnahmen rund um den Turnhallen-Neubau am Weidedamm, den Umbau der Grundschule Admiralstraße zur Ganztagsschule sowie den Mensaneubau in der Oberschule Findorff.

Die knappe Kasse erschwerten die Realisierung von Großprojekten, erklärte die Bildungssenatorin und versprach. 'Wir können gemeinsam einen Plan machen, der in Stufen verwirklicht werden kann.'

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