Für alle ein Hochleistungstraining

Respekt für das Kita- und Schulpersonal

Findorffer Bildungsausschuss erkundigt sich nach dem Alltag unter Pandemiebedingungen.
08.10.2020, 10:22
Lesedauer: 4 Min
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Von Anke Velten

Findorff. Die Virusprävention hat viele Nebenwirkungen. Für die Grundschulkinder an der Admiralstraße bringt sie unter anderem mit sich, dass sie ihre Turnhalle auf absehbare Zeit nicht mehr für den Sportunterricht nutzen können. In Sachen Reaktionsschnelligkeit, Flexibilität und Stressresilienz ist die derzeitige Situation indes für alle Beteiligten ein Hochleistungstraining, wie der Findorffer Bildungsausschuss aus den Schulen und Kitas des Stadtteils erfuhr. Bislang läuft es dort den Umständen entsprechend gut - vor allem, weil Verwaltung, Personal und Eltern an die Grenzen der Belastbarkeit gehen, oder, anders ausgedrückt: „auf dem Zahnfleisch“, wie es eine Kitaleiterin formulierte. Dafür gab es vom Ausschuss expliziten Respekt und Dankbarkeit.

Den Schulleitungen und Lehrkräften beschert der Umgang mir den Corona-Regeln vor allem sehr viel zusätzliche Arbeit, konnte unter anderem Konrektorin Doris Weiße aus der Grundschule an der Augsburger Straße berichten. Externe Angebote, für die die Schule bislang unter anderem in Kooperation mit Sportvereinen durchführte, fallen derzeit komplett weg. Der Ganztagsbetrieb muss folglich vom hauseigenen Personal aufrecht erhalten werden. In der Praxis gestalte sich das „momentan gut“, so Weiße. Dennoch habe die Schulleitung ihre Notfallpläne jederzeit griffbereit. „Das System funktioniert nur, solange keine Mitarbeiter erkranken“, mahnte die Findorffer Konrektorin. Auch von Uwe Lütjen, Leiter der Oberschule Findorff, gab es überschwängliches Lob für das Kollegium. „Zurzeit guckt keiner auf die Arbeitszeit“, berichtete Lütjen.

Als „anstrengend“ nimmt Susanne Ohlrogge-Hauser aus der Leitung des Vereins Familien in Findorff die aktuelle Lage wahr. Die Tatsache, dass der Verein seine Gruppen auf fünf Standorte im Stadtteil verteilen muss, erweise sich für den Betreuungsträger zurzeit zwar als Vorteil. Dass man die Mitarbeiter aus Sicherheitsgründen allerdings nicht unter den verschiedenen Standorten austausche, und Gruppen bei Erkrankung einer Betreuungskraft ausfallen, sorge mitunter für Unverständnis, so Ohlrogger-Hauser – zumal die Branche bereits vor der Pandemie unter akutem Fachkräftemangel litt. Die gute Nachricht: Die Kleinen kommen mit der Ausnahmesituation gut zurecht. „Kinder sind stressresistent“, so die Pädagogin.

Das Kinderhaus Fin-Kids der Hans-Wendt-Stiftung hat sich auf ein geschlossenes Konzept umgestellt, berichtete Sophia Puaczs, Leiterin der Kita am Weidedamm: Die Kinder dürfen nicht mehr von einer Gruppe in eine andere wechseln. Neue Kinder werden nur einzeln nach und nach in die Gruppen aufgenommen. Die „sehr lange“ Eingewöhnungsphase habe allerdings den Vorteil, dass die Kinder Zeit hätten, eine intensive Bindung zu den anderen Kindern und zu den Bezugspersonen aufzubauen.

Die Grundschule an der Admiralstraße muss auf ihre Turnhalle verzichten, seit der Raum aufgrund der vorgeschriebenen Kohortenregelung als Zweit-Mensa eingerichtet wurde. Um den Kindern Bewegung zu ermöglichen, waren bislang die eigenen Schulhofflächen sowie der nahegelegene Spielplatz an der Herbststraße genutzt worden. Problem: Der Spielplatz bildet das Außengelände der ansässigen Kindergruppe Sonnenstrahl und der benachbarten Fif-Gruppen. „Das wurde dort einfach zuviel“, berichtete Konrektorin Cornelia Schulz. Einen Kompromiss, bei dem Kitas und Schule den Platz zeitlich getrennt nutzen könnten, schlug Ohlrogge-Hauser vor. Noch viel näher läge es indes, wenn die Schule den Wendehammer an der Lohmannstraße ihrem Freigelände zuschlagen dürfte, fand der Bildungsausschuss. Eine entsprechende Idee, die indes den gesamten Straßenbereich einschloss, hatte zuvor die SPD als Antragsentwurf eingebracht. Der Ausschuss einigte sich auf folgende Variante: Er wird das Amt für Straßen und Verkehr auffordern, die Möglichkeit zu prüfen, ob die Wendefläche zu einer „pandemiebedingten temporären Spielstraße“ umgewandelt werden könnte. Dazu müsste der Platz in der Unterrichtszeit zwischen 10 und 13.30 Uhr für fahrenden und haltenden Verkehr gesperrt werden. Zugleich wird die Bildungsbehörde gebeten, den Findorffer Antrag bei den Verkehrssachbearbeitern wohlwollend zu unterstützen. Wohlwollen und Verständnis auch unter den Anwohnern erhofft sich der Ausschuss durch ein ausführliches Informationsschreiben, in dem die Dringlichkeit der Lage geschildert werden soll.

Seit Jahren ein Thema, nicht nur in Findorff, ist der tagtägliche Bring- und Abholverkehr vor den Schulen. So machte eine Schulleiterin aus dem Umland kürzlich Schlagzeilen, weil sie aus akutem Leidensdruck die Zufahrt zu ihrer Schule für den Autoverkehr sperren ließ. Um die Zahl der „Elterntaxis“ zu verringern, müsse man die Kinder dazu ermuntern, zu Fuß zu gehen, und den Eltern mögliche Ängste nehmen, erklärte Angelika Schlansky vom Verein Fuß e. V. Die Schulwege müssten dazu gefahrenfrei gestaltet werden, mit Gehwegen, die breit genug sind, und sicheren Querungsmöglichkeiten, wo immer sie gebraucht werden. Die direkte Zufahrt bis vor das Schultor müsse durch Barrieren oder Kontrollen verhindert und notfalls sanktioniert werden, fordert die Stadtplanerin weiter. Eine praktikable Alternative für die wenigen Ausnahmen, in denen Eltern ihr Kind wirklich nicht anders als mit dem Auto bringen und abholen können, seien „Elternhaltestellen“, die in einiger Entfernung zur Schule eingerichtet werden.

An der Herbststraße sei es nur eine Frage der Zeit, bis dort ein schwerer Unfall passiere, warnte Susanne Ohlrogge-Hauser. „Viele Autos und Lkw geben dort richtig Stoff. Manche gucken null.“ Es sei ihr daher ein großes Anliegen, dass durch bauliche Veränderungen die Durchfahrtgeschwindigkeit reduziert werde. Priorität als besonders risikobehaftet hätten dabei die Kreuzungsbereiche zur Lohmannstraße und zur Blocklander Straße, so die Fif-Leiterin.

Der Bildungsausschuss wird den Fachausschuss für Verkehr auffordern, sich der Problemstellen anzunehmen und entsprechend Abhilfe zu schaffen.

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