Sorge um Zukunft des Wertstoffhofs

Beirat kämpft für Recyclingstation

Der Findorffer Beirat ist beunruhigt, wie es mit der Recyclingstation im Stadtteil weitergeht. Inoffiziell sind den Mitgliedern die Pläne für das Zukunftskonzept für die Stationen bekannt. Das sorgt für Unmut.
23.11.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Anke Velten
Beirat kämpft für Recyclingstation

Der Beirat befürchtet, dass das Angebot und die Öffnungszeiten der Findorffer Recycling-Station eingeschränkt werden.

Roland Scheitz

Schon vor der offiziellen Vorstellung des Zukunftskonzeptes für die Bremer Recyclingstationen schlägt dieses hohe Wellen. In der vergangenen Woche waren erste Details des Konzepts durchgesickert geworden: Demnach könnten sieben kleinere Stationen, darunter auch die in der Kissinger Straße, nicht nur inhaltlich neu ausgerichtet, sondern in den Wintermonaten komplett geschlossen werden. Das jedenfalls befürchtet der Findorffer Beirat.

„Das ist keine Bremer Politik, und ganz sicher keine Findorffer Politik“, kritisiert die Findorffer Beiratssprecherin Anja Wohlers (Grüne). Sie kündigte nun den geschlossenen Widerstand des Beirats an. In einem gemeinsamen Beschluss forderte der Beirat die Bremer Stadtreinigung (DBS) als Betreiberin der Recyclingstationen dazu auf, die Findorffer Station spätestens zum 4. Januar wieder „vollumfänglich“ zu öffnen. Die Möglichkeit, wohnortnah und regelgerecht Wertstoffe abzugeben, sei nicht nur aus ökologischen Gründen unverzichtbar. Die Findorffer bezweifeln auch, dass das neue Konzept nachhaltig wirtschaftlich sinnvoll sei.

Die Findorffer Recyclingstation wurde – wie sämtliche anderen – im Zuge der Pandemie-Beschränkungen geschlossen, und als eine der letzten Einrichtungen der Stadt Ende Juni wieder geöffnet – nicht zuletzt nach Druck aus dem Stadtteil, allerdings mit reduzierten Öffnungstagen und -zeiten. Diese Einschränkungen habe man lange genug „zu einem gewissen Grad akzeptiert“, so Wohlers. Der Findorffer Beirat hatte die DBS in den vergangenen Monaten in zwei Beschlüssen aufgefordert, zu den gewohnten täglichen Betriebszeiten zurückzukehren. Innerhalb der Beiratssitzung vom 17. November folgte die dritte Erinnerung, verbunden mit der Aufforderung, „von jedweder Einschränkung des Leistungsspektrums im Zuge des abzustimmenden Entwicklungsplans 2024 abzusehen“.

DBS-Vorständin Daniela Enslein teilte nun mit, dass die derzeitige Einschränkung auf der Recyclingstation in Findorff ausschließlich coronabedingt sei. Diese werde, sofern sich die Lage entspannt, wieder vollständig aufgehoben. „Das betrifft im Moment auch leider noch drei weitere Stationen“, so Enslein weiter. „Wir hoffen, dass wir die Stationen bald wieder vollständig öffnen können.“

Des Weiteren teilte die Vorständin mit, dass innerhalb einer Arbeitsgruppe für das Zukunftskonzept verschiedene Alternativen betrachtet worden seien. Ziel der Gruppe sei gewesen, die Abfallentsorgung über das sogenannte Bringsystem wirtschaftlich, bürgerfreundlich und umweltverträglich zu entwickeln. Die Arbeitsgruppe habe dafür die Trends von Wertstoffhöfen in den 30 größten Städten analysiert. „Auf der Basis sind Alternativen für die Entwicklung der Bremer Recyclingstationen bis zum Jahre 2024 entstanden.“ Weitere Details nannte Enslein nicht. Die Alternativen sollen laut Stadtreinigung am Mittwoch dem DBS-Verwaltungsrat und anschließend der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Das ist einer der Kritikpunkte des Findorffer Beirats. Laut Wohlers werden die Beiräte in einer Videokonferenz am Dienstagabend, also einen Tag vor dem Verwaltungsrat, über das Zukunftskonzept informiert. Wegen der Kurzfristigkeit der Information sei zu befürchten, dass die Stadtteile vor vollendete Tatsachen gestellt würden und keine Einflussmöglichkeiten mehr hätten.

Offiziell lägen den Beiräten noch keinerlei inhaltliche Informationen vor. Inoffiziell seien aus informierten Quellen bereits Details durchgesickert. Demnach sei beabsichtigt, die großen Stationen auszubauen und zu modernisieren. Die sieben kleinen Recyclingstationen sollen den Angaben zufolge dafür in ihrem Angebot und ihren Öffnungszeiten eingeschränkt werden. Konkret: Die Recyclingstationen in Horn, Huchting, Oslebshausen, Aumund, Findorff, Hemelingen und Obervieland sollen den Quellen zufolge in Zukunft vorwiegend als sogenannte Grün-Stationen mit weniger Betriebszeiten als bislang betrieben werden. Wohlers nennt die Pläne „katastrophal“. „Wir haben in den letzten Monaten täglich erlebt, wie wichtig den Findorfferinnen und Findorffern dieses Thema ist und wie problematisch die vorübergehende Schließung war“, sagt sie.

Laut Heiko Fritschen, Leiter des Findorffer Recyclinghofs der Gröpelinger Recycling-Initiative, der am selben Ort mit 30 Mitarbeitern unter anderem den Recycling-Markt und einen Quartiersservice betreibt, nutzen täglich mehr als 500 Menschen das Angebot, Wertstoffe, Grünabfälle und Elektroschrott an der Findorffer Recyclingstation abzugeben. „Ein großer Teil kommt mit Rad, zu Fuß oder mit der Schubkarre“, erzählt Fritschen. Müssten sie demnächst auf die nächstgelegene – aber weit weniger leicht erreichbare – Abgabestelle an der Blocklanddeponie ausweichen, befürchtet der Beirat einerseits „zwangsläufig“ eine Zunahme des Autoverkehrs und andererseits eine vermehrte Entsorgung von Wertstoffen im Restmüll.

„Das widerspricht allen Vorgaben, die Recyclingquoten zu erhöhen“, sagt auch Wohlers Beiratskollege Ulf Jacob (Grüne). Zudem werde die Gefahr der illegalen Müllentsorgung steigen, heißt es im Beiratsantrag. Es sei davon auszugehen, dass deutlich mehr gelbe Säcke und Papiermengen vor den Abfuhrtagen auf den Straßen, und Abfälle rund um die Container liegen.

Der Beirat Findorff stehe geschlossen zum Erhalt der Recyclingstation mit all ihren Angeboten, sagt Wohlers. „Für uns ist entscheidend, dass so schnell wie möglich und weiterhin alle Bürgerinnen und Bürger ihre Wertstoffe zur Recyclingstation bringen können, ohne auf ein Auto angewiesen zu sein“, sagt die Beiratssprecherin. „Hierzu gibt es absolut keine Alternative.“

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