Gesichter des Freimarks

„Ich höre gerne den Regen aufs Wagendach prasseln“

Michael Wundsam (58) macht mit seinen „Zuckerwaren“ die Schleckermäuler auf der Bügerweide glücklich. Warum er die Sprüche der Ansager gar nicht mehr wahrnimmt, erzählt er im Interview.
27.10.2018, 20:01
Lesedauer: 2 Min
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„Ich höre gerne den Regen aufs Wagendach prasseln“
Von Nina Willborn
„Ich höre gerne den Regen aufs Wagendach prasseln“

Für Michael Wundsam ist der Freimarkt ein Stück Lebensgefühl. Der Schausteller Für ihn gehören besonders gebrannte Mandeln, Schmalzkuchen und 'ne Wurst zum Bremer Volksfest.

Christina Kuhaupt

Was ist Ihre erste Erinnerung an den Freimarkt?

Michael Wundsam: Als Kindheitserinnerung ist bei mir hängen geblieben, dass Bremen nachts für mich gelb war, durch die Straßenbeleuchtung. Das war vor 55 Jahren, wir sind damals immer aus Kiel angereist und die Fahrt hat ewig gedauert, weil wir mit unseren großen Lkw nur langsam über die Bundesstraßen fahren durften.

Mit welchem Karussell fahren Sie auf jedem Freimarkt?

Inzwischen fahre ich gar nicht mehr. Aber ich bin ja ein Schaustellerkind, von daher habe ich da schon einiges hinter mir, ich kann mich gut noch ans Teufelsrad und Rotor erinnern. Nur Achterbahnen waren nie mein Ding.

Welchen Geruch oder welches Geräusch verbinden Sie mit dem Freimarkt?

Ich nehme die Gerüche nicht mehr wahr. Das geht verloren mit der Zeit, genauso wie die Sprüche der Ansager. Für mich aber das schönste Geräusch auf dem Freimarkt ist, wenn der Regen auf den Campingwagen prasselt. Vor allem frühmorgens, wenn ich mich dann noch mal gemütlich umdrehen kann ...

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Was ist Ihre Lieblingssünde auf dem Freimarkt?

Die Bratwurst von Keunekes muss ich haben, die bekommt man in der Qualität nicht so oft. Gebackene Waffeln mit Sahne sind auch toll. Und dann gehe ich immer in Bremen in die Innenstadt oder auf den Findorffmarkt zu meinen Lieblingsbäckern. Beide machen sensationelles Brot.

Was darf für Sie nie auf dem Freimarkt fehlen?

Gebrannte Mandeln, Schmalzkuchen und 'ne Wurst. Das gehört einfach hierher.

Was muss ein Neuling auf dem Freimarkt unbedingt machen?

Ich glaube, der Freimarkt gehört zu den Jahrmärkten mit den meisten Karussells. Hier findet jeder was. Ich empfehle, einfach über den Platz, der übrigens sehr sauber ist, zu schlendern und zu genießen.

Was würden Sie nie auf dem Freimarkt machen?

Ich persönlich bin kein Fan der Festzelte. Diese großen Dinger sind nicht für mich erfunden worden. Aber das ist natürlich Geschmackssache.

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Warum wird es den Freimarkt noch in 100 Jahren geben?

Die Bremer sind traditionsbewusst. Sie gehen anders mit ihrem Freimarkt um als zum Beispiel die Kieler mit ihrem ,Umschlag‘. Das ist nur noch eine Veranstaltung unter ferner liefen. In Bremen waren die Kinder in der Schule früher immer aus dem Häuschen, wenn wir Schaustellerkinder kamen. Dann hieß es, ,oh, toll, die Freimarktskinder sind da‘. Ich glaube, dass dieses Gefühl geblieben ist.

Und was ist Ihr typisches Freimarkt-Gefühl?

Ich freue mich immer auf den Freimarkt. Hier werden wir rundum sehr freundlich aufgenommen. Wenn ich in Bremen irgendetwas brauche, zum Beispiel zum Schuster gehe und sage, dass ich vom Freimarkt bin, wird mein Auftrag sofort erledigt. Das ist einfach toll hier.

Freimarkt ist für mich ...

... ein Stück Lebensgefühl. Auch nach all den Jahren, das bleibt.

Die Fragen stellte Nina Willborn.

Info

Zur Person

Michael Wundsam (58) macht mit seinen „Zuckerwaren“ die Schleckermäuler auf der Bürgerweide glücklich. Schokofrüchte, Mandeln, türkischer Honig und Waffeln sind seit 1921 das Geschäft der Familie aus Brokstedt.

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