Interesse für Klimaschutz wecken

Klima-Kalle und die kleinen Schlaumeier

Im Kinderhaus Fin-Kids am Weidedamm startet das Projekt Ener-Kita der Bremer Klimaschutzagentur
02.07.2020, 06:45
Lesedauer: 2 Min
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Von Anke Velten

Paul weiß, dass Rote Bete ein Wintergemüse ist. Für Sophia und Edda ist klar: Himbeeren, Salatgurken und Rhabarber wachsen hier nur im Sommer. Und der Herbst, sagt Josh, ist die beste Zeit für Äpfel, Kürbisse und Pilze. Sofern die vier Sechsjährigen mit diesem Wissen nicht ohnehin schon manchen Großen voraus sind, dann sicher mit dem Bewusstsein: Wer kauft und verzehrt, was aus der Region stammt und nicht erst Tausende Kilometer eingeflogen werden muss, tut sehr viel für die Umwelt. Schon bei den Kleinsten das Interesse für den Klimaschutz wecken, und darauf setzen, dass sie die Erwachsenen mitziehen: Das ist das Ziel des techisch-umweltpädagogischen Projektes „Ener-Kita„, dem sich nun auch die neun Kindereinrichtungen der gemeinnützigen Hans-Wendt-GmbH angeschlossen haben. Bei ihrem ersten Außentermin seit März hörte auch Bildungssenatorin Claudia Bogedan, was die „Fin Kids“ vom Weidedamm schon jetzt alles gelernt haben.

Das Wissensspiel auf dem runden Jahreszeiten-Kreis und das interaktive Erzähltheater sind einige der Bausteine des Projekts Ener-Kita, das die Bremer Klimaschutzagentur Energiekonsens seit zehn Jahren in Kindergärten in und um Bremen anbietet – mit evaluiertem Erfolg, wie Energiekonsens-Geschäftsführer Martin Grocholl verkünden konnte. Nach Angaben der Klimaschutzagentur konnten die mittlerweile mehr als hundert teilnehmenden Einrichtungen insgesamt bereits rund 70 000 Euro Betriebskosten und gut 260 Tonnen klimaschädliches Co2 einsparen. Denn gemeinsam mit den Projektleitern nehmen die Kinder als kleine "Energie-Detektive" die Gebäude unter die Lupe, um Energiefresser wie uralte Kühlgeräte, Leuchtmittel oder schlecht eingestellte Heizungen aufzuspüren. Zudem werden Hausmeister, Küchen- und Reinigungspersonal für einen möglichst ressourcenschonenden Arbeitsalltag geschult. Der positive Nebeneffekt, so Grocholl: „Die Häuser sparen Geld, das sie für die Kinder viel besser verwenden können."

Für den pädagogischen Teil des Projekts, das vom Bundesumweltministerium gefördert wird, wurden neben der Ernährung auch die Aspekte Konsum, Mobilität, Energie und Wasser kindgerecht aufbereitet. Die Erzieherinnen und Erzieher werden dafür mit Fortbildungen und Materialien ausgestattet, und bekommen mit dem „Klima-Igel Kalle„ sympathische Unterstützung an die Hand. Es sei toll, die Kleinen so begeistert zu erleben, berichtet Projektleiterin Sonja Barth. Offiziell startet das Ener-Kita-Projekt der Fin-Kids erst nach den Sommerferien, doch den Findorffer Kindern liege die Natur nahe, erzählte Einrichtungsleiterin Sophia Puaczs: „Die Nachbarschaft zum Bürgerpark ist ein großes Glück. Hier können die Kinder ein Gefühl für die Natur entwickeln.“

Senatorin Bogedan freut sich, dass sie nach den großen Bremer und Bremerhavenern Trägern, Kita Bremen und Seestadt Immobilien, nun den dritten wichtigen Träger im Klimaschutz-Bunde begrüßen kann, und erwähnte, dass auch die Bremische Evangelische Kirche in ihren Häusern ein ähnliches Projekt anbietet. Man könne nicht zu früh damit anfangen, das Bewusstsein und das Verständnis für die Umwelt zu stärken – zumal, so Bogedan, Kinder ohnehin „die schlauesten Menschen auf der Welt„ seien. Sie setze große Hoffnungen auf die jungen Klimaschützer, denn schließlich seien es ja nicht die Erwachsenen, die die Kinder erzögen – sondern umgekehrt. Auch Jörg Angerstein geht davon aus, dass es die Eltern künftig zuhause mit vielen kleinen „Schlaumeiern“ zu tun bekommen werden. Der Geschäftsführer der Hans-Wendt-Stiftung berichtet von dem Vater, der sich nun jedes Mal einen Rüffel einfängt, wenn im beheizten Raum wieder das Fenster auf Kipp steht. Aber das, gestand der Vater, sei ja auch gut so.

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