Pflegekräfte geimpft

Impfzentrum auf der Bremer Bürgerweide eröffnet

Das Impfzentrum auf der Bremer Bürgerweide ist eröffnet: Acht Pflegekräfte wurden als erste geimpft. Für einen Regelbetrieb des Zentrums reicht der Impfstoff für Bremen aber noch lange nicht aus.
28.12.2020, 18:49
Lesedauer: 4 Min
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Impfzentrum auf der Bremer Bürgerweide eröffnet
Von Sabine Doll
Impfzentrum auf der Bremer Bürgerweide eröffnet

"Wunderbar", sagt Pflegekraft Sarah Schrader nach der Spritze. In drei Wochen steht ihr zweiter Termin im Impfzentrum an.

Frank Thomas Koch

Sarah Schrader gehört an diesem Montag zu den ersten acht Bremerinnen und Bremern, die im Impfzentrum auf der Bürgerweide gegen Covid-19 geimpft wurden. Sie arbeitet beim Paritätischen Pflegedienst Vegesack. „Wir haben jeden Tag mit sehr kranken und alten Menschen zu tun, die zur Risikogruppe gehören. Daher ist es unerlässlich und selbstverständlich, dass ich mich impfen lasse – zum eigenen Schutz, vor allem aber auch, um die Patienten zu schützen“, sagt die Pflegekraft.

Am Sonntag sind in Bremen die ersten Bewohner in Pflegeeinrichtungen geimpft worden, mobile Impfteams werden auch in den kommenden Tagen Heime mit dem Impfstoff von Biontech/Pfizer im gekühlten Gepäck anfahren. 4875 Impfdosen hat das Land Bremen aus der ersten Impfstoff-Lieferung für Deutschland erhalten, ein Fünftel davon geht an Bremerhaven.

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Neben der Erleichterung, dass nun auch in Deutschland und Bremen gegen das Coronavirus geimpft werden kann, ist aber auch die Enttäuschung über die begrenzten Ressourcen groß. „Bis Silvester werden wir wohl mit der ersten Runde an Impfungen durch sein. Bis Mitte Februar sollen die Nachfolgeimpfungen in den Heimen abgeschlossen sein„, sagt Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linke). “Wir hoffen, dass bald mehr kommt. Bisher haben wir nicht so viel Impfstoff, wie wir gerne hätten.“

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte am Zweiten Weihnachtstag 1,3 Millionen Biontech-Impfdosen für Deutschland bis Ende des Jahres in Aussicht gestellt. „Bei zwei Impfdosen pro Person und einem Anteil von knapp einem Prozent für das Land Bremen wären das bei dieser Menge unterm Strich 6500 Menschen, die damit geimpft werden könnten. Das ist kein riesiger Wert“, sagt Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD). Im Moment sei der Impfstoff „der Flaschenhals“, bei der Produktion müsse nachgelegt werden.

Vergabe von Lizenzrechten

Die Fragen, die dafür laut Bovenschulte geklärt werden müssten: Kann man Lizenzen an andere Unternehmen vergeben, die über ähnliche Produktionskapazitäten wie Biontech verfügen? Und ist es vielleicht notwendig, einen Zuschuss für Investitionen zu leisten? Die Vergabe von Lizenzrechten zur Beschleunigung der Impfstoffproduktion hat am Montag laut einem Bericht des Nachrichtenmagazins „Spiegel“ auch der gesundheitspolitische Sprecher der Linksfraktion im Bundestag gefordert.

Solange der Impfstoff der „Flaschenhals“ ist, wird auch der Betrieb im Impfzentrum überschaubar bleiben. Zunächst werden sich dort nach Angaben der Gesundheitsbehörde Pflegekräfte impfen lassen können, die dazu keine Möglichkeit in ihrer Einrichtung hatten. Sie würden von ihren Einrichtungen über den Termin informiert. Erst wenn ausreichend Impfstoff zur Verfügung stehe, könne der Regelbetrieb anlaufen.

Die „Impflinge“ in dem Zentrum in Halle 7 durchlaufen mehrere Stationen: vom Fiebermessen beim Einlass, über die Registrierung per Ausweis und Gesundheitskarte, das Ausfüllen eines Fragebogens und ein Gespräch mit Ärztin oder Arzt. Hierbei wird unter anderem nach Vorerkrankungen und Allergien gefragt. Dann kommt die Impfung.

Sarah Schrader sitzt vor einer der knapp 20 Impfkabinen. Ein Mitarbeiter bringt ein Tablett mit aufgezogenen Spritzen. Eine Ampulle reicht für fünf Impfdosen. Die Pflegekraft rollt den rechten Ärmel ihres langärmeligen Shirts hoch, keine Minute später ist sie geimpft. „Fertig. Hat er gut gemacht, wunderbar“, sagt der Profi über den Profi.

Impfzentrum Halle 7 Bürgerweide - Start am 28.12.2020

Im Ruhebereich stehen Liegen für die "Impflinge" bereit.

Foto: Frank Thomas Koch

Aufenthalt im Ruhebereich

15 Ärztinnen und Ärzte, 15 impfberechtigte Personen, fünf Fachkräfte zur Aufbereitung der Spritzen sowie 52 Verwaltungs- und Servicekräfte stehen laut Gesundheitsbehörde derzeit für die mobilen Teams und das Impfzentrum, das von der Johanniter Unfallhilfe geleitet wird, zur Verfügung. Nach der Spritze werden die „Impflinge“ gebeten, sich etwa eine Viertelstunde in einem Ruhebereich aufzuhalten, Stühle und Feldbetten sind dafür aufgestellt. Darüber hinaus gibt es eine Reihe von Kabinen mit Krankenhausbetten, für den Fall, dass es zu einer Impfreaktion kommt und eine ärztliche Versorgung notwendig ist.

Vor dem „Auschecken“ aus Halle 7 wird der Termin für die zweite Impfung nach 21 Tagen ausgemacht. „Kurz vorher wird noch einmal eine Erinnerung verschickt“, sagt der Sprecher der Gesundheitsbehörde, Lukas Fuhrmann. Wer diesen zweiten Termin verstreichen lässt, ihn vergisst oder aus anderen Gründen nicht wahrnimmt, riskiert nicht nur, dass die Impfung nicht wirkt. Die erste Impfdose wäre damit auch verschwendet.

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Die Gesundheitssenatorin warnt bei der Freude über die Möglichkeit zur Impfung aber auch davor, „dass wir bei der Pandemie noch lange nicht über den Berg sind“. Die Impfung sei wichtig und eine zentrale Säule, um „die entsetzlichen Todesfälle und sehr schweren Krankheitsverläufe verhindern zu können“. Hygiene- und Abstandsregeln sowie das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes seien weiterhin zwingend geboten. „Noch ist nicht geklärt, ob auch mit der Impfung eine Ansteckungsgefahr für andere besteht und wie sich die Mutationen des Coronavirus weiterentwickeln. Es ist definitiv nicht an der Zeit, Sorglosigkeit walten zu lassen“, betont Bernhard.

Sarah Schrader ist durch mit ihrer ersten Impfung. Sie und ihre Kollegen haben für die Premiere in Halle 7 eine Rose als Dank bekommen. In drei Wochen steht nun ihr zweiter Termin im Impfzentrum an.

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