Geschichtsträchtige Findorffer Ecke Hoffen auf ein schönes Ambiente

Der Jan-Reiners-Grünzug soll saniert und aufgewertet werden. Das erhöhte Investitionsbudget der Grünordnung macht es möglich.
20.07.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Anke Velten

Die Pflasterung ist eine Hügellandschaft mit Stolpersteinen. Von den Sitzbänken blättert die Farbe ab. Der Platz rund um den Standort der historischen Jan-Reiners-Lok hat sichtlich eine Auffrischungskur verdient. Die gute Nachricht: Die zuständige Behörde hat die geschichtsträchtige Findorffer Ecke im Blick.

Im Rahmen seiner öffentlichen Sitzung in der Schlachthof-Kesselhalle erfuhr der Findorffer Bauausschuss, dass begründete Hoffnung besteht, dass die Planungen für eine Sanierung und Aufwertung von Platz und Grünanlage in absehbarer Zeit beginnen können. „Die Grünanlage ist sanierungsbedürftig und hat ein adäquates Entree verdient”, bestätigte Bettina Hesse aus dem Umweltressort. Die städtische Grünordnung habe das Vorhaben „schon lange auf der Agenda“.

Der Grünzug, der parallel zur Fürther Straße beginnt und über den Utbremer Ring hinaus Richtung Innsbrucker Straße führt, ist nicht nur eine der wenigen grünen Lungen im dicht bebauten Stadtteil. Er ist auch ein Ort von zentraler historischer Bedeutung für Findorff.

Der „Jan-Reiners-Wanderweg“ wurde vor fast 50 Jahren auf der einstigen Trasse der gleichnamigen Kleinbahn angelegt. Zwischen 1900 und 1954 transportierte sie Menschen und Güter zwischen Stadt und Umland. An der Kreuzung Hemmstraße/Fürther Straße stand der „Personen- und Güterbahnhof Bremen“. Mit Bahnverwaltung, Wagenhalle, Lokwerkstatt und Bahnhofsgaststätte war der Hemmstraßen-Bahnhof der Wichtigste unter den 16 Haltestellen auf der Strecke zwischen Bürgerweide und Tarmstedt.

Nachdem der Betrieb eingestellt worden war, lag das ausgemusterte Bahngelände jahrzehntelang brach und verkam im Laufe der Zeit zu einem „Schandfleck“, wie der Bürgerverein Findorff in den 1960er-Jahren wiederholt ohne Umschweife anmahnte. In einer Ära, in der ernsthaft über den Bau einer Schnellstraße mit Verlauf quer durch den Bürgerpark diskutiert wurde, war auch die Asphaltierung der Bahnstrecke eine Option. „Man entschied sich dann aber gegen den Verkehr und für einen Grünzug”, erklärt Bettina Hesse, die im Ressort Grünordnung für das städtische Grün im Bremer Westen zuständig ist.

Die vormaligen Gleisanlagen wurden zu einem 23 000 Quadratmeter umfassenden „grünen Finger“ umgestaltet, in dem Eichen, Hainbuchen, Kastanien und Birken mittlerweile in imposante Höhen gewachsen sind. Laut den Archiven der Behörde wurde das erste Teilstück zwischen Hemmstraße und Utbremer Ring im September 1974 eingeweiht. 1977 war dann der Anschluss zwischen Utbremer Ring und Innsbrucker Straße fertiggestellt. Für das verwaiste Bahnhofsgelände hätte man sich in Findorff ursprünglich etwas ganz anderes gewünscht. 1965 präsentierte der Bürgerverein dem Bremer Bausenator eine Auftragsliste, die, so hieß es, die Vorstellungen des größten Teils der Bevölkerung widerspiegele. Im Zentrum des Stadtteils malten sich die Findorffer ein achtgeschossiges Hochhaus aus – auf Säulen gebaut, damit Durchgang und Durchblick zu den Grünanlagen nicht behindert würden.

Das Gebäude solle als Bürgerhaus genutzt werden und zudem Platz für eine Volksbibliothek, Altenwohnungen, Pflegestationen und eine Kindertagesstätte bieten. Hinter dem Haus sahen die Planungen einen Spielplatz, einen Verkehrserziehungsplatz und eine Rollschuhbahn vor. Der Findorffer Beirat sah die ambitionierten Pläne mit Wohlwollen, stockte sie mit eigenen Wünschen für Beiratsräume, einen Veranstaltungssaal und einem Restaurant auf, und forderte 1973 die Stadt auf, entsprechende Mittel im Haushalt bereitzustellen. Das ambitionierte Projekt materialisierte sich indes nie.

An die Vergangenheit des Ortes erinnern Relikte alter Bahnschienen und Waggonräder, die künstlerisch auf den Rasenflächen des Grünzugs installiert wurden. 1967 wurde die historische Jan-Reiners-Lok auf ihr Podest gehoben, die seit Februar des vergangenen Jahres zur Sanierung unterwegs ist. Das wird sie auch noch eine Weile lang bleiben, erklärte die Bürgervereinsvorsitzende Birgit Busch dem Bauausschuss: Dem Verein ist es mit der Rückholaktion nicht eilig. „Wir möchten die Rückkehr mit einem großen Fest feiern. Das ist aber zurzeit ja nicht möglich“, erklärte Busch. Daher werde man voraussichtlich den kommenden Winter abwarten.

Der Bürgerverein, der neben der Lok auch die Verantwortung für den 1980 installierten Springbrunnen übernommen hat, wünscht sich schon lange mehr Aufenthaltsqualität für das Areal. Was die Vergabe öffentlicher Mittel betreffe, dürfe Findorff „nicht immer hintenanstehen“, forderte die Vereinsvorsitzende.

Und dafür stehen die Zeichen möglicherweise gar nicht so schlecht. Mit ihren 23 000 Quadratmetern bildet die Findorffer Parkanlage nur einen winzigen Teil des Zuständigkeitsbereichs der städtischen Grünordnung: Insgesamt 2041 Hektar städtischer Parks und Grünanlagen, Parzellen und Kleingartengrün, Straßenbegleit- und Friedhofsgrün wollen gehegt und gepflegt werden, erklärte Hesse. Für Neuinvestitionen stand den Mitarbeitern bislang jährlich eine halbe Million Euro zur Verfügung. Größere Projekte konnten in der Vergangenheit daher vor allem mit Unterstützung von Stadtteil-Förderprogrammen umgesetzt werden. Für diese brauchte sich Findorff indes erst gar nicht bewerben: Wegen seiner guten Lage und Sozialstruktur gilt der Stadtteil als „nicht förderungswürdig“, so die Behördenvertreterin.

In diesem Jahr sei das Investitionsbudget der Grünordnung indes auf 888 000 Euro erhöht worden. Dies ermögliche den Planern, „sukzessive Projekte in Stadtteilen anzugehen, für die es keine Fördergelder gibt“.

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